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Urbanes Kinderdorf in Wittenberge : Konserviert für neues SOS-Leben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der ehemaligen Bonbonfabrik und ihren beiden Nachbarn hat die WGW mit ihrer Maßnahme zu einer Zukunft verholfen.

von
erstellt am 09.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Weiße Fassade, teils unterbrochen von rotem Ziegelmauerwerk, darüber neugedeckte Dächer: Auf den ersten und auch auf den zweiten Blick machen die Schillerstraße 1, bekannt als ehemalige Bonbonfabrik, und ihre beiden Nachbarn Bürgermeister-Jahn-Straße 16 sowie Schillerstraße 2 den Eindruck ganz normaler Gebäude. Der SOS-Verein Deutschland hat sich für diesen Gebäudekomplex entschieden, um dort bis 2020 ein urbanes Kinderdorf einzurichten. Die Planungen bis zur Baugenehmigungsreife sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

Einer der Punkte, weshalb der SOS-Verein die drei markanten Gebäude im Jahnschul-Viertel für sein Projekt auswählte, ist aber gerade die Tatsache, dass die Häuserfassaden über das Innenleben täuschen. Bei den drei Häusern handelt es sich mehr oder minder um bauliche Hüllen. Damit seien bereits gute Voraussetzungen für das Familiendorfprojekt gegeben, sowohl was die bauliche Planung wie auch Kostenfragen betrifft, hatte Daniel Krause-Pongratz, Einrichtungsleiter des Beratungs- und Familienzentrums im SOS-Kinderdorf Prignitz, bei der Vorstellung des Projektes Ende Februar hervorgehoben. Die Schillerstraße 1 und 2 sowie die Bürgermeister-Jahn-Straße 16 gehören zu jenen bisher insgesamt 21 Leerstandshäuser in Wittenberge, die die Wohnungsbaugesellschaft (WGW) wegen ihrer Bedeutung für das Stadtbild und die städtische Struktur vorsorglich konserviert hat, auch wenn eine spätere Nutzung noch nicht abzusehen war bzw. ist.

Bezogen auf die künftigen SOS-Kinderdorfhäuser erklärt der WGW-Geschäftsführer Torsten Diehn: „Wir haben dort je nach Schädigungsgrad alles heraus nehmen lassen, was baufällig war und was die Substanz noch weiter hätte angreifen könnte.“ So seien beispielsweise baufällige Decken großflächig entfernt worden. Zahlreiche Holzteile mussten ausgebaut werden, weil sie von Pilzen befallen waren. Das zog wiederum Maßnahmen nach sich, mit denen Mauern und das gesamte entkernte Gebäude statisch abgefangen wurde. „In einigen Bereichen kann man derzeit von unten quer durchs Haus bis unters Dach schauen“, so Diehn. Für derartige Konservierungsmaßnahmen selbst kann die WGW Fördergeld aus dem Stadtumbauprogramm einsetzen. Damit im Zusammenhang stehende Maßnahmen, wie beispielsweise die Fassadenanstriche, finanziert die WGW.

Diehn spricht von einem erfolgreichen Konservierungsprogramm, nennt als Beispiele die Rathausstraße 1 bis 3, die mittlerweile an eine Investorengruppe verkauft werden konnte, oder auch die Bürgermeister-Jahn-Straße 1 bis 3. Das Mutter-Kind-Haus dort ist fertig, in den anderen beiden Gebäuden ist die WGW dabei, die neuen Wohnungen fertig zu stellen. Erst einmal konserviert, sprich im Innern entkernt, aber noch ohne konkreten Investitionsplan ist das Haus in der Bürgermeister-Jahn-Straße 10. „Aber es befindet sich in einem Zustand, in dem es die nächsten Jahrzehnte überdauert“, so Diehn. Konservierungen dieser Art, „zu denen in allererster Linie ein dichtes Dach gehört“, geben Häusern an bedeutsamen Stellen wieder eine Zukunft.

Unter diesem Gesichtspunkt hat die WGW nach den Worten ihres Geschäftsführers jetzt vom Land Hessen auch das Haus Goethestraße 4 erworben. Es bildet die Ecke zur Johannes-Runge-Straße. „Wir werden es konservieren“, so Diehn. Damit bleibe die Chance erhalten, „dass sich entweder ein Investor oder wir als WGW uns des Haus langfristig annehmen.“ Der an der gegenüberliegenden Ecke befindliche Riesenbau – bekannt als Heisterbusch – gehört auch zu den Objekten, die die WGW in den letzten Jahren Dank Städtebauförderung konservieren konnte.  

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