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Der Prignitzer

19. November 2017 | 13:40 Uhr

Kreis bekämpft Raupen großflächig

vom

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2013 | 06:37 Uhr

Prignitz | Die nächste Invasion durch den Eichenprozessionsspinner ist absehbar. Experten sind sich einig: Die Population dürfte die Rekordwerte des Vorjahres erreichen. Aber anders als in der Vergangenheit ist eine flächendeckende Bekämpfung im Landkreis geplant. Und erstmals wird diese generalstabsmäßig vorbereitet. Über den aktuellen Stand informierte Amtstierärztin Dr. Sabine Kramer Mittwoch abend im Landwirtschaftsausschuss des Kreistages. "Auf rund 1800 Hektar werden wir den Schädling bekämpfen", sagte Dr. Kramer. Betroffen seien rund 2400 Einzelflächen, die in den vergangenen Monaten von Kommunen, Behörden oder Privatpersonen gemeldet wurden und noch bis zum 28. Februar ergänzt bzw. korrigiert werden können. Dazu hatte der Landkreis aufgerufen. Im Spätsommer hatte er entschieden, die Bekämpfung in diesem Jahr zu koordinieren. Zuvor hatte es wochenlange Kritik gegeben, weil die Raupen nur vereinzelt bekämpft wurden, Bürger vor allem im Bereich des Amtes Lenzen-Elbtalaue zunehmend über gesundheitliche Beschwerden klagten.

Der Landkreis hat mittlerweile eine Karte erstellt, in der alle gemeldeten Befallsflächen erfasst sind. Sie bildet die Grundlage für die Einsätze. Eine Ausschreibung erfolgte frühzeitig im Herbst, der Vertrag mit einer Firma ist geschlossen. An der jüngsten Beratung Anfang Februar nahm ein Pilot teil. "Wir haben über mögliche Start- und Landeplätze gesprochen, die von den Kommunen benannt werden müssen", informierte Kramer. Die Kommunen müssen auch das Trinkwasser zum Anmischen des Mittels zur Verfügung stellen. Der Landkreis hat einen Einsatzleiter benannt.

Geklärt sei die Finanzierungsfrage. Der Landkreis geht in die Vorleistung, hat sich durch den Kreistag zusätzliche Mittel bewilligen lassen. Pro Hektar liegen die Kosten bei etwa 300 Euro, allein das Mittel koste 200 Euro. Entsprechend seiner Fläche würde der jeweilige Eigentümer zahlen müssen. Für einen einzelnen Baum werden etwa 17 Euro fällig. "Das ist auch für Privatpersonen überschaubar", sagte die Amtstierärztin.

Mitte April werden in den Express ausgaben unserer Zeitung die Flächen gemeldet, auf denen bekämpft wird. Der genaue Termin wird kurzfristig in enger Abstimmung mit Forstexperten bekannt gegeben. Die beobachten bereits gefundene Eispiegel. "Sobald die Raupen schlüpfen, können wir einen idealen Zeitraum für die Bekämpfung mitteilen", sagte Jens Höger, Förster im Revier Wittenberge. Er und seine Kollegen hätten sehr viele Eispiegel gefunden, die höchste Konzentration im Raum Gadow. "Auch Ringelspinner entdeckten wir. Ein Schädling, der zusammen mit dem Eichenprozessionsspinner eine Fraßgemeinschaft bildet", erklärte der Förster. Es sei zu befürchten, dass Bäumen ein wiederholter Kahlfraß droht, wenn nicht bekämpft wird. Wie viele Eier tatsächlich schlupffähig sind, ermitteln Wissenschaftler in der Landesforstanstalt Eberswalde. Noch liege das Ergebnis nicht vor. Mit diesem lassen sich zuverlässige Prognosen treffen, wie hoch die Population werden wird.

In der Ausschusssitzung lobten Abgeordnete die Berichterstattung in den Medien. Unsere Zeitung hatte vergangenes Jahr über Wochen hinweg kontinuierlich über den Eichenprozessionsspinner berichtet und mit dazu beigetragen, dass es jetzt diese koordinierte Bekämpfung gibt. "Die Presse hat eine sehr gute Arbeit gemacht", sagte Paul Stets. Anke Brandes ergänzte: "Und sie hat oft besser und schneller informiert, als Kommunen."

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