Kleinower wollen keine neuen Windräder

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Mehr als zwei Drittel der Einwohner möchten keine Anlagen nah am Ort Regionalplan ist maßgebend und würde den Bau erlauben

svz.de von
25. März 2014, 20:33 Uhr

Mehr als 70 Prozent der Einwohner von Kleinow sind gegen den Bau von sechs neuen Windkraftanlagen in der Nähe des Ortes, die die Firma UKA (Umweltgerechte Kraftanlagen) aus Meißen hier errichten will. Wie groß die Anlagen werden sollen, wurde bei einer Zusammenkunft mit dem Investoren am Montagabend noch nicht konkret gesagt. Lediglich, dass sie mehr als 150 Meter hoch sein und etwa drei Megawatt Strom erzeugen sollen. Durch diverse gesetzliche Einschränkungen, so machten Vertreter des Unternehmens deutlich, könnten im südlichen Bereich des ausgewiesenen Windeignungsgebietes vier Anlagen gebaut werden, im nördlichen zwei. Diese seien allerdings wirtschaftlich problematisch, hieß es.

Problematisch für die Kleinower ist jedoch vielmehr, dass sie selbst von der Belastung durch die Windräder keine Vorteile haben werden und ein Tier mehr zählt als ein Mensch. Denn vom Nest des Weißstorches müssen die Anlagen 1000 Meter entfernt bleiben, ebenso sind seltene Vögel und Fledermäuse zu schonen. Zur menschlichen Wohnbebauung reiche jedoch ein Abstand von 500 Metern. Diese Distanz schreibt der Regionalplan aus dem Jahre 2003 vor. Zwar will man seit Jahren den Mindestabstand zur Wohnbebauung erweitern, kann sich aber auf keinen neuen Regionalplan mit Gesetzeskraft verständigen. Auch die Zahlung von Gewerbesteuern nach vielleicht acht oder neun Jahren an die Gemeinde Plattenburg oder ein „Bürgerwindrad“ konnten die Kleinower nicht überzeugen. Dabei musste Nils Mokka von der UKA einräumen, dass so ein Projekt bisher noch nie funktioniert habe. Für Kleinow würde das bedeuten, dass sich jeder Haushalt mit etwa 60 000 Euro an einer Windkraftanlage beteiligen müsste. Den Landeigentümern habe man pro Jahr und Anlage etwa 45 000 Euro Pacht angeboten. Ein Vertrag, bei dem der eine oder andere Eigentümer mehr skeptisch und verunsichert als begeistert war.

Auch wenn die Mehrheit der Einwohner gegen die Anlagen ist gab es Befürworter. So sei der Süden Deutschlands für Braunkohle oder Steinkohleabbau für die Stromgewinnung massiv in Mitleidenschaft gezogen worden. Noch heute werden dort ganze Orte umgesiedelt. Jetzt sei auch der Norden mal dran, müsse Opfer bringen, hieß es. Eines machte die Firma UKA jedoch ganz deutlich: Unabhängig vom Bürgerwillen und dem des Gemeindeparlaments habe das Unternehmen für den Bau der Anlagen jede Rückendeckung durch den Gesetzgeber und benötige lediglich die Zustimmung der Landeigentümer. Das heißt, wirklich verhindern kann den Bau der Windkraftanlagen nur ein neuer Regionalplan, denn in diesem würde es kein Windeignungsgebiet um Kleinow mehr geben – oder aber das eine oder andere Storchennest. Denn auch dann könnte selbst im Windeignungsgebiet bei der Einhaltung der Mindestabstände keine Anlage gebaut werden. Vielleicht, so einige Kleinower ironisch, müsse man sich in Rühstädt einen Horst samt Storch ausleihen.



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