Rosenhagen : Kirche hat nun ihren Turm wieder

Der Kirchturm hat längst feste Konturen angenommen.
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Der Kirchturm hat längst feste Konturen angenommen.

Mit Bauprojekt haben sich die Rosenhagener selbst den schönsten Weihnachtswunsch erfüllt. Ihr Traum: Einweihung zum Dorffest

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28. Dezember 2017, 05:00 Uhr

„Unsere Kirche hat wieder einen Turm.“ Und oben, fast in Höhe der Turmspitze, leuchtet ein Weihnachtsstern. Wer ihn dort angebracht hat, niemand weiß es, aber alle freuen sich darüber, berichtet Anne Petrick. Sie ist eine der Kirchenältesten. Denn an einen Weihnachtsstern auf dem Kirchturm kann sich kaum ein Rosenhagener erinnern.

In den 1970er Jahren wurde der Turmaufsatz wegen Baufälligkeit entfernt. Was blieb, war der aus Feldsteinen gemauerte Stumpf. Jetzt hat der Turm längst feste Konturen angenommen, die statische Rohbauabnahme ist bereits erfolgt. Ziel ist es, so schnell wie möglich die Fassade aus Lärchenholz fertig zu bekommen und das Dach komplett mit Schiefer einzudecken. „Dann ist alles wirklich winterfest und es kann mit dem Innenausbau weitergehen“, umreißt Anne Petrick in groben Zügen den weiteren Ablauf. Die Maurer haben noch am Fußboden zu tun, der Tischler sorgt für Fenster, Türen und die Treppe. Klingt alles schier wie ein Kinderspiel, „doch vor Überraschungen ist man nie sicher“, so die engagierte Rosenhagenerin. „Wir haben es hier mit einem extrem Feldsteinfundament zu tun. Da eine Abwasserleitung zu verlegen, ist schon eine schweißtreibende Angelegenheit.“ Doch nichts ist unlösbar für die Rosenhagener. Wenn Hilfe gebraucht wird, dann fährt ein Traktor vor und auch der Nachbar kommt vorbei. „Alles läuft“, freut sich Anne Petrick und gesteht, dass ihr dennoch ein wenig schwindlig wird bei all dem, was noch zu bewerkstelligen ist.

Wenn der Turm eingedeckt ist, bekommt er noch seine Spitze. Traditionell soll eine Kartusche, gefüllt von der Gemeinde mit Zeitdokumenten, in der Kugel versenkt werden. Enthalten darin auch ein uralter Nagel aus der Erbauerzeit der Kirche. Ob die Spitze allerdings noch in diesem Jahr aufgesetzt werden kann, dass stehe noch in den Sternen. Außer Zweifel aber steht, mit dem Turm schon in seiner jetzigen Gestalt hat sich die Kirchgemeinde, hat sich Rosenhagen wohl selbst das schönste Weihnachtsgeschenk bereitet.

Ihren einst angestammten Platz im Turm haben auch schon die Glocken eingenommen. „Das war auch eine Forderung der Denkmalpflege“, erläutert Anne Petrick. Doch bevor die Kirche wieder eine Stimme hat, die Glocken zum Gottesdienst rufen, bedarf es noch eines Glockenstuhls. „Dafür reicht das Geld jetzt nicht“, gesteht sie. Zirka 20 000 Euro wird er kosten. Schon jetzt sei alles auf Kante genäht und durch die Ausschreibung teilweise auch teurer geworden. „Aber vielleicht finden sich Menschen, die ein großes Herz für unsere Kirche haben“, hofft die junge Frau. Und wer sie kennt, der weiß, was sie in die Hand nimmt, bekommt Hand und Fuß.

Über sieben Jahre versuchten die Rosenhagener, einen Gemeinderaum zu bekommen. Wenn sie sich mal treffen wollen, Konzerte oder auch Theaterveranstaltungen stattfinden sollen, dann geht es bisher nur sommers. Denn die kleine Kirche ist nicht beheizbar und verfügt eben auch über keine Toilette. Doch alle Versuche, den Turm denkmalgerecht wieder zu errichten, scheiterten. Immer, wenn ein wenig Hoffnung keimte, türmten sich auch gleich wieder die Probleme. Anne Petrick wollte sich damit nicht abfinden, suchte nach Wegen, Verbündeten und schaffte es letztlich, alle, die zu entscheiden haben, ins Boot zu holen.

Im zweiten Anlauf klappte es dann auch mit der Förderfähigkeit für das Turmprojekt. Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Storchenland Prignitz hat diese im Frühsommer vergangenen Jahres bestätigt. Und mit der Fördermittelzusage des Landesamtes für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung Neuruppin wird nun gebaut.

Am 26. Mai 2018 öffnen Musikschulen wieder Kirchen, erklingt im Rosenhagener Gotteshaus fast schon traditionell ein Konzert. Zugleich feiert man Dorffest. Wunschtraum oder Traumtermin wäre, wenn dann auch der Kirchturm und mit ihm ein knapp 50 Quadratmeter großen Raum, wo dann Veranstaltungen, Ausstellungen und auch die Winterkirche stattfinden sollen, feierlich eingeweiht werden könnten.

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