Biosphärenreservat : Kooperation bis nach Afrika

Biosphärenreservatsleiter Dr. Sven Rannow (l.) mit den Gästen aus Äthiopien Yital Admasu (2.v.l.), Muluken Mekuria (4.v.l.) und Tilahun Teshome (2.v.r.). Marlen Krause ist Volunteer beim Nabu und für die Organisation des Besuches und Übersetzung zuständig, Jan Schormann kümmert sich im Biosphärernreservat um nachhaltigen Tourismus.
Biosphärenreservatsleiter Dr. Sven Rannow (l.) mit den Gästen aus Äthiopien Yital Admasu (2.v.l.), Muluken Mekuria (4.v.l.) und Tilahun Teshome (2.v.r.). Marlen Krause ist Volunteer beim Nabu und für die Organisation des Besuches und Übersetzung zuständig, Jan Schormann kümmert sich im Biosphärernreservat um nachhaltigen Tourismus.

Naturschützer aus dem Kafa-Biosphärenreservat in Äthiopien zum Erfahrungsaustausch in Rühstädt

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05. August 2015, 12:00 Uhr

Wissens- und Erfahrungsaustausch über Ländergrenzen und Kontinente hinweg ist einer der Eckpfeiler in der Arbeit der weltweit 631 Unesco-Biosphärenreservate. Ganz praktisch gelebt wird der Kooperationsgedanke in dieser Woche in Rühstädt, denn mit Yital Admasu, Muluken Mekuria und Tilahun Teshome sind drei äthiopische Naturschützer zu Gast, die mit ihren deutschen Kollegen Strategien für Naturschutz und nachhaltigen Tourismus erörtern wollen.

Admasu, Mekuria und Teshome arbeiten für das Kafa-Biosphärenreservat im Hochland im Osten Äthiopiens. Diese Region mit ihren Bergnebelwäldern gilt als ursprüngliche Heimat des Kaffees, der im Halbschatten der großen Bäume gedeiht. 2010 erkannte die Unesco die Region als schützenswert an, um sie in ihrer natürlichen und kulturellen Vielfalt zu erhalten. Wasserfälle, Höhlen, heiße Quellen und die Wälder sind Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten, wobei vor allem die in den Wäldern lebenden Löwen eine Besonderheit darstellen.

„760 000 Hektar sind bisher als Biosphärenreservat ausgewiesen“, verdeutlicht Tilahun Teshome die Dimension des Reservats. „Der Brandenburger Teil des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe hat nur rund 53  000 Hektar“, zieht der hiesige Reservatschef Sven Rannow einen Vergleich.

„Bereits von 2009 bis 2014 gab es in Kafa ein Nabu-Programm zum Klimaschutz und Erhalt der Bergnebelwälder, die zwischen 1988 und 2008 um rund 42 Prozent der Fläche dezimiert worden sind“, sagt Teshome. Dabei hätten sich zehn Teilprojekte zum einen dem Wald- und Klimamonitoring, der Aufforstung und der Aufklärungsarbeit gewidmet, zum anderen alternative Formen der Wirtschaft, Energieerzeugung und Holzversorgung erprobt. „Schließlich ging es auch darum, wirtschaftliche Perspektiven für die Bevölkerung aufzuzeigen, insbesondere durch Konzepte für den Tourismus und nachhaltige Waldbewirtschaftung, in der der Kaffee natürlich die wichtigste Rolle spielt.“ Äthiopien sei bei einer Jahresproduktion von rund 190  000 Tonnen Kaffeebohnen der fünftgrößte Kaffeeexporteur weltweit, unterstreicht der Naturschützer die Bedeutung des Kaffees für sein Land.

Tatsächlich herrsche bei den Menschen, die im Gebiet des Kafa-Reservats leben, ein ausgeprägtes Bewusstsein dafür vor, dass der Wald ihre Lebensgrundlage ist und geschützt werden muss. „Hier setzt das Nabu-Projekt an, das seit 2014 und noch bis 2017 läuft. Dabei geht es darum, die Region gemeinsam mit den Menschen zu schützen und sie nachhaltig touristisch zu entwickeln, wobei der Kaffee und die mit ihm verbundenen Traditionen im Fokus stehen“, sagt Teshome.

Gemeinsam mit ihren deutschen Partnern wollen sich die Äthiopier in dieser Woche über Strategien austauschen, mit denen Naturschutz, Wirtschaft und Tourismus zusammen gebracht werden können. „Dabei können auch wir eine Menge lernen, schon allein die Verwaltung eines derart großen Reservats verlangt erhebliche Kompetenz“, sagt Sven Rannow. So stehen gemeinsame Diskussionsrunden ebenso auf dem Plan wie Führungen durch das Biosphärenreservat an der Elbe. „Beide Seiten sollen so viel wie möglich von der Erfahrung der anderen profitieren“, so Rannow.

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