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Der Prignitzer

18. November 2017 | 04:07 Uhr

Keine Chance den Raupen

vom

svz.de von
erstellt am 17.Apr.2013 | 06:28 Uhr

Prignitz | Auf 1881 Hektar wird der Landkreis in den kommenden Wochen den Eichenprozessionsspinner bekämpfen, teilt die zweite Beigeordnete des Landrates, Dr. Sabine Kramer, auf der gestrigen Pressekonferenz mit. Alle Vorbereitungen seien abgeschlossen. Sobald Forstexperten den richtigen Zeitpunkt benennen, werde die kreisweite Aktion starten. Die vertraglich gebundene Firma werde mit bis zu fünf Hubschraubern im Einsatz sein.

Mehr als 1200 Meldungen von Bürgern, Kommunen und Behörden zu befallenen Bäumen und Flächen sind beim Kreis eingegangen. Sie wurden bearbeitet, überprüft, mit Hilfe des Geoinformationssystems (GIS) GPS-Daten zugeordnet. Allein der GIS-Mitarbeiter in der Verwaltung habe für die Erstellung der Karte für die Bekämpfungsaktion rund 450 Arbeitsstunden benötigt.

Eingesetzt wird das biologische Pflanzenschutzmittel Dipel ES. Dabei handelt es sich um kein Gift, erklären Dr. Kramer und die Amtsärztin Cathrin Goltz. Erst im Verdauungstrakt der Raupen entfalte das Mittel seine giftige Wirkung. "Für den Menschen ist es ungefährlich, allenfalls könne bei Kontakt die Haut des Menschen empfindlicher gegenüber anderen Reizen werden", so die Amtsärztin. Das Mittel sei in Fachmärkten frei verkäuflich, könne auch in Hausgärten eingesetzt werden.

Als reine Vorsichtsmaßnahme rät der Landkreis dennoch, während der Bekämpfung und in den ersten Stunden danach, die betroffenen Flächen nicht zu betreten. Der Kreis selbst werde den Start der Aktion bekannt geben. Wann genau und wo gespritzt wird, erfahren Bürger bei ihrem Ordnungsamt. Dieses könne nach eigenem Ermessen kurzzeitige Sperrungen von Flächen veranlassen.

Kindergärten und Schulen sollten im betreffenden Zeitraum möglichst keine Aktivitäten im Freien durchführen. Je nach Witterung könne es zu kurzfristigen Änderungen kommen. Einsatzgebiet ist der gesamte Landkreis mit Schwerpunkt des Amtes Lenzen-Elbtal aue. In den Rathäusern und beim Landkreis in Perleberg können Bürger Detailkarten anschauen, aus denen hervorgeht, auf welchen Flächen Dipel ES zum Einsatz kommt.

Der Kreis hatte im vergangenen Sommer entschieden, freiwillig diese Aktion zu koordinieren. Vorausgegangen war eine wochenlange Berichterstattung unserer Zeitung über das extrem starke Auftreten der Raupen, deren Härchen allergische Reaktionen auslösen können. Betroffene Menschen konnten teilweise ihr Grundstück nicht mehr nutzen, Schulhöfe wurden gesperrt, Veranstaltungen abgesagt.

"Ziel ist es, möglichst flächendeckend zu bekämpfen", betont Dr. Kramer. Desto höher seien die Erfolgsaussichten. Auch geschützte Gebiete seien nicht ausgenommen. "Wir haben eine naturschutzfachliche Prüfung veranlasst. Im Interesse des vorbeugenden Gesundheitsschutzes dürfen wir über Schutzgebieten sprühen", erklärt Sabine Kramer. Mit allen Nachbarkreisen habe es Abstimmungen gegeben. Ludwigslust-Parchim, Havelland, OPR und Lüchow-Dannenberg bekämpfen ebenfalls. Von Stendal habe es bis jetzt keine Rückmeldung gegeben.

Die Kosten des Einsatzes belaufen sich auf 300 Euro pro Hektar, rund 17 Euro pro Baum. Der Kreis ging auf Beschluss der Abgeordneten mit rund 564 000 Euro in Vorleistung. Die Kosten sollen auf die jeweiligen Eigentümer umgelegt werden. Dabei kann es Fälle geben, das Grundstücksbesitzer weder dem Einsatz zustimmten, noch dass sie einen Befall meldeten, räumt Dr. Kramer ein. Die Meldungen mussten nicht zwingend vom Eigentümer der Flächen kommen, da generell alle Hinweise aufgenommen und durch die Kommunen überprüft wurden.

Technisch sei es möglich, einzelne Bäume zu bekämpfen, da die Hubschrauber nach den angegeben GPS-Daten fliegen. Das mache den Einsatz effektiv. Zugleich sei es die kostengünstigste Variante. Bekämpfung vom Boden aus oder das Absaugen der Nester sei wesentlich teurer.

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