Perleberg : Kiloschwere Ostereier

Kuschelstrauß und echte Eier: Um die bis zu zwei Millimeter starke Schale des Straußeneis zu durchbrechen, braucht ein Küken die Unterstützung seiner Eltern.
Kuschelstrauß und echte Eier: Um die bis zu zwei Millimeter starke Schale des Straußeneis zu durchbrechen, braucht ein Küken die Unterstützung seiner Eltern.

Öffnen mit der Flex, ausblasen mit dem Kompressor: Das Straußenei stellt Mensch und Küken vor ernste Probleme

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04. April 2015, 15:00 Uhr

1,6 Kilogramm bringt das Prachtexemplar von Straußenei auf die Waage. Sein Inhalt reicht in die Pfanne geschlagen und zum Rührei gebrutzelt locker aus, um eine sechsköpfige Familie satt zu machen. Mag man sein Ei lieber gekocht, sollte man bis zu 90 Minuten einplanen. „Zum Öffnen empfiehlt sich eine Flex oder eine Bohrmaschine, aber auch ein Hammer geht, wenn man die Schale nicht aufheben will“, sagt Barbara Selent. Inzwischen im Ruhestand, betreut die ehemalige Mitarbeiterin der Straußenfarm von Dietmar Joesten in Perleberg noch immer ehrenamtlich den Hofladen.

Hammer oder Flex also. Was der Mensch im gut sortierten Hobbykeller findet, hat ein Straußenküken ganz sicher nicht zur Hand, wenn es ihm nach sechs Wochen in seinem Ei zu eng wird. Aber wie schafft es das kleine gefiederte Wesen, sich zu befreien? Natürlich kennt Barbara Selent die Antwort.

„Die Straußeneltern oder der Mensch müssen tatsächlich nachhelfen. Wir haben das bei den Naturbruten auf der Farm beobachtet. Wenn die Eier anfangen sich zu bewegen, dann rollt der Hahn das Ei herum und stößt es gegen Steine. Eine kleine Beschädigung in der Eierschale reicht schon aus, den Rest erledigt das Küken aus eigener Kraft.“ Bei den Eiern im Brutschrank hingegen sei ein kleiner Hammerschlag notwendig, um eine Art Sollbruchstelle zu erzeugen.

Inzwischen setzt die Farm vorwiegend auf den natürlichen Lauf der Dinge. „Es hat sich gezeigt, dass die natürlich ausgebrüteten Küken widerstandsfähiger und gesünder sind als die im Brutschrank geschlüpften“, sagt Selent, die ihre Zuneigung zu den großen Vögeln kaum verbergen kann. „Das Balzritual unserer Zuchttiere, das durch den Kurzen Winter in diesem Jahr relativ zeitig vonstatten ging, ist wirklich eine Augenweide. Der Hahn umtanzt die Henne mehrere Minuten lang, schlägt mit den Flügeln. Er gibt sich richtig Mühe“, sagt sie lachend.

Nach der Paarung legt die Haupthenne des Straußenhahns 14 bis 16 Eier in eine Erdmulde, die das Männchen angelegt hat, erklärt Barbara Selent. Von seinen Nebenhennen – von denen sich ein Straußenemännchen ein bis zwei gönnt – kommen noch einmal fünf bis acht Eier dazu. Dann beginnt die rund sechs Wochen andauernde Brutzeit. „Dabei haben die Eier der Haupthenne natürlich Priorität und genießen besonders gute Behandlung, liegen beispielsweise in der Mitte des Geleges, wo es am wärmsten und sichersten ist“, erklärt die Straußenexpertin.

Mittels Durchleuchtung könne problemlos geprüft werden, ob ein Straußenei befruchtet ist oder nicht. Während die Eierschale beim Schlüpfen eines Kükens fast immer kaputt geht, bieten die Schalen unbefruchteter Eier allerlei Möglichkeiten zur kunsthandwerklichen Entfaltung. „Ausblasen mit dem Mund schafft man ganz sicher nicht, mit einem Kompressor geht’s aber bestimmt“, sagt Barbara Selent und verweist darauf, dass man meist auf einer Seite ein etwas größeres Loch bohrt und so den Inhalt herausholen kann, ohne großen Schaden an der Schale zu verursachen.

Dann sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Ob als bemaltes Osterei, dekorative Lampe oder Kerzenhalter – das Straußenei findet immer mehr Liebhaber. Lediglich dem Strauß selbst scheint völlig egal zu sein, was der Mensch mit seinem Ei macht.

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