Klein Leppin: Operndorf der Prignitz

<strong>Gretchen  verlangt von</strong> ihrem Verlobten, dem  Schulmeister,  dass er für das Festbüfett ein Reh des Grafen schießt.
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Gretchen verlangt von ihrem Verlobten, dem Schulmeister, dass er für das Festbüfett ein Reh des Grafen schießt.

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25. Juni 2012, 10:43 Uhr

Klein Leppin | Sollte die Nachtigall an diesem Samstagabend in Klein Leppin ihren schluchzenden Gesang anstimmen, erschallt er ungehört. Auf der Opernbühne vor dem Schweinestall haben soeben Mitglieder des Rundfunk-Sinfonieorchesters die ersten Takte für den "Wildschütz" von Albert Lortzing intoniert. Die komische Oper in drei Akten nimmt ihren Lauf.

Der Nachtigallgesang zu abendlicher Stunde und die Schafe sind für die Künstler, die hier zwei Wochen lang für das Opernereignis in Klein Leppin geprobt haben, der Inbegriff der Idylle. "Es ist für uns wie eine Landpartie, wunderbares Arbeiten in einer ungewöhnlichen Kulisse", sagt Ezra Jung. Der junge Mann beendete sein Studium in Berlin und Leipzig, hat ein Engagement als Chorsolist an der Komischen Oper Berlin in der Tasche. Auf der Bühne in Klein Leppin verkörpert er den Schulmeister Baculus, der - getrieben von seiner Verlobten Gretchen (Katharina Schrade) - ein Reh des Grafen schießt und deshalb aus dem Schuldienst entlassen wird. Gretchen soll nun beim Grafen um Verzeihung bitten, später ein Student, der in Wirklichkeit aber eine verkleidete Baronin ist.

So wie die Solisten aus der Hauptstadt das Besondere dieser Open-Air-Aufführung in dem kleinen Prignitzer Dorf genießen, genießen die vielen Gäste - auch zahlreiche Hauptstädter sind unter ihnen - Oper auf dem Dorf, gemeinsam in Szene gesetzt von einem Dorf mit Profis aus der Hauptstadt.

Die Fäden hält Christina Tast als Vorsitzende des in Klein Leppin beheimateten Festland-Vereins in den Händen. An die 100 Mitwirkende hat der Verein für die beiden Aufführungen am Wochenende auf die Bühne gebracht, an die 50 Händepaare sorgen hinter den Kulissen dafür, dass das komische Verwirrspiel zu einer viel beklatschen und begeistert gelobten Aufführung gelingt. "Wir arbeiten nicht nur das gesamte Jahr auf unsere Aufführungen hin, sondern freuen uns auch das ganze Jahr darauf", sagt Christina Tast. Einmal in jedem Jahr wird Klein Leppin für ein Wochenende zur Opernhauptstadt der Prignitz. In jedem Jahr ist die Aufführung besonders. In diesem Jahr sind die Künstler mit ihrer Inszenierung wieder vor das Haus, einen ehemaligen Schweinestall, gezogen. Eine Entscheidung, die neben künstlerischen Aspekten auch den Vorteil hat, dass es mehr Plätze als im Innern des Gebäudes gibt. Denn so ein Opernwochenende muss bei aller Liebe zur Kunst auch wirtschaftlich zu händeln sein.


Das Opern-Ensemble: Solisten

Unter der musikalischen Leitung von Steffen Tast und in der Regie von Mira Ebert singen und spielen als Solisten Michael Rapke (Graf von Eberbach), Adele Litz (Gräfin), Rui dos Santos (Baron Kronthal) Jardena Flückiger (Baronin Freimann), Ezra Jung (Baculus), Katharina Schrade (Gretchen), Carolin Löffler (Nanette) und Rowan Blockey (Pancratius).

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