Soziales Engagement in Wittenberge : Klärgarten: „Es gibt da ein Problem“

Der Klärgarten nahe der Elbe muss stets gepflegt werden.
Der Klärgarten nahe der Elbe muss stets gepflegt werden.

Soziales Aktionsbündnis beklagt fehlende Kontinuität bei Fördermaßnahme / Jobcenter verspricht Abhilfe

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18. Juni 2016, 12:00 Uhr

Zu viel Arbeit für zu wenige Mitarbeiter, so sieht kurz und knapp gesagt die derzeitige Situation im Schaugarten „Alte Kläranlage“ aus. „Wir sind darüber alles andere als glücklich“, sagt Marlies Müller als Vorsitzende des Sozialen Aktionsbündnisses Prignitz (SAB). Aber eine Lösung zeichnet sich ab, seit sich die Vereinschefin mit ihrem Problem über den „Prignitzer“ an die Öffentlichkeit gewandt hat.

Der Verein, der in der Prignitz die Tafeln unterhält, bewirtschaftet das vierte Jahr in Folge das Gartengelände, das auf dem Areal der ehemaligen Wittenberger Kläranlage entstand. Es handelt sich um gut drei Hektar, die gestaltet, bepflanzt und gepflegt werden müssen.

Das Soziale Aktionsbündnis bekam, seit es den Garten von der Stadt in Trägerschaft übernahm, in jedem Jahr geförderte Arbeitsmaßnahmen bewilligt. „Die Mitarbeiter hatten gut zu tun, aber es war zu schaffen“, schätzt Müller die Situation ein. In diesem Jahr ist es aber anders. „Wir kommen einfach nicht ’rum“, sagen auch Peter Kirmis, Nica Ranspach und Sabine Krüger. Sie sind engagierte 1-Euro-Mitarbeiter.

Was ist anders?

Das Job-Center hat in diesem Jahr die Beschäftigtenstellen mit vier hiesigen Mitarbeitern und drei erkannten Flüchtlingen besetzt. Bevor Gedanken womöglich in eine falsche Richtung gehen, beeilt sich Müller mit der Feststellung, „das war so mit uns abgesprochen und von uns auch so gewollt“. Bis auf einen Fremden, der augenscheinlich mit dem neuen Leben hier und allem, was dazu gehört, absolut nicht zurecht kam (der „Prignitzer“ berichtete), „sind wir wirklich zufrieden“.


Jobcenter bewilligt zusätzliche Maßnahme


Das Problem ist nach den Worten der Vereinschefin wirklich nicht die Beschäftigung von Flüchtlingen. „Das Problem ist fehlende Kontinuität.“ Kaum waren die ersten zwei Wittenberger Neu-Bürger eingearbeitet, mussten sie wieder aufhören, weil ihr Deutschkurs begann. „Wir haben dann mit vier Mann weitergemacht.“ Seit dieser Woche verstärkt eine junge Flüchtlingsfrau das Team. Sie spreche kaum Deutsch. „Wir rechnen damit, dass auch sie bei uns quasi nur in Warteposition ist“, so Marlies Müller.

Der Geschäftsführer des Jobcenters Prignitz, Gordon Werber, widerspricht nicht grundsätzlich. Ja, nach Möglichkeit würden jene Menschen, die auf einen Platz im Deutschkurs warten, in der Zwischenzeit in geförderte Maßnahmen vermittelt. „Die Philosophie dahinter: Die Flüchtlinge arbeiten mit Deutschen zusammen, würden mit dem hiesigen Wertesystem und der Mentalität besser vertraut.“ Das helfe beim Einleben.

Er könne aber auch verstehen, dass es durch das Ausscheiden und die nicht sofort mögliche Neubesetzung von Maßnahmen zu Problemen kommt, weil das Arbeitsvolumen nicht zu bewältigen sei. Und der Geschäftsführer sagt schnelle Abhilfe zu, hat gestern bereits mit der Vereinsvorsitzenden beraten. Das Jobcenter wird für den Klärgarten eine zusätzliche Stelle bewilligen.  

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