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Der Prignitzer

11. Dezember 2017 | 16:14 Uhr

Grünschnitt : Kreis lehnt Biotonne weiter ab

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Grünabfall soll an drei Annahmestellen entsorgt werden. Andere Varianten werden teurer. Kommunen sind enttäuscht

svz.de von
erstellt am 11.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Wohin mit dem Grünschnitt und anderen Gartenabfällen? Das Verbrennen ist seit dem letzten Jahr verboten. Illegale Entsorgung in Wald und Flur keine Alternative. Der Landkreis schlägt eine Lösung vor, die bei den Abgeordneten im Müllausschuss am Dienstag gut ankam, aber nicht bei Kommunen.

Derzeit kann Grünschnitt kostenpflichtig in Wittenberge und Pritzwalk abgegeben werden. Eine Eigenkompostierung ist ebenfalls möglich. Die Kreisverwaltung schlägt vor, künftig zusätzlich in Perleberg eine Kleinannahmestelle zu errichten. Anders als bisher müsste bei der Abgabe nichts bezahlt werden. „Wir würden die Kosten in die Müllgebühr aufnehmen“, sagt Edelgard Schimko, zuständige Fachbereichsleiterin.

Aus Sicht der Verwaltung sei das eine ökonomisch vertretbare Variante. Die Mehrkosten würden nur 1,90 Euro pro Einwohner und Jahr betragen. Zugleich sei man optimistisch, die neuen gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Das Land Brandenburg gibt als Richtwert vor, dass pro Einwohner und Jahr 40 Tonnen Grünabfall erfasst werden. Derzeit seien es in der Prignitz nachweisbar nur fünf Tonnen. Edelgard Schimko ist zuversichtlich, die Landesvorgabe mit dem kreislichen Konzept erfüllen zu können und hegt eine zweite Hoffnung: eine Ausnahme von der Biotonnen-Pflicht. Diese muss bis 2020 eingeführt werden. Stichproben hätten mehrfach gezeigt, dass in Prignitzer Restmülltonnen so wenig Biomüll, in der Regel Küchenabfälle, enthalten sind, dass eine Biotonne wirtschaftlich nie und nimmer vertretbar wäre. Wird mit Grünschnitt die gesetzliche Quote erfüllt, könnte es eine Befreiung von der Biotonne geben.

Gewiss seien beim Grünschnitt auch andere Varianten denkbar, aber die würden mehr Geld kosten. Damit steige die Versuchung der illegalen Entsorgung, so Schimko. Außerdem werde die Müllgebühr in der nächsten Runde sowieso schon steigen, da günstige Verträge mit Entsorgern auslaufen und unter gegenwärtigen Marktbedingungen gleichwertige Konditionen nicht zu erzielen seien. Vor diesem Hintergrund wolle man den Bürgern möglichst keine weiteren Kosten auferlegen.

Kommunale Vertreter können dieser Argumentation nicht folgen. Regelrecht enttäuscht ist Karsten Lehmann, Ordnungsamtsleiter in der Gemeinde Groß Pankow. „Mit dem Konzept kommt der Landkreis weder den Kommunen noch den Bürgern entgegen“, sagt er. Zehn Einwendungen von Kommunen und Wohnungsgesellschaften gab es im Zuge des Verfahrens. Was den Grünabfall betrifft, sei die nicht berücksichtigt worden. „Wir haben die Einführung der Biotonne gefordert und wenn diese nicht wirtschaftlich ist, kommunale Annahmestellen für Grünabfall“, so Lehmann. Diese nur in den Städten anzubieten, sei bürgerunfreundlich. Er befürchtet, dass die illegale Entsorgung zunimmt.

Schon jetzt würden rund 38 Prozent illegal entsorgt. Außerdem hätten im Vorjahr 25,9 Prozent bei eine r Umfrage des Landkreises mehr Annahmestellen für Grünschnitt gefordert. Das ignoriere der Kreis mit seiner abgespeckten Vorzugsvariante, sagt Karsten Lehmann.

Ebenfalls traurig aus seiner Sicht sei, dass der Kreis eine gemeinsam mit den Ordnungsämtern entwickelte Idee nicht weiter verfolge. Diese sah vor, die von Kommunen betriebenen Grünabfallplätze für Bürger zu öffnen, das Material durch den Landkreis zu entsorgen. „Wir Kommunen hätten Flächen und Arbeitskräfte gestellt. Man hätte testen können, wie das System angenommen wird, was es kostet“, sagt Lehmann.

Auch Wittenberge ist nicht glücklich, hatte schon im vergangenen Jahr die Biotonne auf freiwilliger Basis gefordert. In ihrer Stellungnahme hatte die Stadt geschrieben, dass Grünabfall zunehmend illegal entsorgt werde. Die Zeche zahle die Stadt. Das vom Ausschuss befürwortete Konzept biete keine flächendeckende bürgernahe Möglichkeit der Entsorgung.

Die Hoffnung auf eine Befreiung von der Biotonnenpflicht teilen ebenfalls nicht alle Kommunen. Karsten Lehmann ist überzeugt, dass der Gesetzgeber keine Ausnahmen zulassen wird. Und dann käme die Biotonne doch.

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