Kehrberger Wunderknabe : Kleiner Mann mit großer Wirkung

Der „Wunderknabe“ (l.) hatte ein Händchen für kranke Menschen.
Foto:
Der „Wunderknabe“ (l.) hatte ein Händchen für kranke Menschen.

An den Wunderknaben zu Kehrberg wird am morgigen Sonntag zum neunten Mal mit einem Theaterstück erinnert

An der Kirche zu Kehrberg wird am Sonntag um 14 Uhr zum neunten Mal die Geschichte des „Wunderknaben zu Kehrberg“ aufgeführt. Dabei geht es um eine wahre medizinhistorische Geschichte aus der Prignitz, die im Grunde immer noch einen aktuellen Bezug hat, sagt Hans Serner aus Lindenberg.

Er hat sich in den vergangenen Jahren sehr intensiv mit der Geschichte des Wunderknaben beschäftigt und zahlreiche historische Unterlagen studiert, in denen die Geschichte dokumentiert ist. 1731 wurde der kleine Johann-Ludwig Hohenstein in Schrepkow als siebenter Sohn des Schmieds geboren. Das auch noch an einem Sonntag und weil das so gut zum „Glückskind“ passt, soll die Mutter entschieden haben, dass der Geburtstag der 6. Januar, der Tag der Heiligen drei Könige sein soll, obwohl das Kind wohl erst am 21. Januar das Licht der Welt erblickte. Zunächst zog die Familie nach Vettin und baute sich im benachbarten Kehrberg ein Haus. „Es ist schon erstaunlich, dass alle drei Häuser dieser Geschichte auch heute noch vorhanden sind“, sagt Hans Serner. Die Nachricht des Knaben, der Wunderheilungen vollbringt, verbreitete sich sehr schnell im Land und so kamen 1734 innerhalb von drei Monaten etwa 30 000 kranke Menschen nach Kehrberg in der Hoffnung auf wundersame Heilung. Dem damaligen König Friedrich Wilhelm I., König von Preußen, missfiel diese Wunderheilung sehr, so dass er den Jungen in Kehrberg abholen und in Berlin in einem Waisenhaus unterbringen ließ. Hier starb Johann-Ludwig Hohenstein im Alter von nur fünf Jahren. Die Geschichte des Wunderknaben ist anhand zahlreicher historischer Dokumente und einer Polizeiakte belegt und dokumentiert. „Ich würde mir wünschen, dass Kehrberg mit diesem Pfund noch mehr wuchern würde. Damit die Geschichte bekannter wird, führen wir sie alle Jahre wieder auf“, sagt Hans Serner. Er könne sich zum Beispiel vor dem Hintergrund der Geschichte des Wunderknaben auch eine Gesprächsrunde vorstellen, in der sich Alternative- und Schulmediziner über dieses Thema aus heutiger Sicht auseinandersetzen. Und weil auch schon zu Zeiten des Wunderknaben die ärztliche Versorgung in den ländlichen Gebieten eher mangelhaft war, eben ähnlich wie heute, so Hans Serner, habe die Geschichte immer noch einen aktuellen Bezug. Denn erst das Fehlen der Ärzte im Lande zur damaligen Zeit ermöglichte die große Nachfrage nach Wundheilung und anderen zumindest umstrittenen Heilungsmethoden.

Etwa 30 Laiendarsteller beteiligen sich an der Aufführung der Prignitzer Geschichte. Den Wunderknaben spielt in diesem Jahr Max Halwas aus Kehrberg, sein Hund heißt ebenfalls Max. Er begleitet den Gutsbesitzer auf die Bühne. „Stock und Hund verleihen so einem Gutsbesitzer noch viel mehr Autorität, im wahren Leben sicherlich aber auch auf der Bühne“, sagt Hans Serner.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen