Kleines Dorf mit großem Festumzug

<strong>Mellener Geschichte</strong> zeigte die Feuerwehr in eindrucksvoller Manier.
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Mellener Geschichte zeigte die Feuerwehr in eindrucksvoller Manier.

svz.de von
25. Juni 2012, 10:51 Uhr

Mellen | Hut ab vor den Mellenern: Die 700 Jahre zurückliegende Ersterwähnung ihres Ortes in einer Urkunde feierte das nur gut 100 Bewohner zählende Dorf mit einem Festumzug, wie er selbst in größeren Städten nicht so häufig zu erleben ist. "Ja, so sind wir Mellener. Wir sind gut", sagt mit einem Schmunzeln auf den Lippen Heiko Krull. Der Mann im Outfit eines wohlhabenden Bauern aus den 50er Jahren stellt sich vor "als letzter Bürgermeister der Gemeinde Mellen vor der Zwangseingemeindung nach Lenzen". Und natürlich hat er beim Festumzug mitgemacht. "Wir haben an unsere BHG erinnert, die wir hier mal hatten." Seinen Dunglader im Zug hat er für den Auftritt an diesem Tag extra noch mal gestrichen. "Es muss schon alles stimmen", sagt Krull. So wie er haben wohl alle gedacht, die sich am Jubiläumszug beteiligten. In Erinnerung an die Schmiede hämmerte es von einem Wagen pling, pling herunter. Auf einem anderen Gefährt saßen Leuten an den Tischen. Es wurde kräftig ausgeschenkt in Erinnerung an die Gaststätte Lewerenz. Die Molkerei und Käsefabrik erlebte wie die Bäckerei Schwemm ihre Auferstehung. Jacobs Kartoffelzucht grüßte. Die Deibower Kartoffelkäfer reihten sich mit in den Umzug ein, ebenso die Seegemeinschaft. Und natürlich war auch Rambow vertreten. "Wir Mellener und Rambower machen eigentlich immer alles gemeinsam", sagt Marlis Wöllmer. Die Frau ist abenteuerlich gewandet, trägt ein Art Fellbehang. Das ist nicht die Kleidung der Mellener, wie sie vor 700 Jahren üblich war. Marlis Wöllmer lacht: "Mellen ist ja auch viel, viel älter." Das Hünengrab in Mellen zeugt von einer Besiedlung zwischen 3000 und 2500 vor Christie.

Marlis Wöllmer ist Mitglied im Festkomitee. Im Mai vergangenen Jahres fanden sich knapp zehn Leute zusammen und begannen mit der Festvorbereitung. Der große Aufwand habe sich gelohnt, sagt sie angesichts des Festes am Sonnabend. "Das aber nur deshalb so schön ist, weil bis auf ganz wenige alle mitmachen". Marlis Wöllmer liebt Mellen. Die Pirowerin hat hierher geheiratet, ihr Mann Detlef stammt aus dem Ort. Zwischenzeitlich haben beide in Schwerin gelebt. "1992 sind wir zurückgekommen und haben es bisher nicht bereut wegen des dörflichen Miteinanders", sagt Marlis Wöllmer, auch wenn sie und ihr Mann täglich zur Arbeit nach Schwerin fahren.

Dem dörflichen Miteinander in Mellen und der Entwicklung des Ortes hat Reinhold Jacobs in historischen Quellen nachgespürt. Es sei schwierig gewesen, Unterlagen zu finden, sagt der engagierte Mann. Zusammengestellt hat er seine Nachforschungen in der Festschrift. In ihr findet sich übrigens auch die kleine Dott wieder. Die als Hauslehrerin in Mellen lebende Tamara Ramsay (1895 bis 1985) hat die nette Geschichte des Mädchens geschrieben, das in der Johannisnacht Wundersames erlebt.

Urkundliche Ersterwähnung: Kloster Eldena kaufte mehrere Siedlungen

Der Mellener Reinhold Jacobs hat sich mit der Historie seines Heimatdorfes befasst. In der Festschrift heißt es zur Geschichte:Die Siedlung Mellen wurde erstmals 1312 urkundlich erwähnt. Der letzte askanische Markgraf Waldemar verkaufte vier Hufen (zirka 70 Hektar) an das Nonnenkloster Eldena. Im gleichen Jahr wurden die Siedlungen Milow, Zapel und Boberow urkundlich erwähnt. Diese Dörfer und Mellen liegen alle südöstlich in einer Linie von Eldena und wurden ebenfalls ans Kloster verkauft.

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