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Perleberger Fachwerkhaus ausgezeichnet : Kirchplatz 9 – Denkmal des Monats

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Architektonisches Kleinod von urbaner Stadtqualität durch die AG Städte mit historischen Stadtkernen geehrt. Modernes Wohnen in alten Gemäuern.

Um 1605 errichtet, gehört der Kirchplatz 9 zu den ältesten Wohn- und Geschäftshäuser in Fachwerkbauweise in Brandenburg und ist als Einzeldenkmal durchaus hochkarätig eingestuft. Mit dem 1. Platz im Wettbewerb 2010 „Beispielhaft saniert“ würdigte die Jury damals die mit viel Liebe zum Detail erfolgte qualitätsvolle, baufachliche und denkmalpflegerische Umsetzung der Fassadengestaltung. Am Dienstag ehrte die AG Städte mit historischen Stadtkernen das wieder entstandene architektonische Kleinod, „das den Eindruck urbaner Stadtqualität mit vermittelt und bestärkt“, wie Arne Krohn, Regionalgruppenvorsitzender der AG Nordwest, betonte. Den privaten Bauherren zollte er zugleich Respekt. „Da geht einem das Herz auf.“


Spagat zwischen Ästhetik und Wirtschaftlichkeit


Modernes, zeitgemäßes Wohnen in alten Gemäuern, diesen Spagat wagte die GbR Frank Rüdiger-Gottschalk und Uwe Kirbach, als sie vor sieben Jahren das Anwesen übernahm. Es sollte ein Kraftakt werden. Während man längst mit der unteren Denkmalbehörde Konsens erzielt hatte und auf deren Unterstützung bauen konnte, stellte sich die Landesbehörde quer. „Wir waren zeitweise drauf und dran, das Projekt sterben zu lassen“, erinnert sich Frank Rüdiger-Gottschalk an den Kampf gegen die Mühlen der Bürokratie. Stadt, BIG-Städtebau, untere Denkmalbehörde – „es waren viele, die letztlich Anteil dran haben“, so Rüdiger-Gottschalk, dass eine politische Entscheidung letztlich den Weg frei machte und Perleberg so um eine Perle reicher wurde. Die Planung und bauliche Umsetzung lag dann in den Händen von Architekt Klaus Röpke: „Es war eine Herausforderung, verständlich, dass man da stolz ist, im Wettbewerb ,Beispielhaft saniert‘ einen ersten Platz belegt zu haben. Denn es gab einige Objekte, die sich darum bewarben. Die Ehrung heute belegt einmal mehr, wir haben es gut gemacht.“

Doch nicht nur die jüngste Geschichte des Hauses liest sich spannend. Vor 410 Jahren errichtet, damals reetgedeckt, später mehrmals umgebaut, so 1875 vom Perleberger Maurermeister Karl Achtel, erwarb um 1900 Dr. Otto Müller, ein Großonkel von Georg Emmermann, das Kaufmanns- und Handelshaus. „Die heutige Haustür war damals eine Einfahrt, durch die Pferd und Wagen passten“, berichtet der ehemalige Perleberger, der heute in Wittenberge wohnt. Das Haus selbst sei 1906 faktisch ein zweites Mal geboren. „Der Kirchturm stand in Flammen und drohte auf das Haus zu stürzen. Zwei Tage haben sie gebangt, erzählte mir mein Vater, der hier oft seine Ferien verbrachte“, so Emmermann. Übrigens, Otto Müller und sein Bruder, sprich der Opa von Georg Emmermann, heirateten je eine Tochter des Besitzers von Hoffmanns Hotel. Dr. Otto Müller gehörte auch das Parkschlösschen, „das war wohl seine Sommerresidenz“, ergänzt Georg Emmermann mit einem Schmunzeln. Hier soll er eine Seidenraupenzucht gehabt haben.

Emmermanns Tante überschrieb die Immobilie nach dem zweiten Weltkrieg an dessen Vater. „Bis 1977 gehörte das Haus uns, dann hat man uns auf ,kaltem Wege’ enteignet, die Immobilie wurde Volkseigentum“, erzählt Georg Emmermann. Ganze sieben Jahre kämpfte die Familie nach der Wende beim Amt für offene Vermögensfragen um die Rückübertragung. „Im einstigen Wartezimmer hing ein Aktbild. Als wie heirateten, schenkten Schwiegereltern es uns. Dieses Bild sollte wieder an den Kirchplatz zurückkehren.“ Emmermanns Tochter Bianca malte zudem das Haus, schenkte das Bild ihren Eltern als Ansporn, nie im Kampf um die Rückübertragung aufzugeben. Es klappte, das Unterfangen war von Erfolg gekrönt, die neue Eigentümerin hieß dann Bianca Emmermann.

Aber: „Das Haus und das, was hier alles zu machen war, ging über unsere Kräfte“, resümierte Familie Emmermann und war froh, dass sich mit Uwe Kirbach und Frank Rüdiger-Gottschalk Bauherren fanden, die dem denkmalgeschützten Objekt zu neuem Glanz verhalfen.

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erstellt am 29.Jan.2014 | 22:00 Uhr

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