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Kurioses aus der Kirche : Klangvolles Tauschgeschäft

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wie die Rosenhagener Orgel nach Spiegelhagen kam, man dort eine für Rosenhagen kaufte und indische Christen davon profitierten

von
erstellt am 31.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Die Rosenhagener Kirche ist ein schlichter Feldsteinsaalbau aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Auch dieses Gotteshaus stand vor dem Verfall. Der Turmaufsatz musste wegen Baufälligkeit in den 1970er Jahren abgerissen werden. Die Kirchendecke und die Empore, die bis in die 80er Jahre die Kirche zierte, waren vom Zahn der Zeit, vom Schwamm und von Würmern dermaßen gezeichnet, dass die einzige Alternative die Entkernung war. „Auf der Empore stand unsere Orgel“, erinnert sich Detlef Franke, einer der Kirchenältesten. Die wurde gesichert und man ließ sie von einem Orgelbauer sanieren. Irgendwann war die Orgel fertig, die Kirche aber noch nicht.

Derweil hatten die Spiegelhagener die Gunst und Möglichkeiten der Wendejahre genutzt, um ihr Gotteshaus in Ordnung zu bringen. „Holz, das zu noch DDR-Zeiten in Rosenhagen für unsere Kirche geschlagen, aber eben nicht verbaut wurde, ebenso schon zurecht gesägte Balken – all das diente dazu, die Spiegelhagener Kirche zu sanieren“, erzählt der Kirchenälteste. Als diese dann fertig war „wir aber nicht wussten, wohin mit unserer restaurierten Orgel, da entschlossen wir uns, sie als Leihgabe nach Spiegelhagen zu geben“. An die fünf Jahre zogen mindestens ins Land, dann hatte auch das Rosenhagener Gotteshaus endlich wieder ein neues Dach. „Bereits zu DDR-Zeiten wurde dieses schon mal repariert, aber mit dem, was da war. Statt Biberschwänzen waren es eben Doppelrömer.“ Mit dem komplett neuen Dach nach der Wende erhielt die Rosenhagener Kirche auch wieder eine Zwischendecke und konnte somit wieder genutzt werden. Die Orgel hatte sich derweilen aber im Nachbarort fest etabliert, hatte auf der dortigen Empore ihren Platz gefunden.

Doch ganz auf den Orgelklang verzichten, das wollte die Rosenhagener nicht. Das Schicksal wollte es, dass Pfarrer Matthias Frenzel eine Orgelausbildung an der Rheinsberger Musikakademie absolvierte. Sein Dozent war Kantor im Ehrenamt Hartmut Grosch, „ein richtiger Orgelbaufreak“, fügt Pfarrer Frenzel schmunzelnd an. Jener hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Christen in Indien mit Orgeln auszustatten und sie das Spiel auf dem Instrument zu lehren, „ehrenamtlich“, betont Pfarrer Frenzel. Die Forderungen des Zolls in Kiel überstiegen bei einer Orgel jedoch seine finanziellen Möglichkeiten, so dass er nach einer Lösung suchte. Da kam eine alte Orgel ins Spiel, die er dem Prignitzer Pfarrer anbot. Und der fand sogleich, dass jene in die Rosenhagener Kirche passen würde. „Sie stammt übrigens aus einer katholischen Kirche und ist somit nicht wurmanfällig, denn Holzwürmer mögen keinen Weihrauch, wird erzählt.“ Dabei schmunzelt Detlef Franke, denn ob das stimmt, wisse er nicht.

Kurze Rede, die indische Gemeinde bekam so ihre Orgel, die per Schiff auf den Weg gehen konnte. Die Spiegelhagener kauften besagte alte Orgel, die dann in der Rosenhagener Kirche ihren Platz erhielt. Allerdings musste sie erst noch saniert und vor allem gestimmt werden, bevor die Königin der Musikinstrumente das erste Mal den Gottesdienst begleiteten.

So kam Spiegelhagen zu seiner klangvollen Dauerleihgabe und Rosenhagen zu einer Orgel, die Spiegelhagen gehört. „Das ist auch vertraglich verankert, mit Protokoll und Unterschrift“, betont der Kirchenälteste. Auch, dass für die Unterhaltung der Orgel die Gemeinde zuständig ist, in der sie steht. 

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