Kompliment an Haaren : Krankenschwester rock(t) alles

Autogramm oder Telefonnummer vom Idol? Da schweigt des Dichters Höflichkeit.
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Autogramm oder Telefonnummer vom Idol? Da schweigt des Dichters Höflichkeit.

Mit 600 Gästen und Helfern bisher erfolgreichstes Festival in der 13-jährigen Geschichte. Kompliment an ein ganzes Dorf.

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29. Mai 2017, 12:00 Uhr

Sie kommen aus Hamburg, Berlin, aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg oder direkt aus der Prignitz. Auf großen Bühnen und kleinen haben sie gespielt, nach Haaren kommen sie, „weil es hier einfach Spaß macht, man sich wie in einer großen Familie fühlt“, berichten Michi und Nils von „Circus Rhapsody“. Zum Teil wissen sie nicht, wann sie mal für längere Zeit am Kopfkissen horchen konnten, ein Auftritt jagte den nächsten. Haaren haben sie zugesagt, „und da sind wir, freuen uns auf einen ganz tollen Abend“. „Wenn der nur halb so gut ist, wie die Crew der Organisatoren samt Betreuung, dann wird er spitze“, sind sich Robert und Nico von „Polaroid“ und „Kokas“ sicher. Noch am Nachmittag hätten sie eine SMS vom Veranstalter erhalten, in der er eine gute Anreise wünscht und: „Wir freuen uns auf Euch!“

„Das hat schon was, da fühlt man sich doch gleich willkommen“, gesteht Robert. Er ist bereits zum vierten Mal bei „Krankenschwester rock(t)“, allerdings immer in anderer Bandbesetzung. Für Nico ist es das erste Mal, zumindest auf der Bühne. „Als Zuschauer war ich schon auf dem Festival“, fügt er lachend an.

Und während auf der Bühne bereits Bässe und Lichtorgel um die Wette eifern, füllen sich die Wiesen rundherum. Pkw an Pkw, Zelt an Zelt und vor der Bühne Menschen, wohin man schaut. Je später der Abend, um so größer wird die Familie. Und der gehören alle Generationen an. Mit seinen drei Lenzen dürfte Maximillian einer der Jüngsten sein und musste trotz väterlicher Begleitung nach der Zuckerwatte so auch schon Gute Nacht sagen. Tahbu (17) ist extra aus Hamburg gekommen. Mit ihr Lydia und Lisa aus Perleberg und Franz aus Kletzke. „Ihn haben wir kurzerhand überredet“, erzählen die Mädels. Es sei eine super coole Atmosphäre hier, und viele kenne man schon. „Oder man lernt sie kennen“, fügen Sarah und Carolin aus Lanz an. Übers Internet haben sie vom Festival erfahren. „Ich war schon bei Rock im Moor, was toll ist, und so sind wir jetzt eben auch hier“, berichtet Lisa.

Livemusik, alles so ungezwungen, dazu Leute, die alle gut drauf sind, was will man mehr, so der Tenor, wo man auch hin hört. Mareike (19) aus Bad Wilsnack hat gleich Papa und Oma im Schlepp, oder umgekehrt? „Wenn hier in der Gegend mal was los ist, dann sollte man schon vorbei schauen“, so Mareikes Oma. „Und einer muss ja auch das Bier bezahlen“, ergänzt der Papa und hat da natürlich die Lacher und wohlwollende Blicke auf seiner Seite.

Seit 13 Jahren immer am Freitag nach Himmelfahrt trifft sich in dem kleinen Dorf die Welt. Livemusik – in diesem Jahr mit „Rotz und Wasser“, „Sippel“, „Kokas & Band“, „Polaroid“ und „Circus Rhapsody“ – für die Jugend und Junggebliebene, das habe man sich auf die Fahnen geschrieben, so Timo Horst und Marco Tendera vom Verein „Krankenschwester rock(t)“.

So um die 20 Mitglieder sind sie, doch eingebunden in das Festival sei faktisch fast das ganze Dorf. Auf der Wiese von Jörg Lehmann spielt die Musik, auf denen anderer Haarener wird geparkt oder gezeltet. Ob als Einweiser, Betreuer der Bands oder vorne an der Kasse, überall trifft man auf Leute aus dem Dorf. Und auch die Küchencrew kommt natürlich aus Haaren und hat sich mit dem Pulled Pork-Burger und der Waffelkreation auch dieses Mal wieder neue kulinarische Festivalspezialitäten einfallen lassen, wie Michael Polte verrät. Er ist übrigens eine jener „Krankenschwestern“, für die einst die Wiesenfete zum erfolgreichen Abschluss organisiert wurde und die inzwischen zur festen Rock-Institution geworden ist. Aus der Krankenschwester ist derweil ein Ausbilder geworden.

Bis in die späte Nacht wurde gerockt und gefeiert. „Es war wieder spitze“, lautet so auch ein erstes Resümee von Publikum und Veranstalter. „Mit den knapp 600 Gästen und Helfern war es das erfolgreichste eintägige Festival in den bisher 13 Jahren“, bilanziert sichtlich begeistert Michaela von Wietersheim vom Vereinsvorstand. „Super Stimmung bis zum Schluss, wir sind schon jetzt gespannt auf 2018 und werden wie immer alles geben.“  

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