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Bombensprengung in Breese : Kinder müssen Heim verlassen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Wohnhaus der Lebenshilfe liegt innerhalb der Sperrzone. Während der Sprengung sind die Kinder in Wittenberge.

von
erstellt am 21.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Wenn morgen Früh ab 8 Uhr wegen der Bombensprengung bei Breese der Sperrkreis in Kraft tritt, sind die Kinder aus dem Wohnheim der Lebenshilfe Prignitz schon in Wittenberge untergebracht.

Ihr Zuhause in der Sandstraße befindet sich mitten in der 1000-Meter-Sicherheitszone, die für diesen Tag ausgegeben worden ist. „Wir kommen in der Turnhalle des Therapiehauses der Lebenshilfe im Hirtenweg unter. Unser Team ist bereit. Bis auf die erkrankten Kollegen werden alle an diesem Tag anwesend sein“, blickt die Breeser Einrichtungsleiterin Gisela Schröder voraus. Somit umsorgen sieben Mitarbeiter ihre Schützlinge in dem Ausweichquartier. Um 7.30 Uhr werden die neun jungen Bewohner im Alter zwischen acht Monaten und 18 Jahren morgen abgeholt und nach Wittenberge gebracht. „Wir machen das mit zwei Transportern der Lebenshilfe. Wir sind gut vorbereitet“, so Gisela Schröder. Ein junger Mann, der beatmet werden muss, wird solange im Kreiskrankenhaus in Perleberg betreut. Ab 5.45 Uhr werden die Hilfebedürftigen morgen für die Reise fertig gemacht. Außerdem müssen auch Lagerungsmaterialien für die bettlägerigen, schwerst mehrfach behinderten Kinder und Jugendlichen sowie Nahrungsmittel mitgenommen werden. Alle Kinder werden über Sonden ernährt. Auf Matten zu schlafen, sei für die Bewohner kein Problem, meint Gisela Schröder. Die Mitarbeiter der Wohnstätte werden auch in der Halle übernachten, damit sich ihre Schützlinge so wohl wie möglich fühlen. „Die Kinder sollen spüren, dass wir da sind“, sagt die Heilerziehungspflegerin. Außerdem brauchen sie eine 24-Stunden-Rundumbetreuung. „Wir haben uns darauf eingerichtet, dass wir auch am Freitag noch dort sein könnten. Das wird sich ja erst im Lauf des Donnerstags herausstellen“, so die Einrichtungsleiterin. Denn falls es bei der Bombensprengung zu Verzögerungen kommt, würde das Vorhaben am Freitag fortgesetzt.

Den Kindern und Jugendlichen haben die Betreuer nichts über die Umstände des vorübergehenden Umzugs erklärt. „Das würden sie nicht verstehen“, meint Gisela Schröder mit Blick auf die schweren Beeinträchtigungen der Heimbewohner. Natürlich wurden die Eltern über die Ausnahmesituation informiert. Das Telefon wird in den Hirtenweg umgeleitet, so dass der Kontakt nicht abbricht. Angst vor dem Tag habe sie nicht, sagt Gisela Schröder. „Ich denke, dass so etwas noch mehr zusammenschweißt und wir haben das in Rücksprache mit dem Amt Bad Wilsnack/Weisen und der Lebenshilfe gut organisiert.“ Im vergangenen Jahr war die Wohnstätte nicht vom Sperrkreis betroffen. Von den Sprengungen habe man natürlich etwas mitbekommen. „Der Boden hat vibriert und dann haben wir die Staubwolken gesehen. Die Kinder haben aber nichts gemerkt, sie haben geschlafen“, berichtet Gisela Schröder. Die Wohnstätte der Lebenshilfe gibt es seit 2002 in Breese. Dort werden Kinder bis zu ihrem 18. Lebensjahr umsorgt, deren Eltern mit der Situation überfordert sind. Als junge Erwachsene kommen die Pflegebedürftigen dann in eine für ihre Bedürfnisse geeignete Einrichtung.

 

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