Asylbewerber : Kreis sucht Wohnungen

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Kein zentrales Heim für Asylbewerber geplant

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18. November 2014, 08:00 Uhr

In diesem Jahr sollte der Landkreis 140 Asylbewerber aufnehmen, doch diese Zahl wurde längst nach oben korrigiert. „Jetzt sind es 211“, sagt Dr. Sabine Kramer, zweite Beigeordnete des Landrates. Bis Jahresende werden noch 70 Personen erwartet. Damit sei zwar nicht das Konzept der Unterbringung in Wohnungen gefährdet, aber der Kreis muss seine Anstrengungen vergrößern.

„Wir stoßen an unsere Kapazitätsgrenzen und werben deshalb in allen Kommunen um Wohnungen“, sagt Kramer. Vergangene Woche war das in Plattenburg und in Karstädt der Fall (wir berichteten). Lenzen, Bad Wilsnack, Putlitz und Meyenburg folgen. „Wir sprechen kommunale, aber auch private Vermieter an.“

Bis 2009 hatte der Kreis eine Gemeinschaftsunterkunft, doch dann sank die Zahl der Asylbewerber auf nur noch 50. Seitdem werden sie in Wohnungen untergebracht, bisher in Wittenberge, Perleberg und Pritzwalk. Die Prignitz ist in Brandenburg der einzige Kreis, der das macht und wurde dafür mehrfach von der Landespolitik gelobt.

„Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht“, sagt Sabine Kramer. Einerseits sei der Wohnraum vorhanden, die Vermieter profitieren davon. Andererseits gelinge die Integration der Asylbewerber auf die Weise besser „und wer Wohnungen anbietet, bekommt in erster Linie Familien zugewiesen“, erklärt Kramer. Familien seien leichter zu integrieren, als einzelne Personen, sagt sie.

Die Wohnungen erhalten eine Grundausstattung mit Möbeln und elektrischen Geräten. Finanziell geht der Kreis in Vorleistung, erhält aber pro Asylbewerber eine Pauschale vom Land. „Mit der müssen wir auskommen. Was teurer wird, muss der Kreis selbst finanzieren.“

Deutlich schwerer als eine Wohnung zu finden, gestaltet sich die sprachliche Verständigung mit den Asylbewerbern. Das sei besonders in den Schulen zu spüren. „Im Deutschunterricht muss noch mehr passieren“, fordert Kramer, denn Deutschkenntnisse seien die wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche Integration. „Aber bei den Klassenstärken ist das gegenwärtig für die Lehrer schwer machbar.“ Deshalb habe sich der Kreis auch an das Staatliche Schulamt gewandt. Dort würden Möglichkeiten geprüft, wie die Schulen bei dieser Aufgabe unterstützt werden könnten. Antworten stünden noch aus.

Auch wenn der Kreis langfristig weiter mit Wohnungen plant, arbeitet er parallel an Alternativen. Potenzielle Objekte für ein Heim werden geprüft, bestätigt Kramer. Die Aufnahme von Asylbewerbern sei eine Pflichtaufgabe, und der Kreis kann die Zahl selbst nicht beeinflussen. Der Verteilungsschlüssel gilt bundesweit und richtet sich unter anderem nach der Bevölkerungszahl und dem Steueraufkommen. Insofern wäre es in Anbetracht der globalen Situation leichtsinnig, keine Alternativen zu prüfen.

Dazu gehöre auch, dass der Kreis eigene, nicht genutzte Immobilien zu Wohnungen umbaut. Diese Option werde geprüft. „Unser Ziel ist es, die Asylbewerber nicht in einer Kommune zu konzentrieren, sondern sie zu verteilen“, sagt Kramer. Perspektivisch werde man Wohnungen in kleineren Orten oder Dörfern dazu nutzen. Persönlich freue es sie, wie aufgeschlossen die Bevölkerung reagiert. Besonders in Karstädt sei das der Fall gewesen.


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