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Der Prignitzer

19. November 2017 | 13:40 Uhr

Knotenpunkte entwickeln Eigenleben

vom

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erstellt am 14.Feb.2012 | 06:15 Uhr

Prignitz | Mit aktuellen Trends und bevorstehenden Entwicklungen im Fahrradtourismus beschäftigte sich gestern in Perleberg ein Workshop, zu dem der Tourismusverband Prignitz Vertreter von Beherbergungsbetrieben, aus der Gastronomie, von Kommunen und Vereinen eingeladen hatte. Das Interesse war riesig, die Diskussionen rege.

Das Radeln, ob auf der Langstrecke oder genussvoll innerhalb der Region, ist im Reisegebiet Prignitz, das auch den westlichen Teil des Landkreises Ostprignitz-Ruppin erfasst, längst als wichtiger Wirtschaftsfaktor erkannt und geschätzt. Obgleich solide zahlenmäßige Erhebungen mit fünf stationären Zählstellen erst Ende Juli vorigen Jahres auf den Weg gebracht wurden, sind die Bemühungen in der Prignitz inzwischen so weit gediehen, dass man sich als radlerfreundliche Region vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e. V. (ADFC) zertifizieren lassen will, und zwar in der gesamten Fläche. "Wir möchten gern deutschlandweit als Musterregion fungieren", unterstrich gestern Uwe Neumann, Geschäftsführer des Tourismusverbandes.

Bislang zertifiziert der ADFC Radrouten, "nach einem Konzept, das in Brandenburg entwickelt wurde", wie Andrea Tiffe vom Berliner Büro "Radschlag" für Tourismus und Radverkehr unterstrich. Momentan haben neun von 22 Radfernwegen in der Mark Sterne. In der Prignitz ist die Bischofstour mit drei Sternen zertifiziert. Diese Qualität, so Uwe Neumann, wolle man unbedingt halten.

Voraussichtlich im Herbst dieses Jahres werde der ADFC ein bis zwei Modellregionen für die Zertifizierung auswählen. "Sechs bis sieben Gebiete bekundeten Interesse", bestätigte gestern Wolfgang Richter, Tourismusreferent beim ADFC, auf Nachfrage unserer Redaktion. Andrea Tiffe ist sehr optimistisch, dass die Prignitz eine dieser Regionen sein wird. Die Werbe- und Mitnahmeeffekte aus einem solchen Pilotprojekt seien nicht hoch genug zu schätzen, so die Expertin aus Berlin.

In die Waagschale werfen könne man, so Uwe Neumann, dabei auch die erfolgreich angelaufene Knotenpunktwegweisung. Die Prignitz ist damit Vorreiter in Brandenburg. Perspektivisch sollen die Knotenpunkte flächendeckend im gesamten Reisegebiet zu Rundkursen einladen - allein in der Elbtalaue sind durch diese zusätzliche Wegweisung auf vorhandenen Routen 16 Kurse entstanden. Auch die nächsten Schritte werden bereits gegangen: Aus Rundkursen, die sich dafür eignen, werden thematische Touren kreiert. "Treffpunkt Adebar", ein 26-Kilometer-Kurs im Raum Rühstädt/Bad Wilsnack, steht bereits, außerdem die Lenzerwische-Tour und eine Klostertour rund um Wittstock - obwohl es hier noch gar keine Knotenpunktwegweisung gibt.

Im ersten Teilprojekt, das man am 31. März vollendet, wurden bzw. werden in der Westprignitz 50 solcher Punkte etabliert. "Das ist ein wirklich gutes unternehmerisches Produkt, mit dem sich die Region besser als bisher darstellen und verkaufen kann", würdigte gestern Hans-Jürgen Kiefer, Inhaber des Gästehauses Perleberg, die Knotenpunkte. Die verbleibenden Gebiete sollen so bald wie möglich ebenfalls mit der neuen Wegweisung versorgt sein. Dafür werden kreisübergreifend Fördermittel aus dem Leader-Programm der EU beantragt. Regionalmanagerin Heike Zellmer informierte im gestrigen Workshop, dass die Bewilligung noch im Frühjahr erfolgen könnte. Die Eigenanteile seien eingestellt.

Mit Hilfe der Anbieter vor Ort und der Radreisenden werde dieses flexible System ein Eigenleben entwickeln, ist sich Dirk Wetzel vom Netzwerk "Aktiv in der Natur" sicher. "Unterschätzen Sie Ihre Gäste nicht! Die werden auf eigene Faust, mit der neuen Wegweisung Rundkurse erkunden und dann auch ein Feedback geben", sagte er an die Gastgeber gerichtet.

Ziel des Tourismusverbandes Prignitz ist es, künftig mehr Radurlauber über einen längeren Zeitraum in der Region zu halten. Das quantitative Potenzial ist hoch. Außerdem bucht ein hoher Anteil der Regioradler, anders als Streckenfahrer, sein Quartier vor und kommt auch häufiger in die einmal besuchte Region zurück.

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