Perleberg : Keine Winterruhe auf den Feldern

Steven Michalski hier beim Ausbringen von Stalldung. Auf dem Schlag sollen Kartoffeln angebaut werden.
Steven Michalski hier beim Ausbringen von Stalldung. Auf dem Schlag sollen Kartoffeln angebaut werden.

Frost macht Schläge der Quitzower Agrargenossenschaft endlich befahrbar, jede trockene Stunde für Grunddüngung genutzt

von
09. Februar 2018, 05:00 Uhr

Der Raureif auf den Feldern glitzert in der Sonne, die Temperatur jenseits der Null Grad Celsius. Winterstimmung! Doch die Ruhe, die sie vermittelt, täuscht. „Wir als Kartoffelproduzenten haben das ganze Jahr über zu tun“, so Helge Milatz. Und der muss es schließlich wissen, ist er doch in der Agrargenossenschaft Quitzow zuständig für den Feldbau.

Über den Frost frohlockt der junge Agraringenieur förmlich. „Endlich können wir auf unsere Schläge.“ Der Regen im vergangenen Jahr, immerhin zeigte die eigene Messstation vor dem Büro 822 Liter pro Quadratmeter an, machte auch den Quitzowern zu schaffen. Etliche Flächen konnten aufgrund der Nässe im Herbst nicht bestellt werden. Der Januar setzte fort, womit das Jahr endete: Regen. Über 80 Liter pro Quadratmeter gingen auf Quitzow schon zu Jahresbeginn nieder. „Insofern brauchen wir dringend 14 Tage am Stück ohne Wasser von oben, besser noch drei Wochen, damit der Boden abtrocknen kann.“ Denn Anfang März soll auf besagten Flächen Sommergetreide gedrillt werden. Für die Quitzower eine Art B-Variante. „Sonst bauen wir Kartoffeln und Silomais an, aber auf die Schläge war im Herbst kein raufkommen.“

Der Frost jetzt macht den Boden befahrbar, so wird jede Stunde bis Sonnenuntergang genutzt, um Stalldung auszubringen bzw. Dünger zu streuen. Die erste Stickstoffgabe auf den schweren Böden dürfte dennoch schwierig sein. Und schier automatisch wandert der Blick gen Himmel. Minusgrade und Sonne, das wäre ideal, Tauwetter gehe gar nicht.

Während auf den Schlägen die Grunddüngung erfolgt, läuft in der Kartoffellagerhalle die Sortierung auf Hochtouren. Rund 350 Tonnen der Knollen nahmen allein in der vergangenen Woche ihren Weg in die Stärkefabrik Dallmin. „Wir fahren täglich und das noch bis zum 16. Februar. Dann endet die Kampagne in Dallmin“, fügt Helge Milatz an. In Quitzow wird aber weiter sortiert. Seit Januar wird die Saatware für die Stärkeanbauer aufbereitet und Ende Februar sollen im Hofladen die Pflanzkartoffeln für die Hobbyproduzenten parat stehen.

Und die nächste Kartoffelernte kommt bestimmt. Auch das haben die Quitzower stets im Blick. Die erste Kartoffelkombine war bereits in der Werkstatt, wurde generalinstandgesetzt.

Gülle fahren für die betriebseigene Biogasanlage, die Rinder versorgen, 380 Milchkühe haben die Quitzower zu stehen – das sei das tägliche Geschäft. Nebenbei helfe man mit eigenen Kräften, die Zuwegung zum neuen Rinderstall anzulegen. Und auch der Herbststurm Xavier hat seine Spuren hinterlassen. Umgekippte Bäume und abgebrochene Äste an den Feldrändern müssen beräumt, Feldhecken zurückgeschnitten werden. Auch Qualifizierung und Weiterbildung laufen vor allem in den Wintermonaten. „Drei unserer Kollegen waren beim Kettensägenlehrgang, sechs haben ihre Kenntnisse im Pflanzenschutz aufgefrischt“, zählt der Abteilungsleiter Pflanzenbau auf.

Und wie war das Jahr 2017 für die Quitzower Agrargenossenschaft? „Wir hatten gute, durchschnittliche Erträge bei Getreide, Silomais und Kartoffeln“, bringt es Helge Milatz auf einen kurzen Nenner. Einzig der Raps enttäuschte und das schon das zweite Jahr in Folge. Statt der sonst 40 Dezitonnen pro Hektar waren es nur 31 dt/ha. 2016 gar nur 25 dt/ha. „Der Raps muss sich in der Fruchtfolge jetzt unbedingt behaupten, zumal sein Preis stark gesunken ist.“ Während es sonst 500 Euro pro Tonne gab, seien es derzeit nur noch 330 Euro pro Tonne. Schlechter Ertrag und niedriger Preis, das sei schon ein Schlag ins Kontor.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen