König Hinz bittet zum Tanz

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König Hinz alias Alfons Kujat bittet das Volk zum Tanz. Petra Ferch (5)

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24. Juni 2012, 06:41 Uhr

Seddin | Es ist still in dem kleinen Wäldchen rund um das bronzezeitlichen Königsgrab. Ein paar Kinder spielen, rutschen immer wieder den Sandhang hinunter. Alle anderen warten gebannt, was geschieht, schauen auf den gelben Vorhang, der den Eingang zur Grabkammer verdeckt. Dann spielt die Musik auf, alte, rhythmische Klänge voller Lebensfreude. Sie erwecken Tara, eine der beiden Frauen von König Hinz, die mit ihm vor rund 3000 Jahren beigesetzt worden ist. Und sie lässt sich anstecken von dieser Lebensfreude, möchte tanzen mit dem Volk, Neues wagen, wohl wissend, dass ein Wandel immer auch Risiken birgt. Doch sie muss auch Rada von dem Neuen begeistern, die zweite Frau. Die allerdings steht für die alte Ordnung, für die Tradition, die ja nicht nur verstaubt ist, sondern auch beschützt, will keinen Wandel. Am Ende aber lässt sie sich überzeugen, tritt der König höchst selbst aus dem Grab und bittet das Volk zum Tanz. Dazwischen immer wieder Musik der Gruppe "Satolstelamanderfanz", die zum Mitklatschen herausfordert, das Publikum mitnimmt auf melodische Reisen in ferne Zeiten und Länder.

Mehrere hundert Besucher vom Kleinkind bis zum Pensionär erleben am Sonnabend Abend eine Performance, wie es sie so am Seddiner Königsgrab ganz sicher noch nicht gegeben hat. Das Konzept der Seddiner Künstlerin Britta Lüthje, die selbst die Tara spielt und als Vollblutmusikerin bei "Satolstelamanderfanz" nicht nur die Trommel schlägt, ist aufgegangen. Die Zuschauer sind begeistert, folgen dem König auf die Wiese, wo der Horster Künstler Jost Löber in bewährter Weise wieder eine Feuerinstallation vorbereitet hat. Doch viele kräftige Hände sind nötig, zwei Schlitten in den mittleren Bogen zu ziehen, bevor die Fackeln ihr Werk tun. "Lasst uns ein Freudenfeuer für das Miteinander im Hier und Jetzt entzünden", ruft der König und erntet viel Beifall des Publikums.

Es sei gerade der philosophische Exkurs, auf den die Königsfrauen das Publikum mitgenommen haben, der ihn für das Spiel am Königsgrab begeistert haben, erklärt der Schauspieler Alfons Kujat, der den König Hinz verkörpert. Dafür ist er extra aus Berlin gekommen, wo er an einem Stück über die französische Revolution arbeitet, das im Herbst Premiere haben soll. "Der Auftritt in der Prignitz hat mir sehr viel Freude gemacht", gesteht Kujat und auch, dass er sich vorstellen kann, wieder zur Performance zu kommen.

Nicht aus Berlin, sondern aus der Prignitz kommen Daniela Dörfel und Chady Seubert, die zu Beginn der Performance vor allem die kleinen Zuschauer begeistern mit ihrem Stück "… und wer froh ist, ist ein König!" Ihre gespielte unfreiwillige Komik reist Eltern und auch Großeltern ebenso mit bei der Suche nach dem König in uns selbst. Chady Seubert schlüpft danach in die Rolle der Rada.

Derweil und auch im späteren Verlauf des Abends haben die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Seddin alle Hände voll zu tun, die Besucher zu bewirten. Fleißige Helfer des Kulturvereins Stepenitztal als Organisator der Performance tun ein Übriges zum Gelingen des Abends. Und nicht zu vergessen das Wetter. Denn die bedrohlichen dunklen Wolken noch eine Stunde vor Beginn ziehen weiter, es wird ein sonniger, trockener Abend.

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