Sitzung des Jugendhilfeausschusses : Kreis spart im sozialen Bereich

Danuta Schönhardt (M.), Geschäftsbereichsleiterin beim Landkreis Prignitz.
Danuta Schönhardt (M.), Geschäftsbereichsleiterin beim Landkreis Prignitz.

Freie Träger sollen drei Aufgaben übernehmen / Straftäter und Kinder in einem Haus

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30. August 2016, 21:00 Uhr

Die Jugendgerichtshilfe, den Babybegrüßungsdienst und ein Wohnheim in Pritzwalk möchte die Kreisverwaltung ausgliedern. Im Jugendhilfeausschuss wurde diese umfangreiche Neustrukturierung der sozialen Aufgaben kritisch diskutiert, von den stimmberechtigten Mitgliedern aber am Montagabend befürwortet.

In jedem der drei Fälle könnte der Landkreis Kosten bzw. Personal einsparen. Das sei ein Grund für die Pläne, räumte Danuta Schönhardt als zuständige Geschäftsbereichsleiterin ein. Voraussetzung für die Übertragung der Aufgaben sei aber eine gleichwertige oder bessere Qualität, als sie der Landkreis bieten könne. Außerdem sei die Verwaltung durch Gesetze dazu angehalten, wenn möglich, solche Aufgaben an freie Träger zu delegieren.

Besonders eilig hat es der Kreis mit seinem Wohnheim in Pritzwalk. Statt nur der geplanten Information wurde dieses Thema zum Beschluss gestellt und erhielt Zustimmung. Schon gestern Abend sollte der Schulausschuss sein Votum abgeben. Ab dem 1. Januar wäre die Bildungsgesellschaft Pritzwalk Trägerin der Einrichtung.

Dem Kreis kostet das Haus in der Bewirtschaftung pro Jahr 100 000 Euro, sagte David Kahl, Leiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes. Diese ließen sich mit einem Erbbaupachtvertrag auf 24 000 Euro senken. Betroffen wären fünf Mitarbeiter, die der Landkreis derzeit im Haus beschäftigt. Sie würde die Bildungsgesellschaft übernehmen, so Kahl. Lehnen die Mitarbeiter dies ab, sei eine andere Lösung vorgesehen. „Es wird aber keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Das hat der Landrat entschieden“, sagte Danuta Schönhardt.

Das Haus sei für den Kreis zu groß. Künftig sollen dort wie bisher Schüler des Oberstufenzentrums wohnen und minderjährige Flüchtlinge einen ersten Anlaufpunkt finden. Zusätzlich möchte die Bildungsgesellschaft jugendliche Straffällige und Kleinkinder dort unterbringen.

Geplant sei eine Gruppe mit Kindern zwischen null und fünf Jahren. „Wir finden für sie keine Pflegefamilien mehr“, begründete Schönhardt. Auch die Inobhutnahme von Kindern soll hier angesiedelt werden. Sie gilt als erste Anlaufstelle für Kinder in Notsituationen, die selbst um Hilfe bitten oder durch die Polizei gebracht werden.

Jugendliche Straftäter und schutzbedürftige Kleinkinder in einem Haus unterzubringen, bezeichnete Nadine Beier als unglücklich. Sie ist Polizistin und beratendes Mitglied im Ausschuss. Sie und ihre Behörde sehen das kritisch, sagte sie. „Viele der Jugendlichen sind polizeilich bekannt“, bekräftigte Nadine Beier.

Hingegen erwarten Schönhardt und Kahl keine Schwierigkeiten. Sie begründen das mit der Größe des Hauses über vier Etagen und vier separaten Eingängen. Zum Objekt gehören zwei Einzelgebäude und ein Innenhof.

Der Betreiber müsse ja auch zunächst ein Konzept vorlegen und erklären, wie er mit dem unterschiedlichen Klientel in dem Objekt arbeiten möchte. Über die Betriebsbewilligung entscheidet nicht der Landkreis, sondern eine externe Fachbehörde, erklärte das Ausschussmitglied Dr. Daniel Krause-Pongratz, Leiter des SOS Kinderdorfs.

Im Falle der endgültigen Zustimmung durch die Kreistagsabgeordneten würde der Landkreis nur eine fachliche Kontrollfunktion über die ausgegliederten Aufgaben haben. Gegebenenfalls könnte der Landkreis seine Entscheidung rückgängig machen, beantwortete Danuta Schönhardt eine entsprechende Frage.

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