Keine Tierseuchen im Kreis

<strong>Gesehen hat ihn</strong> wohl noch niemand in der Prignitz, aber manche Jäger sprechen von der ganz großen Wolfsgefahr.<foto>dpa</foto>
Gesehen hat ihn wohl noch niemand in der Prignitz, aber manche Jäger sprechen von der ganz großen Wolfsgefahr.dpa

svz.de von
24. März 2013, 07:27 Uhr

Schönfeld | Mit einer Menge an guten Nachrichten kam Amtstierärztin Dr. Sabine Kramer zum Jagdverband Perleberg. Der Landkreis ist im Prinzip frei von Tierseuchen, sagte sie auf der Jahresversammlung am Sonnabend in Schönfeld. Zugleich warnte sie vor der afrikanischen Schweinepest.

Seit mehreren Jahren habe es keinen Fall von Tollwut gegeben. Sie bedankte sich bei den Jägern, dass diese sehr zuverlässig Proben von Füchsen einsenden, die im Labor untersucht werden. Zwar werde das dafür zur Verfügung stehende Geld erheblich reduziert, "aber bitte schicken Sie uns weiter Proben zu", sagte Kramer. Selbst wenn die Mittel aufgebraucht seien, würden Proben von auffälligen Füchsen dennoch untersucht.

Hingegen sei die Vogelgrippe mehrfach festgestellt worden, allerdings in der minder gefährlichen Variante. Daher sehe Dr. Kramer aktuell keine akute Gefahren durch diese Erreger. Die Jäger bat sie, insbesondere auf verendete Wasser- und Greifvögel zu achten. "Ich wäre dankbar über Hinweise und mögliche Proben", sagte sie. Keine Nachweise gebe es zur Blauzungenkrankheit und Schweinepest.

Sorge bereite den Experten die Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest. Bei dieser Variante handele es sich um einen völlig anderen Virus, gegen den es weder eine Impfung gibt, noch bestünden Heilungschancen. "Sollte diese Krankheit auftreten, wäre das wesentlich dramatischer, als bei der uns bekannten Schweinepest. Sie verläuft zu 100 Prozent tödlich." Das Keulen ganzer Bestände wäre unvermeidbar.

Die Gefahr ist nicht aus der Luft gegriffen. Seit Jahren breitet sich die afrikanische Schweinepest aus: Moskau, die Ukraine und die lettische Grenze habe sie bereits erreicht. Größte Gefahr sieht Kramer im Fernverkehr auf der Straße. Es genüge, wenn ein Brummifahrer auf einem Parkplatz Wurstreste entsorgt, die den Erreger in sich tragen. Durch Wildschweine könnte er verbreitet werden. Auch eine Übertragung durch Insekten ist möglich.

Der Virus stammt aus Afrika. Dort lebende Warzenschweine und Zecken tragen ihn in sich. Die Insel Sardinien im Mittelmeer sei schon mehrfach von der Pest betroffen gewesen, aber wahrscheinlich aufgrund der Insellage blieb das südliche europäische Festland bisher davor verschont. "Wenn Sie aber bei Wildschweinen etwas Auffälliges bemerken, müssen Sie uns unbedingt informieren", appellierte Kramer an die Jägerschaft.

Die debattierte am Sonnabend noch über ein ganz anderes Tier: den Wolf. Während die Rudel in der Lausitz und auf Truppenübungsplätzen nachweisbar leben, ist der Wolf in der Prignitz bisher nur ein Phantom. Zumindest gibt es keinen bestätigten Nachweis, sagt Uwe Roesel, Revierförster und Wolfsbeauftragter im Kreisverband.

Im vergangenen Herbst besuchte er ein Wolfsseminar, lernte viel über das Tier. Zum Beispiel, dass selbst Experten an einer einzelnen Fährte keinen Wolf erkennen können. Zu ähnlich sei sie einer Hundefährte. "Pro Nacht kann der Wolf bis zu 60 oder gar 70 Kilometer laufen", sagte Roesel. Um ihn an seiner Fährte zu erkennen, müsse man diese lange verfolgen können. Auf Truppenübungsplätzen im Sand oder auch im Schnee sei das gut möglich, aber in den Prignitzer Wäldern kaum.

Unter Jägern keimt immer wieder der Wunsch auf, den streng geschützten Wolf jagen zu dürfen. Auch im Perleberger Verband gibt es offenbar einzelne Befürworter, wie die Diskussion am Sonnabend verriet. Doch vorerst werde das wohl nicht möglich sein, räumte Jäger Friedhelm Stolte ein, der auf die Zukunft verwies. Wenn sich die Population erst einmal so stark vergrößert habe, dass die Wölfe den bevölkerten Stadtrand von Berlin erreichen und vielleicht sogar ein Kind anfallen würden, ja dann würde das Jagdverbot vielleicht gelockert werden, sagte er. Der zustimmende Beifall zu dieser doch recht modern interpretierten Rotkäppchen-Variante hielt sich in Grenzen.

Sehr in Grenzen hält sich auch das Interesse an der Homepage des Verbandes. Im vergangenen Jahr wurden auf www-jagdverband-perleberg.de nicht einmal 242 Besucher gezählt. Das sind weniger, als der Verband Mitglieder zählt. Nachweisbar hätten nur rund 40 Mitglieder die Seite aufgerufen. Die übrigen registrierten User seien Besucher aus anderen Kreisen gewesen. Der Verbandsvorstand warb nachdrücklich für die Homepage, auf der Ansprechpartner, Formulare und aktuelle Hinweise zu Veranstaltungen zu finden sind.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen