Konsum illegaler Drogen steigt

Regelmäßiger Cannabis-Konsum hat verheerende Folgen. dpa
Regelmäßiger Cannabis-Konsum hat verheerende Folgen. dpa

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06. September 2012, 07:10 Uhr

Prignitz | Immer häufiger werden in der Prignitz illegale Drogen konsumiert. Vor allem Cannabis ist auf dem Vormarsch. Das geht aus einer Statistik der Suchthilfe Prignitz e. V. hervor, die vor wenigen Wochen ihr 20-jähriges Bestehen feierte. Seit 1998 habe sich die Zahl der Klienten mit illegalen Drogen mehr als verdoppelt. Aktuell liege sie bei 13 Prozent. Ein immer noch relativ niedriger Wert, aber die Entwicklung betrachtet Geschäftsführerin Bettina Steinke-Schmidt mit Sorge.

"Cannabis macht mehr Schäden, als in der Bevölkerung vermutet wird", sagt sie. Jegliche Debatte um eine Legalisierung von Cannabis lehnt sie ab. Für Steinke-Schmidt gehört die Droge verboten. Im Laufe der Jahre sei der THC-Gehalt im Cannabis immer weiter angestiegen und Cannabis mache psychisch abhängig. "Anderen Aussagen möchte ich klar widersprechen."

Schwerpunkt der Arbeit des Vereins sei aber weiterhin die Alkoholsucht. Rund 80 Prozent ihrer Klienten leiden unter Alkoholproblemen. Verschiedene Hilfsangebote seien möglich, so Steinke-Schmidt, die insbesondere auf die ambulante Therapie verweist: "Wir beraten vor Ort, der Betroffene muss nicht stationär für drei Monate in eine Suchtklinik. Das bedeutet, er kann während der Therapie weiter arbeiten."

Das sei ein oftmals unterschätzter Aspekt, denn die Erfahrung zeige: "Sucht gefährdet den Arbeitsplatz." Steinke-Schmidt wünscht sich, dass im Alltag Alkoholprobleme schneller und direkter thematisiert werden. Die Alkoholfahne am Morgen, oder an einem Montag. Nicht nur einmal, sondern häufiger. Das seien eindeutige Zeichen, dass der Betreffende ein Problem hat, zumindest Missbrauch betreibt. In solchen Fällen sei es wichtig und richtig zugleich, dass Kollegen und Vorgesetzte ihn daraufhin ansprechen. "Ihm muss klar werden, dass sein Alkoholkonsum nicht normal und auch kein einmaliges Vorkommnis ist", erklärt die Expertin.

Das sei der Punkt, an dem viele anfangen nachzudenken, den Weg zur Suchthilfe suchen. "Unser Ziel ist es dann, die Leute nicht in eine Abhängigkeit hinein rutschen zu lassen." Wer nicht abhängig sei, müsse auch nicht lebenslang abstinent leben. Neben Alkohol und Drogen gibt es ein drittes Schwerpunktthema: Pathologisches Glücksspiel. Bundesweit seien 400 000 Menschen spielsüchtig - auch in der Prignitz. Das Angebot an Spielhallen wachse, viele seien mittlerweile rund um die Uhr geöffnet, locken mit einem netten Service: "Im Sommer gibt’s ein Eis gratis, im Winter eine Bockwurst", sagt Steinke-Schmidt. Dazu moderne, bequeme Sessel. Die Spieler sollen sich wohl fühlen.

Manche fühlen sich so wohl, dass sie krank werden. Im extremsten Fall erkenne man Spielsucht daran, "das am Monatsersten das Gehalt überwiesen wird und am Tag darauf nichts mehr auf dem Konto liegt", beschreibt die Therapeutin. Abgeschwächt gebe es zahlreiche andere Formen, die meist familienintern auffliegen. Finanzielle Unregelmäßigkeiten fallen dem Lebenspartner auf. Das könne bis zu gefälschten Kontoauszügen gehen. "Oft sind massive Beziehungsprobleme die Folge." Die Suchthilfe Prignitz habe eine Mitarbeiterin, die auf Spielsucht spezialisiert sei. Für die Alkoholthematik seien drei Suchtberater sowie sie selbst als Psychologin zuständig. "Alle haben inzwischen eine therapeutische Zusatzqualifikation erworben, so dass wir nicht nur Beratung, sondern auch richtige Suchttherapie anbieten", erklärt die Geschäftsführerin. Damit sei der Verein personell gut aufgestellt, auch finanzielle Schwierigkeiten gebe es derzeit nicht. Alle drei Beratungsstellen in Pritzwalk, Perleberg und Wittenberge bleiben bestehen, kündigt Steinke-Schmidt an.

Gelegt habe sich auch die Aufregung um die Tagesstätte und das Café Clean in der Wahrenberger Straße in Wittenberge. Durch das Auslaufen diverser Beschäftigungsstellen standen zeitweilig Öffnungszeiten zur Disposition. Mittlerweile seien dort wieder sieben Mitarbeiter über geförderte Stellen beschäftigt, so dass das bisherige Leistungsangebot nicht gekürzt werden müsse.

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