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Strategischer Hochwasserschutz : Kleine Flüsse – große Wirkung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Managementplan für Hochwassersituationen 22 Jahre nach schwerer Flut an Dömnitz und Stepenitz / Schon viele Schutzmaßnahmen realisiert

Vor 21 Jahren fielen im Bereich von Dömnitz und Stepenitz vom 11. bis 13. Juni mehr als 300 Liter Niederschlag in 36 Stunden. Das war mehr als die Hälfte der gesamten Jahresmenge und führte zu einer Hochwassersituation, wie man sie bis dato noch nicht kannte.

Dieses Ereignis war gestern Anlass für Vertreter des Landesumweltamtes, der Prignitzer Kreisverwaltung und den betreffenden Kommunen, sich einen Überblick über die Hochwasserschutzmaßnahmen an der Stepenitz zu verschaffen.

Nach diesem Hochwasser ist viel passiert. So wurde das Rückhaltebecken an der Neuen Mühle in Perleberg für etwa drei Millionen Euro gebaut. In den Kommunen wurden Straßensanierungen immer mit Rückhaltebecken versehen und die Landwirte werden angehalten, Felder nahe der Stepenitz mit Querfurchen zum Fluss zu bestellen. In den Kommunen sind Brücken erhöht worden, um mehr Durchfluss zu gewährleisten, in Perleberg wurde das Riseleiwehr erweitert, um den Abfluss zu verbessern und an verschiedenen Stellen wurden Umfluter verbreitert, damit diese mehr Wasser ableiten können. Doch diese Maßnahmen sind noch nicht ausreichend. „Wir haben das Problem, dass die Stepenitz ein sehr starkes Gefälle aufweist, untypisch für einen Fluss im Flachland. Deshalb ist sie neben der schwarzen Elster unser größtes Sorgenkind im Land“, sagt Professor Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes (LUA). „In der Vergangenheit wurden Pegelmessstationen an Dömnitz, Stepenitz und kleineren Zuflüssen gebaut. Dennoch gebe es im Ernstfall nur ein kurze Vorwarnzeit. Eine Hochwasserwelle braucht von Wolfshagen bis nach Perleberg etwa acht Stunden. An der Elbe haben wir Vorwarnzeiten von mehreren Tagen“, so Freude weiter. Deshalb sterben weltweit auch deutlich mehr Menschen bei Hochwassern an kleinen Flüssen als bei Hochwasserlagen an den großen Strömen. Zurzeit arbeite man einem Risikomanagementplan, so Freude. Dieser werde zum Jahresende fertig sein. Dann gelte es mit der Region abzustimmen, welche Maßnahmen realistisch umsetzbar sind, um im Anschluss von der EU Gelder für die Realisierung zu bekommen. „Das wird ein Wettbewerb zwischen den Regionen in Europa um die Gelder und ich hoffe, dass es nicht erst wieder so ein Ereignis sein muss, das die Menschen wachrüttelt und hilft, hier und da Flächen für die Überflutung bereitzustellen bzw. andere Maßnahmen zu unterstützen“, machte Matthias Freude deutlich. Landrat Hans Lange ergänzt, dass künftig auch die Kommunen mit ins Boot geholt werden müssen, um gemeinsam mit dem LUA Maßnahmen umzusetzen und auch bei Genehmigungen den Hochwasserschutz immer im Blick zu haben.

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erstellt am 12.Jun.2014 | 12:00 Uhr

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