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Nächste baustelle in Perleberg : Kompromiss: Grün und parken

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Stadtentwicklungsausschuss billigt mehrheitlich Entwurfsplanung für ersten Bauabschnitt Wittenberger Straße einschließlich Marienplatz

Die Entwurfsplanung zum Ausbau der Wittenberger Straße für den Abschnitt Koloniestraße bis Grahlplatz ist im Stadtentwicklungsausschuss durch. Mit fünf Ja-Stimmen und drei Enthaltungen geht am Dienstagabend die Empfehlung zur Beschlussfassung an den Hauptausschuss. Doch alles andere als diskussionslos und das, nachdem seit 14 Monaten das Vorhaben in vieler Munde ist. Das Ergebnis: Ein Kompromiss zwischen Natur und der Forderung von ansässigen Gewerbetreibenden nach Parkplätzen.

Straßensanierung, neue Platzgestaltung und veränderter Verkehrsführung, so könnte man das Vorhaben, das Olaf Schlünzen vom Ingenieurbüro Rauchenberger im Ausschuss detailliert vorstellt, kurz umschreiben. Kostenpunkt: rund 700 000 Euro.


Stellflächen schräg oder in Fahrtrichtung?


Die Straße am Marienplatz wird künftig rechtwinklig an die Wittenberger Straße angebunden. Die jetzige Einbahnstraße, die vom Marienplatz auf die Wittenberger mündet, bleibt Einbahnstraße, allerdings in umgekehrter Richtung. Anlieger können ihre Grundstücke erreichen bzw. die sechs geplanten Parkplätze in Schrägstellung am Platzrand. Die Zuwegung als Abkürzung zu nutzen mache keinen Sinn. Genau das habe man auch beabsichtigt – einen Unfallschwerpunkt zu entschärfen, die Verkehrssicherheit durch leichteres Ein- und Ausparken zu erhöhen und Ruhe in den Bereich zu bringen. Mit der Anordnung der Parkplätze in zwei Dreierblocks, dazwischen ein Durchgang direkt zum Platz, habe man versucht, Kurzzeitstellflächen vorzuhalten und zugleich den Platz offen und zugänglich zu gestalten.

Das sähen aber nicht alle so, wie dem Perleberger Peter Krips, dem eigens zu diesem Tagesordnungspunkt Rederecht eingeräumt wird, betont. Schräges Einparken offeriere den Eindruck, das Denkmal werde von den Fahrzeugen überrollt. Er plädiert dafür, wenn hier schon parken, dann parellel zum Platzrand. Für Jürgen Henning (Linke) stellt sich die Frage, warum überhaupt eine Änderung und nicht auch weiterhin parken an der Hausfront. Die Antwort sinngemäß: Parkplatzunfälle seien so vorprogrammiert, denn links einzuparken und das auf engstem Raum sei alles andere als leicht. Gegen die Anordnung der Pkw in Fahrtrichtung spreche, dass man damit den Zugang zum Platz zuparke, statt offen zu gestalten. Die „Fahrzeuge wirken wie eine Wand“, erläutert Robert Kazmierczak, zuständig für Verkehrsangelegenheiten bei der Stadt.

Auch der eigentliche Marienplatz mit dem Denkmal wird sein Gesicht etwas verändern. Ganz bewusst soll er in seinem Charakter aber bestehen bleiben. Die alten in die Jahre gekommenen Bäume, für deren Standsicherheit keiner garantieren könne, werden abgenommen, außer der große Baum (im Bild mit großem grünem Kreis umrahmt). Für Grün, welches ins Bild dieses Areals gehöre, sorgen junge Bäume, die als Ersatz gepflanzt werden. Auch die Straße am Marienplatz werde mit Rotdorn ergänzt. Hier werden im Zuge der veränderten Verkehrsführung zwar sechs Bäume gefällt, da sie zu dicht am Fahrbahnrand stehen, aber insgesamt dann 16 statt bisher zehn auf der Gesamtlänge für Grün im Straßenbild sorgen.

Stichwort Grün: Auch hier gehen die Meinungen auseinander. Peter Krips macht unmissverständlich deutlich, dass mit der Umgestaltung des Platzes dann 240 Quadratmeter „Grün beseitigt“, mit Granitkleinpflaster versiegelt werden. Zudem werden auch die zwei Eiben, die vor 60 Jahren gepflanzt und ein immergrüner Schmuck für das VVN-Denkmal seien, mit der Begründung gefällt, sie nehmen dem Denkmal Licht und Sicht. Ein Umstand, mit dem sich auch Hartmut Schneider (SPD) nicht anfreunden könne, wie er sagt, auch wenn er im selben Atemzug der Verwaltung ein Lob ausspricht. Sie habe die Möglichkeit geschaffen, intensiv an dem Thema zu arbeiten. Drei Workshops fanden zu dem Projekt Wittenberger Straße statt. Schneider plädiert dennoch dafür, sich „die Sache noch mal durch den Kopf gehen zu lassen“. Für Klaus Röpke (SPD) sind die beiden Eiben durchaus prägend für den Platz und verdecken von ihrer Größe her das Denkmal.

Neben einer Neubepflanzung mit kleinwüchsigen Bäumen soll der Marienplatz nun eine sogenannte einfassende Begrünung mit Stauden und Gräsern erhalten. „Wir haben versucht, für vieles Kompromisse zu finden. Ich weiß, dass wir nicht alle befriedigen können, aber insgesamt eine gute, akzeptable Lösung gefunden haben“, wirbt Bauamtsleiter Hagen Boddin abschließend für die Entwurfsplanung, die dann auch mehrheitlich beschlossen wird.

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erstellt am 22.Jan.2014 | 22:00 Uhr

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