Keine Angst vorm künstlichen Schlaf

Narkosen werden im Kreiskrankenhaus   Prignitz ausschließlich von Fachärzten ausgeführt.dpa
Narkosen werden im Kreiskrankenhaus Prignitz ausschließlich von Fachärzten ausgeführt.dpa

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28. September 2012, 10:01 Uhr

Perleberg | Wenn Dr. Thomas Libuda über sein Fachgebiet - die Anästhesie - spricht, dann weiß er auch aus eigener Erfahrung, dass der künstliche Schlaf nicht immer so elegant und vor allem sicher vollzogen wurde, wie man es heute kennt. "Ich habe selbst noch 1968 bei einer Mandeloperation eine Äthernarkose per Maske erhalten. Operateur und Anästhesist waren ein und dieselbe Person." In der Gegenwart undenkbar, denn der Facharztstandard ist in Deutschland in der Anästhesie inzwischen ein hohes Gut, dass 2004 in der Münsteraner Erklärung manifestiert wurde. Seinerzeit regte sich massiver Widerstand gegen eine geplante Sparmaßnahme, die die Verlagerung von Aufgaben von Ärzten an speziell ausgebildete Narkoseschwestern zum Inhalt hatte.

Über die interessante Geschichte der Anästhesie, vor allem aber über heutige Aspekte dieser medizinischen Disziplin geht es am Weltanästhesietag, der alljährlich am 16. Oktober begangen wird. Deutschland ist dieses Jahr erstmals dabei, und das Kreiskrankenhaus Prignitz beteiligt sich mit eigenen Beiträgen. Die an diesem Tag stattfindende zentrale, bundesweite Telefonaktion unterlegen die Perleberger Ärzte von 9 bis 12 Uhr mit einem eigenen telefonischen Beratungsangebot zu den Themen Narkose, Intensivmedizin und Erste Hilfe. Auskünfte geben Thomas Libuda und Birgit Bombrich unter Tel. 03876/30-3501. "Wir denken, dass die Hemmschwelle niedriger ist und die Leute eher anrufen, wenn das in der Heimatregion angeboten wird", so Dr. Thomas Libuda.

Um 15 Uhr beginnt am 16. Oktober der Tag der offenen Tür am Kreiskrankenhaus. Die Anästhesisten und Intensivmediziner möchten Besuchern vor allem die Angst vorm künstlichen Schlaf nehmen. An verschiedenen Ständen gibt es "Narkose zum Anfassen". Gezeigt werden auch Reanimationsgeräte und die neueste Errungenschaft der Klinik - ein Ultraschallgerät, das zielgenaue Punktionen von Nerven und Gefäßen erlaubt, wie sie z. B. bei der örtlichen Betäubung benötigt werden. Zwei Vorträge beschäftigen sich mit "Was macht der Anästhesist, wenn ich schlafe?" und "Prüfen. Rufen. Drücken! - Basismaßnahmen der Wiederbelebung". Vor allem Letzteres liegt Thomas Libuda am Herzen. Ersthelfer sind ein entscheidendes Element in der Rettungskette. Aus seinen Erfahrungen als Notarzt weiß der Mediziner, dass die lebensrettenden Sofortmaßnahmen - also Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung - in Deutschland keine Stärken sind.

"Da sind uns andere Nationen, wie Holland oder auch die skandinavischen Staaten, voraus", sagt Libuda und macht deutlich, dass er es begrüßen würde, wenn man die lebensrettenden Maßnahmen als Pflichtbestandteil des Schulunterrichts einführt. Die meisten Erwachsenen, so der Experte, absolvieren einmal im Leben einen Erste-Hilfe-Kurs zum Erwerb des Führerscheins. Das blieben dann aber die einzigen verfügbaren Kenntnisse auf diesem so wichtigen Gebiet.

Der Weltanästhesietag am 16. Oktober geht auf die Geburtsstunde der Anästhesiologie zurück: An diesem Tag gelang dem Zahnarzt Dr. Thomas Morten 1846 in Boston die erste erfolgreiche Narkose. Für Thomas Libuda noch heute ein Faszinosum. Und so gehört der "Äther-Dom" im Massachusetts General Hospital in Boston zu den Reisezielen, die der Mediziner auf jeden Fall noch selbst ansteuern möchte.

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