Kirche Rosenhagen : Kirchturm die Krone aufgesetzt

Dachdecker Steffen Lampe verschließt die Kartusche.  Fotos: Doris Ritzka
Dachdecker Steffen Lampe verschließt die Kartusche. Fotos: Doris Ritzka

Rosenhagener Gotteshaus hat wieder einen Turm. Gestern erhielt dieser als krönenden Abschluss seine Spitze mit Kugel

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16. Februar 2018, 12:00 Uhr

„Unsere Kirche hat wieder einen Turm“, frohlockten die Rosenhagener und machten sich damit wohl das schönste Weihnachtsgeschenk 2017. Gestern erhielt der Turm nun seine Krönung. Doch bevor der Kugelkopf seinen Platz in luftiger Höhe einnahm, wurde es richtig feierlich. Standesgemäß wurde eine Kartusche von der Gemeinde gefüllt. Darin für die Nachwelt enthalten: Derzeit gültige Münzen, ein Bild von der Rosenhagener Jahrfeier und Wissenswertes aus der Gemeinde aus dem Jahr 2018. Die Thüringer Dachdecker der Firma Bennert schlossen die Kartusche und versenkten sie in der Kugel, der Krönung, wie es fachmännisch heißt. In rund fünf Wochen haben die Mannen um Vorarbeiter Marco Heißner die Spitzwinkeldeckung aus Schiefer auf den Turm gebracht. Ihre Arbeit ist vorläufig getan, „doch wir kommen wieder“, ergänzt Steffen Lampe, denn auch die kleinen Seitendächer müssen noch gedeckt werden. Dafür muss die hölzerne Fassade dann komplett fertig sein.

Der Turm steht, jetzt kann es an den Innenausbau gehen. Kurzum, es gibt noch eine Menge Arbeit. Und dennoch war der gestrige Tag für die Rosenhagener ein ganz besonderer. „Ich war ein Stift, als der Turm damals abgerissen wurde“, berichtet Dietmar Zauft. So recht habe niemand mehr gelaubt, dass er jemals wieder aufgebaut wird, erzählen Ursula Hacker (79), Waltraut Schröder (81) und Helga Franke (83). In all den Jahren gab es viele Ideen, doch letztlich wurde nie etwas daraus. Ohne Anne Petrick, eine der Kirchenältesten, hätte das sicher auch nicht geklappt, sind sich die Frauen einig. Beharrlich war sie auf der Suche nach Fördermöglichkeiten und hat nicht aufgegeben, als es erst mal wieder eine Ablehnung gab. Im zweiten Anlauf bestätigte dann die Lokale Arbeitsgruppe (LAG) Storchenland die Förderfähigkeit des Kirchturmprojektes. Rund 300 000 Euro sind für die Maßnahme veranschlagt, 200 000 Euro kommen aus EU-Mitteln, den Rest teilen sich der Kirchenkreis Prignitz und die Kirchengemeinde Rosenhagen.

Doch bevor die Glocken, die bereits ihren angestammten Platz im Turm haben, der Kirche wieder eine Stimme geben, bedarf es noch eines Glockenstuhls. „Dafür reicht das Geld jetzt nicht“, gesteht Anne Petrick und verbindet damit zugleich die Hoffnung, „dass sich Menschen finden, die ein großes Herz für unsere Kirche haben“.

Für Klaus Brosig, inzwischen Pfarrer im Ruhestand, war es gestern das „Wiedersehen mit einer alten Liebe“, wie er sagt und deutet auf die Kirche. Rosenhagen war 1970 seine erste Pfarrstelle und er musste letztlich auch 1975 den Abriss des Turmes, der einzustürzen drohte, beantragen. „Eine Last, die all die Jahre schwer wog.“ Zwei historische Nägel aus dem alten Turm hatte er damals gerettet und die übergab er nun für die kleine Ausstellung, die demnächst im Turm dessen Geschichte erzählen soll. Und die begann im Jahre 1560, wie die dendrologische Untersuchung eines Balken, der noch erhalten ist und seinen Platz im wiederaufgebauten Turm erhält, beweisen, berichtet Gordon Thalmann von der unteren Denkmalbehörde. Mit dem Turm sei die Kirche wieder komplett, eine Wunde geschlossen.

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