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Der Prignitzer

18. November 2017 | 04:07 Uhr

Signal auf Rot : Keine Züge nach Putlitz

vom

Ab Dezember wird es für Putlitz keine Bahnverbindung mehr nach Pritzwalk geben. Das Land zahlt keine Ausgleichsgelder mehr für die bereits 2007 von der Landesregierung für den Personenverkehr abbestellte Bahnstrecke Pritzwalk-Putlitz.

svz.de von
erstellt am 14.Aug.2012 | 07:12 Uhr

Putlitz | Ab Dezember wird es für Putlitz keine Bahnverbindung mehr nach Pritzwalk geben. Das kündigte die Verkehrsgesellschaft Prignitz im Zusammenhang mit dem neuen Fahrplan an. Der Grund: Das Land zahlt keine Ausgleichsgelder mehr für die bereits 2007 von der Landesregierung für den Personenverkehr abbestellte Bahnstrecke Pritzwalk-Putlitz.

Damals hatte der Landkreis die Strecke übernommen, um sie über die Verkehrsgesellschaft Prignitz weiter zu betreiben, fand im Putlitz-Pritzwalker Eisenbahnförderverein einen engagierten Betreiber. Denn Mathias Tenisson ist nicht nur Vorsitzender dieses Vereins, sondern gehört neben Thomas Becken zur Geschäftsführung des Eisenbahnunternehmens Enon GmbH. Becken hatte 1996 die Prignitzer Eisenbahngesellschaft (PEG) gegründet mit Sitz in Putlitz, Herzstück des damals kleinen Unternehmens war eben die Bahnlinie zwischen Pritzwalk und Putlitz.

Sich jetzt davon zu verabschieden, falle gerade auch aus diesem Grund schwer, bekennt Becken, doch es sei ohne die Ausgleichszahlungen des Landes nicht mehr bezahlbar. "Selbst mit diesen Mitteln war es für uns schon ein Zuschussgeschäft, denn die Fahrgastzahlen lagen an manchen Tagen gerade mal zwischen 30 und 40", betont Becken. Also auch Schüler, die zum Unterricht nach Pritzwalk müssen, hätten die Bahnverbindung nicht so genutzt, wie erhofft.

Becken sieht derzeit auch keine andere Möglichkeit, die Bahnstrecke zu nutzen. Denn es müsste zunächst Geld in die Hand genommen werden. Becken spricht von zwei Brücken, die "stark sanierungsbedürftig" seien. "Wenn wir das schaffen sollten, dann nur gemeinsam mit dem Landkreis", macht er deutlich.

Doch dort hebt man auch die Hände. "Wir können das ohne Mittel vom Land nicht finanzieren", sagt die zuständige Fachbereichsleiterin Edelgard Schimko. Eine aktuelle Lösung sieht sie nicht. Dennoch will sie derzeit nicht von einem generellen Aus für diese Bahnstrecke sprechen.

Das sicher auch vor dem Hintergrund des geplanten Ortsumgehungsbaus in Kuhbier. Denn die Bahnstrecke passiert diesen Ort, extra dafür muss eine Eisenbahnüberführung gebaut werden, die auch entsprechend geplant wurde. Falle sie weg, würde das enorme Kosten sparen, wäre aber auch das endgültige Aus für die Bahnlinie.

Putlitz’ Bürgermeister Bernd Dannemann fühlt seine Region schon jetzt "abgehängt. Seit über 100 Jahren hat unsere Stadt eine Eisenbahnanbindung, so etwas hat auch immer Symbolcharakter", stellt er klar. Allerdings sieht auch er städtischerseits keine Alternativen, wenn keine Landesmittel mehr fließen. Doch wenn mit dem eingestellten Zugverkehr ab 9. Dezember auch noch der Busverkehr zwischen Putlitz-Pritzwalk ausgedünnt wird, "dann sind wir wirklich abgehängt".

Manfred Prause, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Prignitz, kann den Unmut zwar verstehen, sagt aber eindeutig, dass sein Unternehmen vernünftig mit den Steuermitteln umgehen, Buslinien effektiv gestalten müsse. Zumal die bereits angesprochenen Ausgleichsmittel des Landes auch den Busverkehr zwischen Putlitz und Pritzwalk beträfen. Mit anderen Worten: Statt zehn Bussen hin und zurück an Werktagen wird es ab 9. Dezember nur noch neun von Pritzwalk nach Putlitz und acht von Putlitz nach Pritz walk geben. An den Wochenenden gibt es gar keinen Linienverkehr mehr, sondern nur noch das Rufbus-Angebot.

Genau das kritisiert Dannemann, denn wer soll sich dann noch spontan entscheiden, die Gänsestadt zu besuchen. "Unsere Gäste kommen längst nicht alle mit dem Auto", macht der Bürgermeister deutlich. Prause lässt dieses Argument nicht gelten, denn das Rufbussystem gäbe es auch in anderen Flächenregionen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg. "Überall dort, wo die Auslastung der Fahrzeuge nicht so groß ist. Doch dort gibt es durchaus auch attraktive Ziele für Großstädter. Und diese Leute kennen das Prozedere der Rufbusanmeldung", meint Prause.

Dennoch spricht auch Prause von einem verkehrspolitischen Abhängen der Fläche im Land Brandenburg mit den jetzt auslaufenden Ausgleichszahlungen. Denn es gebe derzeit keine neue Regelung, was passiert, wenn weitere Bahnstrecken für den öffentlichen Nahverkehr abbestellt werden, wie die Landesregierung es ja forciert.

In anderen Bundesländern gehe man dieses Problem ganz anders an. Prause verweist auf Mecklenburg-Vorpommern, wo nicht nur dauerhaft ein Ausgleich für abbestellte Bahnstrecken, sondern sogar eine Anschubfinanzierung für mit der Umstellung auf den Busverkehr eventuell notwendige Investitionen gezahlt werde, um den öffentlichen Personennahverkehr gerade in dünn besiedelten Regionen zu erhalten.

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