Kirche Kietz: Das Bauen hat ein Ende

Karola Weber, Sigrid Tietz und Angela Höger (v. l.) dekorieren die Aufführungsstätte herbstlich.
1 von 2
Karola Weber, Sigrid Tietz und Angela Höger (v. l.) dekorieren die Aufführungsstätte herbstlich.

von
30. September 2012, 05:54 Uhr

Kietz | Brillanter musikalischer Kunstgenuss gestern Nachmittag in der St. Johannis Kirche Kietz. Das Potsdamer Ensemble I Confidenti gastierte mit seiner Inszenierung "Oh meine Phantasie ist heftig" und bot damit die erste kulturelle Veranstaltung nach dem Innenausmalen der Kirche.

Vor 13 Jahren begann das Bauen an St. Johannis. "Jetzt sind wir fertig und sehr glücklich", sagt Sigrid Tietz. Sie ist Vorsitzende des Fördervereins. Dieser Verein hat sich über all die Jahre dafür stark gemacht, dass das Gotteshaus, das weithin sichtbar auf einer kleinen Erhebung, umgeben vom Friedhof in den Wiesen thront, vor dem Niedergang gerettet werden konnte. Die Innenausgestaltung der Kirche mit den historischen Malereien bildete jetzt den Abschluss in der langen Reihe der Bauarbeiten.

Die 1894 errichtete und unter Denkmalschutz stehende Kirche war Anfang der 90er Jahre so baufällig, dass sie 1993 gesperrt werden musste. "Die Eckpunkte, auf denen die Balken auflagen, trugen nicht mehr. Wir befürchteten, das Dach stürzt ein", erinnert sich die Vereinsvorsitzende. Sie, ihre Stellvertreterin Karola Weber und Vereinsmitglied Angela Höger stehen bei diesen Worten in der Kirche. Blicke schweifen von den Emporen zu den erneuerten Bleiglasfenstern, hin zum restaurierten Epitaph und zu den Wandmalereien. "Man kann es eigentlich kaum fassen, dass jetzt alles geschafft ist", sagt Sigrid Tietz, um dann lächelnd anzufügen, "dass wir natürlich noch Wünsche und Pläne haben" und meint Altar, Kanzel, Patronatsgestühl. Diese bedürfen noch einer restaurierenden Hand. "Vielleicht können wir ja eines Tages sogar noch unsere Orgel von Fachleuten durchsehen lassen", hatte zuvor schon Angela Höger angemerkt.

Dass der Förderverein, der sich übrigens extra zum Zwecke der baulichen Instandsetzung 1999 gründete, gemeinsam mit der Kirchengemeinde die Sanierung stemmte, "haben wir starken Partnern an unserer Seite und sehr vielen Helfern zu verdanken", sagt Sigrid Tietz. Voller Anerkennung spricht der Verein von Dr. An dreas Draeger. Als Vorsitzender der Baukommission im Kirchenkreis habe er sich in unglaublichem Maße engagiert. Die Vereinsvorsitzende erzählt aber auch von zahlreichen Spendern, darunter einer, der namentlich ungenannt bleiben möchte. Mehrere tausend Mark bzw. Euro stiftete er. Der neue Aufsatz auf der Turmspitze konnte mit Blattgold belegt werden. Die drei bleigefassten Fenster in der Apsis ließ der Verein mit seinem Geld aufarbeiten. Andere Fenster wurden ebenfalls aus Zuwendungen bezahlt.

Die Voraussetzung für alles Tun war selbstverständlich, an das Geld für die umfangreichen Maßnahmen zu gelangen. "Wir haben zahlreiche Fördertöpfe anzapfen können", sagen die Frauen.

Kaum war der Verein gegründet, begann noch 1999 die Erneuerung der Eckauflagen, das Dach wurde gesichert, die innere Holzdecke erneuert, Schwamm bekämpft und die Außenfassade neu verfugt, der Turm instandgesetzt.

Bei allem Engagement, das das Bauen dem Verein abforderte, blieb und bleibt auch noch Zeit für die "Himmlischen Laienspieler". Sigrid Tietz erzählt von der munteren Truppe, die alljährlich das Krippenspiel zu Weihnachten einstudiert, aber auch schon mit dem "Zerbrochenen Krug" und dem komischen Stück "Die Pferdekur" auf der Bühne stand.

Gestern aber war für die "Himmlischen Laienspieler" ein besonderer Tag. Bevor in der Kirche die Potsdamer Künstler ihren Auftritt hatten, traten die Darsteller aus der Wische mit Theaterszenen quasi mitten auf der grünen Wiese in Aktion, überraschten das Publikum beim Kaffeetrinken. Als Förderprojekt haben die Akteure das Stück "Anna Blume" nach Kurt Schwitters in der letzten Woche Abend für Abend mit einer Regisseurin aus Potsdam geprobt. "Es war anstrengend, aber toll", sagt Tietz.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen