Wahlplakate aus Lindenberg : Kleine Firma macht Politik

Wahlkampf bedeutet für die Mitarbeiter von Treger Akkordarbeit.
Wahlkampf bedeutet für die Mitarbeiter von Treger Akkordarbeit.

Treger Wahlwerbung ist in ganz Deutschland tätig / Durch Vandalismus entstanden in diesem Jahr bisher 50 000 Euro Schaden

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24. August 2016, 05:00 Uhr

Idyllisch am Waldrand im Ortsteil Lindenberg ist der Sitz der Firma Treger Wahlwerbung gelegen. Zwei Eichhörnchen huschen über die Waldstraße. Dass hier quasi Landespolitik gemacht wird, denken wohl die Wenigsten. Doch die Firma Treger ist die zweitgrößte in ganz Deutschland, wenn es um Aufsteller für Wahlwerbung geht.

Derzeit laufen die Wahlkämpfe zum Landtag in Mecklenburg-Vorpommern, zur Kommunalwahl in Niedersachsen und zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin. Und überall ist Treger mit seinen Aufstellern dabei. „In Mecklenburg-Vorpommern haben wir die Aufträge von der CDU, den Grünen und der Linken. In Niedersachsen von der CDU und der SPD und in Berlin sind wir für die Grünen tätig“, fasst der stellvertretende Geschäftsführer, Sebastian Harth, zusammen. Eine große logistische Herausforderung sei das, betont der 26-Jährige. „In Niedersachsen mussten wir von der holländischen Küste beginnend 2000 Tafeln innerhalb von vier Tagen aufstellen. 30 Leute waren mit dem Aufbau beschäftigt“, sagt Harth. Ohne den Einsatz der Mitarbeiter sei das nicht möglich. Anfang des Jahres waren schon Hessen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz an der Reihe. Wahlkampf ist also nicht nur Stress für die Politiker, sondern auch für die Firma Treger. Sebastian Harth hat in der Hochphase einen 14-Stunden-Tag. In diesem Sommer ist an Urlaub für seine 20 Mitarbeiter und ihn nicht zu denken.

In drei Lagerhallen in Düpow warten die Metallgerüste auf ihren Einsatz. Das Konzept von Treger Wahlwerbung scheint zu stimmen. Seit elf Jahren behauptet sie sich auf dem hart umkämpften Markt. Trotz des Wettbewerbs gibt es aber Tabus, die nicht gebrochen werden. „Für die NPD und die AfD würden wir nie arbeiten. Letztere hat schon bei uns angefragt. Wir haben abgelehnt“, erzählt Harth. Jede Partei aus der gesellschaftlichen Mitte werde gleich behandelt, lautet das persönliche und geschäftliche Credo.

Die Motive für die Wahlplakate kommen von den Parteien. Treger übernimmt die Installation der Aufsteller und, wenn gewünscht, auch den Druck. Das finanzielle Risiko spielt bei den Aufträgen immer eine Rolle. Regelmäßig werden Plakate mitsamt den Metallgerüsten mutwillig zerstört. „In Mecklenburg, rund um Usedom, ist es am schlimmsten. Kollegen wurden schon während der Arbeit beschimpft. Und das von Leuten jenseits der 40 oder 50, die normal situiert schienen“, beschreibt Harth. Etwa 50 000 Euro Schaden sind der Firma bisher entstanden. Das muss sie selbst ausgleichen, denn die Parteien zahlen nicht für diese Schäden. „Und eine Versicherung ist undenkbar, weil die Raten wegen des hohen Risikos immens wären“, so Sebastian Harth.

Durch die jahrelange Arbeit hat sich die Firma bereits einen Namen gemacht. „Parteien fragen bei uns teilweise an, ob wir für sie arbeiten würden. Dazu gucken wir auch, wo demnächst Wahlen stattfinden und machen dann Angebote“, beschreibt der Bürokaufmann die Arbeit. Es gibt noch viel zu tun – das zeigt der übervolle Terminkalender an der Wand. 

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