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Schutzgebiet Natura 2000 : Kohlegruben sind ein Refugium

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Bei Gülitz hat der Braunkohleabbau zu schützenswerten Lebensräumen geführt

von
erstellt am 23.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Laub- und Moorfrosch, Zaun- und Waldeidechse, die Große Königslibelle, Kranich, Ortolan, Schwarzspecht, Sumpfdotterblume, Keulen-Bärlapp: In dem gut 100 Hektar großen Gebiet der Gülitzer Kohlegruben rund um Schönholz leben diese Tiere und Pflanzen, weil sie in den bodensauren Eichenwäldern sowie Auenbeständen den für sie typischen Lebensraum gefunden haben. Christoph Buhr vom Institut für Umweltstudien (IUS) ist seit dem Frühjahr im ehemaligen Braunkohleabbaugebiet unterwegs, erfasst und kartiert in dem bewaldeten und von Teichen durchzogenen Waldgebiet Lebensraumtypen sowie die darin vorkommenden Tiere und Pflanzen.

Der Grund für diesen Aufwand: „Seit 2004 gehört das Gebiet Gülitzer Kohlegruben zum europaweiten Schutzgebietsnetz Natura 2000“, sagt Frank Berhorn, Verfahrensbeauftragter bei der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg. Er erklärt, dass die Ausweisung wegen der Bedeutung für Europas Natur als so genanntes Fauna-Flora-Habitat erfolgte.

Was aber heißt das für diejenigen, die Gülitz oder in dem kleinen Ortsteil Schönholz – ehemals Wohnstätte der Ottiliengrube – leben? Was kommt auf Waldbesitzer und Landeigentümer zu? Erste Antworten darauf sollte Sonnabend eine Exkursion bringen, zu der die Stiftung mit dem IUS einlud. Mit von der Partie auch Heinz-Dieter Lohrer. Der heutige Wittenberger ist im Vahrnow aufgewachsen, befasst sich seit Jahren mit der Historie des Kohleabbaus bei Gülitz zwischen 1848 und 1905 und dann noch einmal von 1946 bis 1949.

Geprägt wurde und wird die heutige Gestalt des Schutzgebietes durch den Kohleabbau, der sowohl oberirdisch wie unter Tage erfolgte, erläuterten IUS-Geschäftsführer Karl Scheurlen und Buhr den rund 40 Exkursionsteilnehmern. Neben viel Detailwissen über die Herangehensweise und die Art der Kartierung sowie zu einzelnen Lebensraumtypen und den für diese charakteristische Flora- und Faunaarten sandten Stiftungsvertreter und Umweltbüro immer wieder eine Botschaft aus: „Lebensraumerhaltung und -entwicklung funktioniert nur mit Ihnen, die hier Anwohner, Waldbesitzer, Jäger oder anders Betroffene sind.“

Thomas Breitlauch ging als Bürgermeister von Gülitz-Reetz mit auf Exkursion. „Wenn es so läuft, dass Stiftung und Planer Vorschläge unterbreiten und die Landeigentümer entscheiden, was machbar ist, dann ist das Verfahren in Ordnung“, wertet der Bürgermeister.  

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