Perleberg Festival : Kleines Festival, große Musik

Gelungener Auftakt: Gravity aus der Partnerstadt Kaarst erobern die Herzen des Publikums. Bürgermeisterin Annett Jura bedankt sich bei Musikschulleiter Mark Koll mit einem Perleberg-Schirm. Sängerin Kim Hannah (2. v. l.) bekommt einen Roland.
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Gelungener Auftakt: Gravity aus der Partnerstadt Kaarst erobern die Herzen des Publikums. Bürgermeisterin Annett Jura bedankt sich bei Musikschulleiter Mark Koll mit einem Perleberg-Schirm. Sängerin Kim Hannah (2. v. l.) bekommt einen Roland.

Ob Schülerband oder internationaler Profi – 19. Auflage überzeugt in musikalischer Qualität / Partnerstadt Kaarst lädt Bands ein

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12. Juni 2016, 20:00 Uhr

Erst 15 Jahre jung, aber eine Stimme, die Besucher begeistert. Stimmungsvoller hätte der Auftakt für das 19. Perleberg Festival am Sonnabend kaum sein können. Kim Hannah und ihre Band Gravity spielen im Hof des Gymnasiums. „Was für eine tolle Stimme, noch nicht routiniert, aber schon so selbstsicher“, sagt Detlef Kuhrt, der kein Stammgast des Festivals sei, aber Musik mag.

Mal ein Coversong von Kate Bush, mal eine eigene Komposition. Wer die Band nur hört, ahnt nicht, dass die Musiker zwischen 13 und 15 Jahre alt sind. Nur in einem Punkt scheitern sie: Kim Hannahs Aufforderung ans Publikum zu tanzen, verhallt ungehört. Aber das muss sich die Band nicht zu Herzen nehmen. Es sollen noch Stunden vergehen, bis die ersten Besucher ihr Tanzbein vor der Bühne schwingen.

Gravity kommt aus der Perleberger Partnerstadt Kaarst bei Düsseldorf. Die Idee war bei einem Besuch der Bürgermeisterin Annett Jura entstanden. „Wir hatten von unseren musikalischen Veranstaltungen erzählt und damit das Interesse von Mark Koll geweckt, der eine private Musikschule leitet“, sagt Annett Jura.

Es blieb nicht bei einer Absichtserklärung. „Wie fördern den Bandaustausch zwischen den Bundesländern, fahren auch zu Konzerten in unsere französische Partnerstadt“, sagt Mark Koll. An seiner Schule gibt es rund 20 Bands, Orchester und einen Chor. Die Ensemblearbeit sei ein Schwerpunkt.

„Musiker sprechen die gleiche Sprache, sie müssen sich nicht vorher sehen“, so Kolls Maxime. Er lädt Perleberger Bands oder Solisten zu sich nach Kaarst ein. „Sehr gerne auch kurzfristig, zum Beispiel zu unserm Schuljahresabschlusskonzert am 8. Juli oder zu ‘Kaarst total‘ am 3./4. September.“ Eine kleine Gage, Unterkunft und Verpflegung würden gestellt.

„Jede Stilrichtung ist uns willkommen und für ein Crossover Projekt wünsche ich mir Absolventen der Lotte Lehmann Woche oder Akademie“, sagt er. Annett Jura will diesen Austausch gerne fördern. Interessierte Musiker können sich bei der Stadt melden, die den Kontakt zu Mark Koll herstellt.

Auf drei Bühnen wird gespielt. Besonders schön ist die Atmosphäre wieder einmal im Innenhof des Stadtmuseums. „Fehlt nur noch das azurblaue Meer und es wäre die perfekte Urlaubsstimmung“, meint Sabine Steinke zu den Klängen des Walter Martinez Trios. Die drei Musiker aus Kuba, Venezuela und Deutschland entführen mit Salsa und Latin in die Karibik. Dazu passt zwar nicht die angebotene leckere Bratwurst der Feuerwehr Spiegelhagen, aber das stört in keiner Weise.

Auf dem Weg zur dritten Spielstätte im Judenhof sind Adrienne Dietrich und Marcel Dittrich. Sie aus Perleberg, er aus Berlin, beide werden in Kürze Eltern. Das Festival nehmen sie zum Anlass, ihre Familien miteinander bekannt zu machen. „Das ist zwar nicht so ganz unsere Musik, aber wir sind für jedes Genre offen und freuen uns ganz besonders auf The Be4tles zum Abschluss“, sagen sie.

Davor jedoch erklingt im Judenhof internationale Folklore und am Gymnasium wird mittlerweile zu Celtic Rock getanzt. Während die kleinen Spielstätten mit je 50 bis 70 Besuchern gut gefüllt sind, wirkt der Schulhof lange Zeit etwas leer. Aber je später der Abend wird, desto mehr Besucher finden den Weg hierher.

Ingo Steuer vom Freundeskreis des Festivals ist zufrieden mit den Besucherzahlen. „Es sind mehr als im Vorjahr“, schätzt er. Das nicht mehr die großen Massen wie noch zu den ersten Festivals kommen, sei mittlerweile akzeptiert und auch nicht mehr das primäre Ziel. „Die verkleinerte Variante mit drei Spielorten ist genau richtig“, meint Steuer.

Die Musik soll im Mittelpunkt stehen und das sei in diesem Jahr erneut gelungen. „In den 19 Jahren Festivalgeschichte hat sich mit Ausnahme von Dirk Zöllner keine Band wiederholt“, sagt Steuer. Ihm sei die musikalische Vielfalt wichtig, auch mit Blick auf das Jubiläum im kommenden Jahr. 

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