Klage gegen A 14-Bau überrascht kaum

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Teilnehmer des symbolischen ersten Spatenstichs zum Bau der Nordverlängerung der A 14 in Colbitz (Landkreis Börde) am 30. November 2011.dpa

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11. Juni 2012, 07:10 Uhr

Prignitz | Dass die Nachricht in der Prignitz wie eine Bombe einschlug, kann man nicht sagen: Am vergangenen Freitag teilte der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) mit, dass er am 7. Juni beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss für den Bau der A 14 im Abschnitt Karstädt-Groß Warnow eingelegt hat. Wilfried Treutler, Vorsitzender des BUND-Kreisverbandes Prignitz, erläutert den Hintergrund: "Durch den geplanten Autobahnneubau zerschneidet man das Vogelschutzgebiet Agrarlandschaft Prignitz-Stepenitz auf einer Länge von neun Kilometern. Dadurch wird beispielsweise der Lebensraum des Ortolans erheblich beeinträchtigt." Der Ortolan (auch: Gartenammer) gilt als gefährdete Vogelart und steht auf der Roten Liste der Brutvögel in Deutschland.

"Wir haben damit gerechnet, dass der BUND Klage erhebt. Wir sehen dem Urteil des Verwaltungsgerichts allerdings optimistisch entgegen, hoffen, dass die Klage abgewiesen wird", machte Udo Staeck, Bürgermeister der Gemeinde Karstädt, gestern in einem Gespräch mit unserer Redaktion deutlich. Staeck kontert auch das Argument des BUND zur rückläufigen Einwohnerzahl in der Prignitz. "Was die Arbeitsmöglichkeiten angeht, müssen wir uns einfach in Richtung der Metropolen orientieren. Um junge Familien zum Wohnen dennoch hier zu halten, ist eine gute Verkehrsanbindung unabdinglich." Parallel dazu arbeite die Gemeinde an der Erweiterung des Karstädter Gewerbegebietes. "Wir haben alle Genehmigungen dafür zusammen", informiert Staeck. Eine gute Anbindung, so der Bürgermeister, schaffe stets neue Arbeitsplätze. "Das war schon immer so", ist er überzeugt.

Wenig überrascht war auch Edelgard Schimko, Geschäftsbereichsleiterin beim Landkreis Prignitz: Der BUND lehne die A 14 grundsätzlich ab, suche nach Gründen, die man stichhaltig für eine Klage anführen könne. In der EU-Rechtssprechung werde dem Artenschutz derzeit ein besonders hoher Stellenwert eingeräumt, die Argumentation komme also nicht von ungefähr. "Wir sind froh, dass die Auslegung der Planfeststellungsunterlagen durch ist. Es bleibt zu hoffen, dass sie Rechtskraft erlangen." Nicht nachvollziehbar ist für Edelgard Schimko die Argumentation des BUND, dass man mit dem Abschnitt Karstädt-Groß Warnow einen funktionslosen"Stummel" ohne Anschlussstellen planfeststellt. "Kein Mensch plant einen Stummel - es wird an allen Bauabschnitten gearbeitet."

Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) äußerte gestern in einer ersten Reaktion: "Der Weiterbau der A 14 ist derzeit eines unserer wichtigsten Infrastrukturprojekte. Die gesamte Region steht dahinter. Gemeinsam mit vielen Menschen in der Prignitz erwarte ich im Umfeld der neuen Autobahn wirtschaftliche Effekte, insbesondere für strukturschwache Regionen im Nordwesten Brandenburgs, aber auch für unser Land insgesamt."

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