Kleingärtner: Nachfolger gesucht

Auf einer der leerstehenden Parzellen: Andreas Madauß, Norbert Franke, Bernd Engelhardt, Peggy Heyneck (Stadt Wittenberge), Gerhard Bretschneider, Jörg Swierczinski (1. Vorsitzender Herrenwiesengrund) und Pächter Gerhard Weger (v. l.). p. dickersbach
Auf einer der leerstehenden Parzellen: Andreas Madauß, Norbert Franke, Bernd Engelhardt, Peggy Heyneck (Stadt Wittenberge), Gerhard Bretschneider, Jörg Swierczinski (1. Vorsitzender Herrenwiesengrund) und Pächter Gerhard Weger (v. l.). p. dickersbach

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05. September 2012, 07:59 Uhr

Prignitz | Im nächsten Jahr gibt es ihn seit 125 Jahren: Den Kleingartenverein "Herrenwiesengrund" in Wittenberge. Und dieses Jubiläum soll im August 2013 mit einer großen Feier begangen werden.

Doch die Kleingartenvereine in der Prignitz, und insbesondere in Wittenberge, haben zu kämpfen. Der zunehmende Leerstand von Parzellen macht ihnen zu schaffen. "Der Landkreis Prignitz hat mit 18 Prozent die höchste Leerstandsquote in Brandenburg", sagt Bernd Engelhardt, Vorsitzender des Landesverbandes Brandenburg der Gartenfreunde. Und Interessenten sind Mangelware. Dies führt zu Problemen, da die Pacht für die Parzellen, die die Kommunen oder Private als Eigentümer erhalten, weiter bezahlt werden muss.

"Es fehlt an Nachnutzung und finanzieller Ausstattung", bringt es Gerhard Bretschneider, zweiter Vorsitzender des Kreisverbandes der Gartenfreunde, auf den Punkt. Deswegen müssten die übrigen Mitglieder eines Vereins für die Kosten aufkommen, so Bretschneider.

Im Jahr 2011 wurde eine Arbeitsgruppe innerhalb des Kreisverbandes ins Leben gerufen, die sich mit der weiteren Entwicklung des Kleingartenwesens befasst. Hier entstanden zunächst Analysen zum genauen Leerstand. In Wittenberge ist insbesondere der Kleingartenverein "Paul Klink" betroffen. Von 192 Gärten stehen 72 leer, was 37,5 Prozent entspricht. "Es ist ein richtiger Flickenteppich", sagt Andreas Madauß, Landesgartenfachberater. Derzeit sind MAE-Kräfte damit beschäftigt, Parzellen zurückzubauen und zu renaturieren. Unter Renaturieren versteht man die Wiederherstellung von naturnahen Lebensräumen, "also insbesondere den Abriss von Bauten", erläutert Klaus-Detlef Schulz, Vorsitzender des Vereins "Paul Klink". Dies sei notwendig, da die Verpächter in der Regel lediglich größere, zusammenhängende Flächen zurücknimmt, die zudem renaturiert sein müssen.

Mit EU-Fördermitteln: Projekt in Wittenberge geplant

Derzeit wird deshalb auch über ein Pilotprojekt in Wittenberge diskutiert, das mit Hilfe von EU-Fördermitteln die umfassende Renaturierung von Kleingärten ermöglichen soll. "Wir versuchen, in die Förderperiode ab 2014 zu kommen", erläutert Engelhardt. Hierfür sei jedoch ein Eigenanteil von 25 Prozent notwendig. "In jedem Fall muss der Bund die finanziellen Mittel erhöhen", so Engelhardt.

Auch Norbert Franke, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde, nimmt die Politik in die Pflicht. "Die Kommunen sollten die Vereine von der Pacht für leerstehende Flächen befreien", so Franke. Sechs Cent weniger (soviel kostet die Pacht pro Quadratmeter und Jahr) könnte jede kommunale Kasse verkraften.

Auf der Anlage des kommenden Jubilars stehen übrigens nur zwei Parzellen leer. Ein sehr geringer Wert, verglichen mit den übrigen Vereinen im Landkreis.

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