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ÖPNV Prignitz : Kreis stellt Nahverkehrsplan vor

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Planungsvorlauf für Ausschreibung der Transportleistungen nach EU-Recht / Zwei neue Buslinien für Pritzwalk

Wie stellt man auch künftig die Schülerbeförderung sicher, welche sinnvollen Ergänzungen und Verknüpfungen findet man für den so genannten „Jedermannverkehr“ in Schul- und Ferienzeiten und wie kann man perspektivisch die große Fläche des Landkreises im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) flexibel bedienen? Antworten darauf soll der neue Nahverkehrsplan des Landkreises geben. Weitere Ziele des Planes, der am Mittwoch im kreislichen Bau- und Wirtschaftsausschuss vorgestellt wurde, sind die Anpassung der Fahrzeiten und -wege auf der Basis von Verkehrsanalysen, die Stärkung des Schienenpersonennahverkehrs und möglichst ein Zugewinn an Fahrgästen.

Realisiert werden soll das durch ein hierarchisch gegliedertes Liniensystem mit einem Grund- und einem Ergänzungsnetz, das die bisherigen acht gleichwertigen Verkehrsachsen ablöst. Im Grundnetz sollen mindestens fünf Busachsen verkehren, eine sechste gegebenenfalls die Bahnstrecke Pritzwalk-Meyenburg ersetzen. Als Zubringer zum Grundnetz fungieren die vier Achsen des Regionalnetzes. Die übrige Fläche soll durch alternative und flexible Bedienformen wie den Rufbus erschlossen werden. Weitere Neuheiten sind die Einführung einer Wochenendbedienung mit festen Fahrten auf den Grundachsen, zwei Buslinien für den Stadtverkehr in Pritzwalk und die sukzessive Umsetzung der im Personenbeförderungsgesetz geforderten Barrierefreiheit. Auch die Zusammenfassung des gesamten Nahverkehrs zu einem Linienbündel ist Geschichte, künftig werden zwei getrennte Lose in die Ausschreibung gehen.


Ausschreibung europaweit


Der Plan bildet zum einen die Grundlage die Entwicklung des Nahverkehrs im Landkreis, zum anderen für die nächste Ausschreibung der Verkehrsleistungen, denn die derzeit gültigen Liniengenehmigungen laufen am 31. Juli 2016 aus. „Seit der Vergabe der Genehmigungen 2008 hat sich die Rechtslage grundlegend geändert“, informierte Jane Meier, Verkehrswirtschaftlerin des Isup-Ingenieurbüros Dresden. „Aufgrund neuer EG-Verordnungen zu Ausgleichsleistungen – also Finanzzuschüssen vom Land – im Bereich des ÖPNV und einer Änderung des Personenbeförderungsgesetzes muss die Verkehrsleistung künftig europaweit ausgeschrieben werden. Eine Direktvergabe ist nicht mehr möglich.“

Bislang hatte der Kreis den Nahverkehr als ein sogenanntes Linienbündel an die kreiseigene Verkehrsgesellschaft Prignitz vergeben, die allein als Management fungierte und die Personenbeförderung von lokalen Busunternehmern erbringen ließ. Künftig hingegen können sich Unternehmen aus ganz Europa um den Nahverkehr in der Prignitz bewerben. Die Verwaltung ist dann in der Pflicht, auf das günstigste Angebot zurückzugreifen. Aufgrund der langen Vorlaufzeit, die das Ausschreibungsverfahren benötigt, war der Kreis gezwungen, seinen Nahverkehrsplan zu überarbeiten, bestätigt Geschäftsbereichsleiterin Edelgard Schimko.

„Spätestens ein Jahr vor Beginn des Vergabeverfahrens muss die Leistungsausschreibung veröffentlicht sein. Im Anschluss haben Verkehrsunternehmen drei Monate Zeit, Angebote abzugeben. Diese müssen kostendeckend sein, ohne öffentliche Zuschüsse“, erklärt Jane Meier. Gehen keine entsprechenden Angebote ein, laufe das Vergabeverfahren für eine gemeinwirtschaftliche Ausschreibung an, in dem spätestens sechs Monate vor Ablauf der gültigen Liniengenehmigungen ein Zuschlag erfolgen muss.


Plan lässt Raum für Details


„Der Plan gibt den Rahmen vor, in dem die Personenbeförderung künftig ablaufen soll“, sagte Edelgard Schimko in der Diskussion mit den Ausschussmitgliedern, in der auch Fragen zu Details, wie einzelnen Haltestellen und deren Erreichbarkeit, aufkamen. Einigkeit bestand indes darin, den Schienenverkehr mit allen Mitteln zu stärken, da einmal eingestellte Linien faktisch nicht mehr zu reaktivieren seien. Die letztendliche Entscheidung liege diesbezüglich aber immer beim Land. Die Busunternehmer, die bisher den Linienverkehr bedienen, gehen mit gemischten Gefühlen in die Ausschreibung. „Zum einen haben wir den Standortvorteil, kennen die Region und wissen, wie der Verkehr hier läuft“, sagt Frank Rüdiger-Gottschalk, Geschäftsführer des Reisedienstes Westprignitz sowie Vorstandsmitglied im Verband der Omnibusunternehmen in Brandenburg. „Das schützt uns aber nicht davor, dass ein Außenstehender ein Kampfangebot macht und wir zunächst das Nachsehen haben.“ In jedem Fall seien die Busunternehmer im Gespräch, um sich gemeinsam auf die Ausschreibung vorzubereiten. „Immerhin geht es um Arbeitsplätze in der Region“, so Rüdiger-Gottschalk.


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erstellt am 30.Jan.2014 | 22:00 Uhr

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