Krank, kranker - Brandenburgs Polizisten

Die Gewerkschfaft fordert mehr Personal. dpa
Die Gewerkschfaft fordert mehr Personal. dpa

svz.de von
29. März 2013, 05:25 Uhr

Potsdam | Ihre Arbeit ist gefährlich, sie ist anstrengend und manchmal auch undankbar. Das schlägt sich im Krankenstand von Brandenburgs Polizei nieder. Nirgendwo in Deutschland seien die Polizisten länger krank als in der Mark, sagt der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Schuster.

34,05 Tage ist ein märkischer Beamter im Schnitt nicht arbeitsfähig. Diese Zahlen steigen seit Jahren. Im Vergleich zu 2007 sind die Beamten heute sechs Tage länger krank. Den größten Sprung gab es allerdings zwischen 2001 und 2008. Damals verdoppelten sich die Krankentage von 15 auf 30. Das Innenministerium ist auf der Suche nach dem Warum für diese dramatische Entwicklung. "Das hat komplexe Ursachen", sagt der Sprecher Ingo Decker. Eine Erklärung sei die andere Zählweise von Krankentagen. Die Arbeitswoche eines Polizisten wird nicht in Werk- sondern Kalendertagen gezählt. "Ist ein Polizist eine Woche krank", erklärt Decker, "dann ist er von Montag bis Sonntag krank." Also sieben statt fünf Tagen wie bei Angestellten, die von Montag bis Freitag arbeiten.

Bei all der Rechnerei räumt Decker aber ein, dass die märkische Polizei ein großes Problem mit dem Krankenstand hat. Vor allem mit Langzeitkranken. "Fast die Hälfte aller Beamten fällt mehr als 100 Tage aus", sagt der Sprecher. Das habe auch mit dem steigenden Altersdurchschnitt zu tun. 2020 wird die Landespolizei nach Prognosen im Schnitt 45,5 Jahre alt sein. "Daraus kann man einen Bezug ableiten." Nicht nur die Bevölkerung werde älter, sondern eben auch die Polizei. Deshalb werden auch wieder mehr Polizeianwärter eingestellt, sagt Decker. Jeweils 175 in diesem und in nächsten Jahr.

Nicht genug, sagt Andreas Schuster. Wenn jedes Jahr 300 Kollegen in Pension gingen, bleibe eine große Lücke. Die werden durch den derzeitigen Personalabbau noch verschärft. Immer weniger Polizisten müssten immer mehr Arbeit schaffen. "Sie dürfen nicht kaputtgespielt werden", fordert Schuster. Doch die Aussichten eine personelle Verstärkung der Polizei ist nicht gut. "Das Land hat 18 Milliarden Euro Schulden", sagt Decker. Brandenburg sei finanziell nicht in der Lage mehr Personal einzustellen.

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