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Der Prignitzer

18. November 2017 | 22:54 Uhr

Fotowettbewerb : Konsequent am Thema vorbei

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bilder der Ausstellung zum Fotowettbewerb des Kulturbundes zeigen zwar die Prignitz, aber nicht den Wandel

svz.de von
erstellt am 26.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Ein Panzer in Schwarz-Weiß. Ein Sonnenaufgang. Eine Landstraße. Ein Mann mit Schaf und Lämmchen. Störche auf ihrem Horst. Das sind die Motive einiger Bilder, die der Kulturbund im Rahmen seines Fotowettbewerbs derzeit in der Kulturhausgalerie zeigt. Was diese Motive mit dem Thema „Prignitz im Wandel“ zu tun haben, das bleibt das Geheimnis der Fotografen – oder der Jury.

Betrachtet man die Bilder kritisch, schießt mehr als die Hälfte der insgesamt 44 Aufnahmen, die zwölf Fotografen eingereicht haben, völlig am Thema vorbei. Außergewöhnliche Fotografien gar, die eine intensive Auseinandersetzung mit dem Sujet erkennen lassen, die Bekanntes aus außergewöhnlichen Blickwinkeln zeigen, die den Blick fesseln und dem Betrachter ein unbewusstes „Wow ...!“ entlocken, sucht man fast völlig vergebens.

Vier wesentliche Kriterien bestimmen den Wettbewerb, den der Arbeitskreis Fotografie des Wittenberger Kulturbundes seit Jahren organisiert: Klarheit, gestalterische Umsetzung des Themas, „Seele“ des Bildes – Verbindung zwischen Betrachter und Fotograf und Einhaltung der technischen Mindestanforderungen. Schon am letzten Punkt scheitern manche Bilder, sind unscharf, verpixelt oder durch Datumseinblendungen entstellt. Auch was die gestalterische Umsetzung angeht, wirken viele Fotos wie geknipst: Draufhalten, abdrücken, fertig. Auseinandersetzung mit dem Motiv? Fehlanzeige. Immerhin: Das Siegerbild von Mario Herzog aus Breese, dass die Speicherbaustelle im Morgennebel in feinen Schwarzweißtönen zeigt, ist ein Hingucker. Es sticht aus der Beliebigkeit des Fotosammelsuriums heraus und gewinnt verdient. Das meiste andere ist Alltagskram, wie er sich in jedem privaten Fotoalbum findet.

Doch sind es nicht allein die Besucher, die die Qualität der Ausstellung kritisch sehen, auch die Organisatoren blicken mit einiger Skepsis auf die diesjährige Schau. „Mit zwölf Teilnehmern sind es gerade mal so viele wie am Anfang“, bemerkt Ernst Wolf, Leiter des Arbeitskreises Fotografie. „Wir dachten, dass gerade dieses Thema zahlreiche Möglichkeiten für kreative Beiträge bietet, aber offenbar war das ein Irrtum.“ Wenige Teilnehmer, häufig die gleichen Namen unter den Platzierten – auch das gab mitunter Anlass zu Spekulationen. „Der Vorwurf, dass die Jury gezielt Teilnehmer bevorzugt, ist haltlos“, sagt Wolf. Keiner der Juroren – Fotografen, Kunstlehrer und engagierte Laien – wisse vorher, welche Bilder von wem stammen, so seien persönliche Präferenzen ausgeschlossen.

Dennoch müsse der Kulturbund überlegen, wie er seinen Wettbewerb attraktiver machen kann. „Unter dem Motto ,Ein Blick durch die Linse‘ haben wir gemeinsam mit dem Förderverein der Oberschule Wittenberge die Prignitzer Schüler aufgerufen, uns ihre besten Fotos zu schicken. Die Kinder haben ja andere Sehgewohnheiten, vielleicht gibt das auch für unseren Wettbewerb neue Impulse“, sagt Wolf und verweist darauf, dass vor zwei Jahren, als das Thema frei gewählt werden konnte, plötzlich viel mehr Einsendungen von jüngeren Fotografen eingingen, die wirklich erfrischend gewesen seien.

 

Kommentar

Veränderung tut not!

von Lars Reinhold

Thema verfehlt, langweilig, unscharf oder verpixelt: Was in diesem Jahr im Kulturhaus hängt, ist vielfach weder wettbewerbs- noch ausstellungswürdig. Doch was kann der Kulturbund tun, um die Qualität seines Fotowettbewerbs zu heben? Zunächst wäre es geboten, sich an die selbstgesetzten Maximen zu halten und offensichtlichen Ausschuss auch gnadenlos auszusortieren. Wenn dann nur noch zehn Bilder übrig bleiben – sei’s drum. Weiterhin könnte eine Öffnung der Themen mehr Kreativität bringen – die Prignitz  scheint totgeknipst und kaum noch jemanden zu fotografischer Auseinandersetzung zu animieren. Schließlich muss es gelingen, gezielt junge Fotografen anzusprechen. Nur auf diese Weise werden frische Ideen ihren Weg in den Wettbewerb finden – und auch jüngeres Publikum anlocken.

 

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