Kleine Bahnhöfe unter der Lupe

<fettakgl>Der Bahnhof in</fettakgl> Bad Wilsnack steht nicht unter besonderer Beobachtung. Er wird stark genutzt. Hinzu kommt hier das Engagement der Kommune, die in den vergangenen Jahren sehr viel ins Bahnhofsumfeld investierte. Ein ähnlich positives Beispiel ist Pritzwalk. Anderswo fristen Bahnhöfe jedoch oft ein Mauerblümchendasein.<foto>Archiv</foto>
Der Bahnhof in Bad Wilsnack steht nicht unter besonderer Beobachtung. Er wird stark genutzt. Hinzu kommt hier das Engagement der Kommune, die in den vergangenen Jahren sehr viel ins Bahnhofsumfeld investierte. Ein ähnlich positives Beispiel ist Pritzwalk. Anderswo fristen Bahnhöfe jedoch oft ein Mauerblümchendasein.Archiv

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30. Juli 2012, 05:37 Uhr

Prignitz | Bahnhöfe mit vergleichsweise wenigen Ein- und Aussteigern - konkret weniger als 50 im Tagesschnitt - werden in Brandenburg unter die Lupe genommen. Nach Informationen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) betrifft das im Landkreis Prignitz konkret die Stationen Bölzke, Brügge, Falkenhagen, Sarnow, Weisen und Wutike. Das bestätigte auf "Prignitzer"-Nachfrage VBB-Sprecherin Elke Krokowski. Zugleich betont sie: "Es geht ausdrücklich nicht um Schließungen von Bahnstationen, sondern vielmehr um eine generelle Überprüfung. Können Potenziale gestärkt werden, befinden sich die Bahnhöfe an den richtigen Stellen? Das sind Fragen, mit denen wir uns unter anderem beschäftigen."

Von einem "ergebnisoffenen Meinungsaustausch und einer momentanen Problemanalyse" spricht das Potsdamer Infrastrukturministerium in diesem Zusammenhang. In Abstimmung mit den Landkreisen wolle man an der künftigen Gestaltung des Schienenpersonennahverkehrs in Brandenburg arbeiten. Alle Landräte seien mit einem entsprechenden Schreiben informiert worden, die Gespräche sollen im Herbst dieses Jahres abgeschlossen sein.

"Wir sind, wenn es um dieses Thema geht, äußerst misstrauisch geworden", kommentiert Edelgard Schimko, zuständige Geschäftsbereichsleiterin in der Kreisverwaltung, die aktuellen Vorgänge, auch vor dem Hintergrund der angekündigten weiteren Ausdünnung des Streckennetzes in der Region. Bezüglich des Personennahverkehrs bewege sich die Zusammenarbeit mit dem Land auf sehr dünnem Eis. Zumeist würden fertige Konzepte präsentiert, seien die Dinge vorher schon intern beschlossen. "Unter Einbeziehung verstehen wir eigentlich etwas anderes, und es war in der Vergangenheit auch schon anders", kritisiert Edelgard Schimko. Der VBB habe lediglich eine Einladung versandt, von einer detaillierten Vorab-Information könne keine Rede sein.

Im Kern geht es bei der Beobachtung der kleinen Bahnhöfe um das Stationsentgelt, das an die Deutsche Bahn Station und Vertrieb AG pro Bahnhalt zu entrichten ist. "Das sind keine riesigen Beträge, wenn man sie isoliert betrachtet, aber sie summieren sich natürlich", erläutert Elke Krokowski. Die DB Station und Vertrieb AG hat die Preisliste für die mehr als 5000 aktiven Bahnhöfe in Deutschland auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Demzufolge sind z. B. in Weisen 3,91 Euro für jeden Zughalt zu entrichten - egal, wie viele Passagiere zu- oder aussteigen. Bei der derzeitigen Gestaltung der Stationspreise würden kleine Bahnhöfe häufig benachteiligt, stellt Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbandes pro Bahn e. V., klar. Das sei allerdings eine politische Frage, die Bund und Länder klären müssten. Grundsätzlich gebe es derzeit ein gutes öffentliches Angebot vernünftiger Zugangsstellen, das man aufrecht erhalten sollte, umschreibt er die Bahnhofssituation in Deutschland. "Allerdings werden 2014 die Regionalisierungsmittel neu verteilt. Speziell in den neuen Bundesländern mit dünner Besiedlung hat man Angst vor drastischen Mindereinnahmen", so Naumann. Anstatt Druck auf den Bund zu machen, suchten nun die Länder - speziell Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern - in vorauseilendem Gehorsam nach Einsparmöglichkeiten im öffentlichen Personennahverkehr. "Und da spielen auch die Stationsentgelte eine Rolle."

Sowohl er als auch Edelgard Schimko sehen, was die langfristige Erhaltung von Bahnhöfen angeht, die Kommunen in der Pflicht. "Das geht damit los, ob überhaupt und wie gut ein Bahnhof im Ort ausgeschildert ist, wie das Umfeld aussieht, ob er im Internetauftritt der Stadt oder Gemeinde auftaucht und so weiter", so Karl-Peter Naumann. Für die Ausschilderung gebe es nur Empfehlungen, keine verbindlichen Vorschriften, ergänzt Schimko mit Blick auf Beispiele in der Region: Einheimische werden den Bahnhof in Weisen finden. Hinweisschilder für Ortsunkundige gibt es indes nicht.

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