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Der Prignitzer

22. Oktober 2017 | 23:15 Uhr

Wittenberge : Kleingärten werden Bauland

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Stadt setzt den B-Plan von 2000 im Wüsten- und im Hoppenradweg in die Praxis um

von
erstellt am 24.Jan.2017 | 11:00 Uhr

Kleingärten kontra Bauland? Im Wüstenweg können auf zwölf Parzellen Einfamilienhäuser entstehen, im Hoppenradweg auf sechs. Die Kommune bietet das Gelände seit der vergangenen Woche offiziell zum Bebauen an. Es gibt keinen Festpreis. Bauherren legen ihre Vorschläge auf den Tisch.


Kleingärtner sind überrascht


Hat also „Prignitzer“-Leserin Gertrud Wunsch recht, wenn sie gestern der Redaktion schreibt: „Noch-Gärtnern wird ihre Parzelle in großer Eile zu Bauland umgewandelt (Wüsten- und Hoppenradweg).“ Die Wittenbergerin bezieht sich mit ihren Zeilen auf den „Prignitzer“-Artikel „Den Gärten gehen die Gärtner aus“. Wie der „Prignitzer“ darin am 20. Januar informierte, wird sich die Anzahl der organisierten Kleingärtner in Wittenberge bis 2030 voraussichtlich auf gut 500 und damit etwa halbieren. Unter diesem Gesichtspunkt muss genau überlegt werden, wie viele Kleingartenanlagen künftig wo in der Stadt überhaupt noch Bestand haben.

Zurück zum Wüsten- und Hoppenradweg: Auch wenn die jetzige Entwicklung für den einzelnen Kleingärtner überraschend kommt und „die zumeist älteren Pächtern ihren liebevoll gestalteten Garten dort gern behalten würden“, wie Gertrud Wunsch schreibt, ist das Gelände dieser Kleingartenanlage doch bereits seit dem Jahr 2000 als Bauland ausgewiesen. Der Chef des städtischen Bauamts, Martin Hahn, verweist auf den vor knapp 17 Jahren beschlossenen Bebauungsplan für die Blumensiedlung, der auch für Wüsten- und Hoppenradweg gilt.

Eigentümer des Noch-Kleingartenlandes ist die Kommune. Pächter dieses Stadtlandes ist der Kreisverband der Gartenfreunde. Hahn verweist darauf, dass „wir als Stadt im September letzten Jahres das Vorhaben angekündigt haben“ und, dass von den betroffenen 18 Parzellen im Wüsten- und im Hoppenradweg bereits sieben nicht mehr bewirtschaftet werden. In diesem Jahr könnten die verbliebenen Kleingärtner die Vegetationszeit noch nutzen. „Die Grundstücke stehen frühesten Anfang nächsten Jahres zum Bebauen zur Verfügung.“

Hahn konstatiert, dass die Stadt sich angesichts der Nachfrage nach Bauland und nach „Prüfung der Potenziale, die wir haben“, zu dem Schritt entschlossen hat, die dortigen Kleingärten nun zum Bauen nutzen zu lassen.


Bauherren in spe bieten für Grundstücke


Das Besondere: Es handelt sich um ein Bieterverfahren. Das heißt, nicht die Stadt legt den Preis für den Quadratmeter fest. „Die möglichen Bauherren sind ausdrücklich dazu aufgefordert, ihr Interesse mit dem Vorschlag zu verbinden, was sie auf dem Baugrund errichten wollen, was sie planen und mit einem Vorschlag, welchen Quadratmeterpreis sie entrichten wollen.“

Der Bauamtsleiter räumt auf eine entsprechende Redaktionsnachfrage ein, ja, die Stadt hoffe bei diesem Verfahren auf einen gewissen Erlös. Bedenken müsse man aber auch, „dass wir als Kommune Entschädigungen an die Kleingärtner zahlen werden und uns mit den Kaufinteressenten über den Aufwand der notwendige Beräumung der Grundstücke verständigen müssen“. Das sei bei den Einnahmen selbstverständlich gegen zu rechnen.

Auf die Frage, ob in diesem Bieterverfahren ein Mindestpreis festgesetzt sei, verweist Hahn auf den Bodenrichtwert, der das Maß der Dinge sei. Dieser Richtwert errechnet sich aus dem Quadratmeterdurchschnittspreis aller veräußerten Grundstücke eines Jahres in einem bestimmten Gebiet. Für den Bereich Hoppenradweg/Wüstenweg liegt er bei rund 25 Euro den Quadratmeter. Wird jeder sein Haus nach ganz individuellen Vorstellungen auf einem Grundstück in der Größe seiner Wahl errichten können? Hahn verweist auf den städtebaulichen Rahmen, der im B-Plan vorgeben und damit auch einzuhalten ist. Gern berate sein Amt dazu.  

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