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Der Prignitzer

13. Dezember 2017 | 21:35 Uhr

Kleinere Klassen unbezahlbar?

vom

svz.de von
erstellt am 14.Apr.2011 | 06:21 Uhr

Prignitz | Viele Schüleranmeldungen müssen nicht gleichbedeutend sein mit der Einrichtung vieler Klassen. Diese Erfahrung machen derzeit Eltern im östlichen Teil des Landkreises, die für den Bildungsweg ihrer Kinder ab Klasse 7 das Goethe-Gymnasium in Pritzwalk vorgesehen hatten. Rund 90 Mädchen und Jungen inklusive eines Integrationsschülers sind angemeldet - es sollen aber nur drei siebente Klassen eingerichtet werden.

Den "Überhang" dieser Schule und auch der Gymnasien Kyritz und Neuruppin will man - sofern sich die Bewerber nicht noch anders entscheiden - ans Wittstocker Gymnasium schicken, wo bei etwa gleicher Anmeldezahl vier siebente Klassen eröffnet werden sollen. Wie das fahrtechnisch gelöst werden kann, wird seit Anfang dieser Woche im Staatlichen Schulamt in Perleberg geprüft, wie dessen Leiter Karl-Heinz Kowalzik sagt.

In der Stadt Pritzwalk und auch im Landkreis regt sich Widerstand. Eltern sind aktiv geworden, sammeln Unterschriften für eine Vierzügigkeit des Pritz walker Gymnasiums. Einer der Engagierten ist Helge Reiter. Sein Kind, das im Sommer von der 6. in die 7. Klasse wechselt, ist von dieser Regelung zwar nicht direkt betroffen, es kann das Gymnasium besuchen - dem Pritzwalker aber geht es ums Prinzip: "Indirekt betrifft das Thema alle künftigen Schüler. Denn, wenn in Pritz walk die siebenten Klassen fortan in vier Zügen laufen, ist die Klassenstärke deutlich geringer, was für ein viel besseres Lernklima sorgt." Nachdem den Elternvertretern im staatlichen Schulamt erklärt wurde, dass man hier nur die Vorgaben der Politik umsetze, wollen sich die Eltern jetzt an die politischen Entscheidungsträger wenden. Dazu gehören der Bildungsausschuss des Prignitzer Kreistages, das Bildungsministerium des Landes und auch die Landtagsabgeordneten der Region. "Wir lassen uns diese Entscheidung nicht widerspruchslos gefallen und werden für unsere Kinder kämpfen", sagt Reiter. Den Elternvertretern, so Reiter, sei im Staatlichen Schulamt klargemacht worden, dass den Verantwortlichen keine andere Entscheidung bleibe, als diese vierte 7. Klasse am Wittstocker Gymnasium zu eröffneten. Dass man nicht beide Schulen vierzügig laufen lasse, habe vor allem finanzielle Gründe.

Die Bezahlbarkeit des Systems führt auch das Potsdamer Bildungsministerium als Knackpunkt an. Sprecher Stephan Breiding: "Wir wissen, dass das im Einzelfall zu Unmut führt. Aber: Die Bildung muss, genauso wie alle anderen Bereiche im Land, mit ihren Ressourcen auskommen." Die Schulamtsbezirke hätten ihre zugewiesenen Lehrer-Wochenstunden, in deren Rahmen sie sich nur bewegen könnten, so Breiding.

Angesprochen auf die Bandbreite in der Schülerzahl, die für die Einrichtung 7. Klassen in der Verwaltungsverordnung (VV) Unterrichtsorganisation vom 20. Dezember 2006 festgelegt wurde und die Klassenstärken von 20 bis 28 Schülern beschreibt, heißt es aus dem Ministerium, dass es keinen Rechtsanspruch auf die Bildung kleiner Klassen gäbe. Festgeschrieben ist in der VV auch ein Klassenfrequenzrichtwert von 27 Schülern. Darüber hinaus ist es auf Antrag der Schule möglich, ausnahmsweise bis zu 30 Schüler in einer Klasse aufzunehmen, wie Stephan Breiding bestätigt.

Die Realität, wie Nachfragen des "Prignitzers" ergaben, liegt bei Klassenfrequenzen von 27 bis 29 Schülern. Für kleinere Klassen und für die Eröffnung von vier Zügen an den Gymnasien Wittstock und Pritzwalk will sich das Pritzwalker Stadtparlament stark machen. Ein Positionspapier befinde sich in Vorbereitung, wie Volker Hoffeins, Vorsitzender des städtischen Bildungsausschusses und amtierender Stadtverordnetenvorsitzender, informiert. "Wir fordern, dass alle Schüler, die es wollen und die Voraussetzungen dafür mitbringen, das Abitur wohnortnah ablegen können", sagt Hoffeins, der auch als Lehrer am Pritzwalker Gymnasium arbeitet. Man müsse nicht über Fachkräftemangel diskutieren, wenn man den potenziellen Abiturienten solche Steine in den Weg lege. "Es ist ein Unding, dass den betreffenden Schülern seitens des Schulamtes nahegelegt wird, sie könnten sich auf ihren Zweitwunsch - Oberschule - berufen und dann diese, statt eines Gymnasiums, besuchen."

Am kommenden Dienstag beschäftigt sich der Bildungsausschuss des Kreistages ab 17 Uhr in Perleberg in einer öffentlichen Sondersitzung mit der Problematik. So, wie es jetzt laufe, sei es einfach eine Entscheidung gegen die ländliche Region, meint Ausschussvorsitzender Andreas Giske. "Wenn wir nicht in unsere Kinder investieren, werden sich die Dörfer und Städte hier über kurz oder lang leeren." Giske, der auch das Wittenberger Gymnasium leitet, fordert, Schüler aus dem Landkreis auch im Kreis zu beschulen. "Die Kapazitäten dafür sind vorhanden."

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