Hausbau statt Gartenlaube in Wittenberge : Kleingärtner müssen Parzelle verlassen

Zwei Hausbauer wollen das bisherige Gartengrundstück im Wüstenweg kaufen.
Zwei Hausbauer wollen das bisherige Gartengrundstück im Wüstenweg kaufen.

Im Wüstenweg haben zwei potenzielle Hausbauer für das Areal geboten, auf dem Familie Wunsch gärtnert

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01. April 2017, 05:00 Uhr

Gertrud Wunsch hat den Kampf um ihren Kleingarten im Wüstenweg verloren. Sie muss ihn räumen, Hausbauern Platz machen. „Das Bauamt hat uns keinen Aufschub eingeräumt“, sagt Gertrud Wunsch nach einem Gespräch mit Bauamtsleiter Martin Hahn und macht aus ihrer großen Enttäuschung keinen Hehl.

Das Problem: Der Kleingarten von Familie Wunsch gehört zu jenen 18 Parzellen im Gartenverein Wüstenweg, die die Stadt für die Bebauung mit Siedlungshäusern freigegeben hat. Es besteht kein Zweifel daran, dass das Recht auf Seiten der Kommune ist. Denn schon vor 17 Jahren haben die Stadtverordneten mit ihrem Bebauungsplan für die Blumensiedlung festgelegt, dass es sich bei dem Kleingartengelände um mögliches Bauland handelt. Im Herbst vergangenen Jahres machte die Stadt ernst. Im September kündigte sie ihre Absicht auch gegenüber den Hobbygärtnern an. Im November erfolgte nach den Worten von Martin Hahn die offizielle Aufkündigung des Pachtvertrages seitens der Kommune mit dem Kreisverband des Gartenfreunde.

Damit war der Weg frei, die Stadt kann das Gelände meistbietend an Bauherren in spe vergeben. Maßstab dabei ist der Bodenrichtwert als Mindestpreis. Für den Bereich Hoppenradweg/Wüstenweg liegt er derzeit bei rund 25 Euro den Quadratmeter. Von dem Erlös, den die Stadt sich erhofft, können auch die Kündigungsentschädigungen gezahlt werden, die den Kleingärtnern laut Bundeskleingartengesetz zustehen, wie Wolfgang Strutz als ausgebildeter Bewerter für diese Parzellen sagt.

Familie Wunsch würde gern auf die Entschädigung verzichten, wenn sie noch einige Jahre die von ihr über Jahrzehnte gepachtete Parzelle bewirtschaften dürfte.

Das wird nicht mehr klappen. Denn wie Martin Hahn dem „Prignitzer“ sagte, haben zwei Kaufinteressenten genau für das Gelände geboten, auf dem sich auch der Kleingarten von Gertrud Wunsch befindet.

Auch die Familie ist bereit, der Stadt das Land abzukaufen, damit sie ihren Garten behalten kann. Das bot Gertrud Wunsch auf der Bauausschusssitzung im Januar an (Der „Prignitzer“ berichtete). Keine Chance, denn „es geht um die Vermarktung als Bauland“, hatte Hahn erklärt und Familie Wunsch zu einem Gespräch eingeladen. In dieser Woche versicherte er, die Verwaltung werde mit der Familie auch weiterhin im Gespräch bleiben. Es bestehe das Angebot, dass die Kleingärtner künftig anderswo eine Parzelle bewirtschaften können.  

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