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Zoff um Windräder in Plattenburg : Keine klare Linie bei Windgebiet

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Abbau, Ausbau und Repowering: Gemeindevertretung diskutiert hitzig über die Zukunft der bestehenden und geplanten Anlagen

Kommen die vier geplanten Windkraftanlagen der Firma UKA in Kleinow oder nicht? Sollen die zwei vorhandenen Anlagen zurückgebaut und durch eine höhere Anlage ersetzt werden? Die Meinungen auf der jüngsten Plattenburger Gemeindevertretersitzung gingen da weit auseinander.

Frank Vach von der Firma Umweltplan Projekt ist mit seinem Unternehmen Betreiber der zwei bestehenden Anlagen und will diese durch eine neue Anlage ersetzen. „Die alten Anlagen sind 85 Meter hoch und haben eine Leistung von 850  000 kw/h pro Jahr. Die neue Anlage soll 99 Meter hoch werden, keine Befeuerung haben und eine Jahresleistung von 1,3 Millionen kw/h bringen. Der Abstand zur nächsten Wohnbebauung in Kleinow-Ausbau würde 500 Meter betragen und etwa 1200 Meter zur zentralen Kleinower Ortslage“, erläuterte Vach.

In der Diskussion führten die Einwohner an, dass die Kommune keinen Vorteil davon hätte, weil keine Gewerbesteuern gezahlt würden. Frank Vach erklärte, sein Unternehmen zahle sehr wohl Gewerbesteuern an die Kommune, im Jahr etwa 5000 bis 6000 Euro pro Anlage. Jedoch hatte die Gemeindeverwaltung bisher immer erklärt, dass es aus den Windkraftanlagen keine Steuereinnahmen gebe. Auch kritisierten die Bürger, dass es immer nur ums Geld gehe und nicht um die Lebensqualität.

So tragen die Kleinower die Belastungen der Windkraftanlagen tagtäglich, die Erträge würden aber der ganzen Kommune Plattenburg zu Gute kommen. Ob der Verlust an Lebensqualität und die Belastungen für die Tierwelt in Euro ausgeglichen werden können, wurde von vielen bezweifelt.


Befangenheit wird unterstellt


Vermischt wurde die Diskussion um das Repowering der zwei Anlagen mit dem in der Erarbeitung befindlichen Bebauungsplan für das Kleinower Windgebiet. Hier sorgte bei der Abwägungsveranstaltung das Votum der Oberen Naturschutzbehörde für Wirbel. Diese weist im betreffenden Gebiet ein Bruthabitat der Rohrdommel aus und würde daher aus Naturschutzgründen die Baugenehmigung für die vier Anlagen des Investors UKA versagen.

Kritisiert wurde auch, dass an Gesprächen der Gemeindeverwaltung mit den Investoren im Grunde befangene Personen teilnehmen würden, die zwar der Gemeindevertretung angehörten, aber nicht der Verwaltung.

Rainer Schneewolf aus Rambow warf ein, dass es in der Prignitz keinen energiepolitischen Bedarf an weiteren Windkraftanlagen gebe, der Netzausbau längst so weit fortgeschritten sei, um den Strom abzuleiten. Die regionale Planungsgemeinschaft stufe seit zehn Jahren Kleinow nicht mehr als geeigneten Standort für Windenergie ein, auch wenn diese Einschätzung noch keine Gesetzeskraft erlangt habe. Plattenburgs Bürgermeisterin Anja Kramer machte deutlich, dass man an dem Thema sehr intensiv arbeite, alle Einwände abwäge und bestrebt sei, am Ende einen Bebauungsplan vorzulegen, der rechtlich sicher und nicht anfechtbar sei. Rainer Schneewolf unterbreitete den Vorschlag, sich dazu rechtliche Hilfe von außen zu holen, weil die Gemengelage im Moment so komplex sei, dass sie weder durch die Verwaltung noch durch die Abgeordneten rechtssicher zu klären sei. Über diesen Vorschlag wolle man in der nächsten Sitzung des Bauausschusses diskutieren, so Karsten Krüger, Vorsitzender der Gemeindevertretung. Am Ende machten die vielen Einwohner deutlich, dass sie weder in Kleinow noch in Kletzke neue Windkraftanlagen haben wollen und forderten die Abgeordneten auf, Entscheidungen zu treffen, die den Bürgerwillen berücksichtigen und nicht nur die kommunale Kassenlage.  

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