Lecker essen : Köstliches aus der syrischen Küche

Exotisch und lecker: Deutsche und Syrer greifen am Büfett zu und lassen es sich schmecken.
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Exotisch und lecker: Deutsche und Syrer greifen am Büfett zu und lassen es sich schmecken.

Flüchtlinge laden Deutsche zu einem kulinarischen Abend ein

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25. Januar 2016, 12:00 Uhr

Für Saleh Falioum sind es geübte Handgriffe. Wer ihn in der Küche arbeiten sieht, ahnt, dass Kochen für ihn mehr als nur ein Hobby ist. In seiner Heimat Syrien zählte er zu den Spitzenköchen. Mit seiner Kunst verwöhnte er die Gäste im Nobelhotel Sheraton in Damaskus oder im Carlton in Aleppo. Freitagabend steht er in der Küche des Bürgerhauses in Wittenberge. Nicht Botschafter, nicht Wirtschaftsbosse sind heute seine Gäste. An diesem Abend sind es Wittenberger, die neugierig auf syrische Gerichte sind.

Moataz Ghannam hat den Abend organisiert. Seit mehreren Wochen treffen sich im Bürgerhaus Syrer und Deutsche. Anfangs war die Gruppe klein, doch sie wuchs. „Wir sprechen über unser Leben, über unsere Probleme über unsere Kulturen“, sagt Moataz und weiter: „Wir Flüchtlinge wollen nicht unter uns bleiben, wir möchten die Deutschen kennen lernen.“

Die Einladung zum Abendessen sei eine Botschaft und ein Danke für das friedliche Zusammenleben an die Wittenberger. Rund 250 Syrer leben mittlerweile in der Stadt. Einige sprechen schon sehr gut Deutsch so wie Moataz, der sogar eine Arbeit gefunden hat und bei der Awo angestellt ist.

Marcel Zucht hat auf Facebook eine Flüchtlingshilfe initiiert. Wer braucht was, wo trifft man sich und welche Fahrschule ist empfehlenswert? Antworten gibt es in seiner Gruppe. „Anfangs gab es keine Strukturen, keinen Austausch. Das wollte ich ändern“, sagt er.

Am Nebentisch sitzt Christian Elger. Ganz vertieft ist er im Gespräch mit Ramez. „Wir haben uns vor Wochen das erste Mal gesehen und ich will wissen, wie es ihm geht. Sein Deutsch ist jedenfalls viel besser geworden“, sagt Elger.

Ramez freut sich über dieses Lob. Die Flucht sei ihm nicht leicht gefallen, hatte er in Damaskus doch seine schwangere Frau und seine beiden Kinder zurücklassen müssen. Sein jüngster Sohn ist jetzt vier Monate alt. Stolz zeigt er Fotos auf seinem Smartphone. „Ich hoffe, dass sie nach Deutschland kommen dürfen und wir uns in einigen Monaten alle sehen können.“

Johanna Pusch gehört zu einer Gruppe von Jugendlichen, die ebenfalls die Neugier antreibt. „Viele der Syrer sind in unserem Alter. Wir wollen wissen, woher sie kommen, welche Träume sie haben“, sagt die 17-jährige Schülerin. Sie sprechen Englisch miteinander und wenn das nicht reicht, müssen die Hände helfen. Oder Mirjam Bouziane. Ihr Vater stammt aus Algerien, daher kann sie ein wenig Arabisch sprechen.

Das Büfett ist angerichtet. Reis und Huhn, Gemüsegerichte mit Aubergine, Salate und manches, für das es keine richtige Übersetzung gibt. Da hilft nur kosten und das machen die Deutschen, während die Syrer die arabische Musik lauter drehen. Ein Stimmengewirr erfüllt den Raum, irgendwo weint ein Baby. Auch syrische Frauen sind heute gekommen.

Saleh Falioum steht neben dem Büfett, so wie es sich für einen Chefkoch gehört. Warum er geflohen sei? Eine überflüssige Frage, die er mit nur einem Wort beantwortet: „Krieg“. Er holt sein Smartphone aus der Tasche und zeigt ein abfotografiertes Zertifikat nach dem anderen. Es sind Nachweise von diversen internationalen Hotels, in denen er kochte.

Auch ein Zeitungsartikel ist darunter. Er zeigt Saleh Falioum 1995 im Intercontinental Wien. „Köche aus dem Morgenland“ hat die Zeitung getitelt. Nur eine von vielen Stationen seiner 32-jährigen Berufskarriere. Und wo wird die weiter gehen? Seine Arbeitsstätte in Aleppo ist nur noch ein Trümmerhaufen. „Ich hoffe, hier in Deutschland eine Arbeit zu finden.“

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