Berufsschulmeisterschaft : Kochen für den einen Happen

Julia Mebs und Andreas Maciejewski richten den Hauptgang mit Zweierlei vom Lamm an.
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Julia Mebs und Andreas Maciejewski richten den Hauptgang mit Zweierlei vom Lamm an.

OSZ-Team vertritt die Prignitz bei den Berlin-Brandenburger Berufsschulmeisterschaften / der „Prignitzer“ erlebte die Generalprobe

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04. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Serviettenknödel exakt zu schneiden, kann zur Millimetersache werden. Andreas Maciejewski nimmt ein Lineal zur Hilfe. Manuela Peters schaut ihm genau auf die Finger. Das darf auch nicht anders sein. Denn sie und Holger Stahl vom Prignitzer Köcheverein beobachten wie Annegret Sommer und Andreas Warmus, beide Fachlehrer am Oberstufenzentrum (OSZ) Wittenberge, an diesem Tag sehr genau, wie sich Julia Mebs und Manja Matys (beide 3. Lehrjahr), Andreas Maciejewski (2. Lehrjahr) sowie Simeon Sievert (1. Lehrjahr) in der Lehrküche des OSZ schlagen.

Die jungen Leute proben ein letztes Mal für das große Kochen morgen in Teltow. Die Köche in spe holen sich am Oberstufenzentrum das Rüstzeug für ihren Beruf und absolvieren die praktische Ausbildung bei der Lucullus GmbH, im Gasthaus Dahse, im Hotel ambiente bzw. im Hotel Prignitz. Als OSZ-Team haben sie sich für die Endrunde der Berlin-Brandenburger Berufsschulmeisterschaften in Teltow qualifiziert.

An so einem Wettkochen kann man nicht so einfach mal im Vorbeigehen teilnehmen. In der Jury sitzen Köche, die viel, sehr viel von ihrem Handwerk verstehen und über eine äußerst trainierte Zunge verfügen. „Man muss mit einem einzigen Happen überzeugen. Mehr kosten die Jurymitglieder nämlich gar nicht von jedem Gericht“, erklären Annegret Sommer und Holger Stahl, wie die Bewertung abläuft. Die jungen Leute kochen morgen fünf Stunden für die Geschmacksexplosion, die dieser eine Happen im Mund der Juroren auslöst.

„Fünf Stunden sind nicht viel, wir kochen und servieren ein Vier-Gang-Menü“, sagen die jungen Leute. Deshalb wandert der Blick der Köche in spe auch bei der Generalprobe immer wieder zur Uhr. „Wir liegen noch gut in der Zeit, haben noch 20 Minuten“, sagt Manja Matys. Auch sie hat alle Hände voll zu tun, ihre Augen überall. Manja ist, wie Fachlehrerin Sommer erklärt, die Leiterin der Mannschaft.

Der Endspurt vor dem Servieren beginnt. Simeon Sievert gibt Butter, die später für die Serviettenknödel benötigt wird, in eine Pfanne. In der Pfanne daneben steht das Paprikagemüse bereit, auf dem im Hauptgang die Bohnenbündchen angerichtet werden. Julia schwenkt noch einmal die Paprikapfanne, dann schneidet sie die Fleischeinlage für die Perlhuhnkraftbrühe auf, die die jungen Leute mit Maisgrießrauten und Tomatenschaum servieren.

Neben der Jury aus Fachlehrern und Mitgliedern des Prignitzer Köchevereins sind zum Probeessen auch OSZ-Vertreter und Gastronomen aus den Lehrbetrieben eingeladen. Julia Mebs weiß, dass ihr Chef Dietmar Dahse vom gleichnamigen Gasthaus zum Essen gekommen ist, und das, obwohl er Geburtstag hat. Die junge Frau sagt es nicht, aber man hat das Gefühl, sie freut sich über seine Anwesenheit.

Dahse ist Fachmann durch und durch, er weiß, worauf es ankommt, schmeckt genau, hat hier und da noch einen Hinweis. Die Suppe beispielsweise sei recht kräftig, „aber im Bereich des Akzeptablen“. Insgesamt, so Dahse, „ist das, was die jungen Leute bieten, gut“.

Von Julia Mebs als seiner Auszubildenden sagt er, sie sei eine kreative und engagierte Frau, die Spaß an der Arbeit hat. Aber anders könne man auch kein guter Koch werden und sein.

Einen hohen Anspruch an ihren Beruf vertreten auch die Mitglieder vom Prignitzer Köcheverein. „Auch mit Meisterschaften wie dieser legen wir Grundlagen für den Beruf“, begründen die Vereinsmitglieder Manuela Peters und Holger Stahl, weshalb sie zusätzlich zu ihren beruflichen und sonstigen Aufgaben mit der Wettbewerbschaftsmannschaft trainieren. „Es ist anstrengend, macht aber auch viel Spaß“, sagt Manja Matys, die bei Lucullus lernt. Seit Sommer laufen die zeitintensiven Vorbereitungen für den morgigen Landeswettbewerb.

Allen Teams, die Teltow antreten, hat die Jury den gleichen Warenkorb vorgegeben: In der Vorspeise müssen Tigerforelle und Flusskrebs verarbeitet sein, in der Suppe Polenta, Tomaten sowie Perlhuhn, im Hauptgang Lamm und im Dessert Limette, Schokolade, Joghurt Brombeere, Reis und Ananas. Was jedes Team daraus macht, ist seinem Können und seiner Kreativität überlassen. Die OSZ-Mannschaft ist davon überzeugt: „Unser Menü schmeckt.“ Und für kleine Korrekturen gab es ja die Generalprobe.


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