Keine Angst vor dem Betreuungsgeld

<strong>Derzeit besuchen</strong> 1500 Kleinkinder Prignitzer Kitas. Das Betreuungsgeld werde daran nichts ändern, sind sich Landkreis und Kommunen sicher. <foto>Susann Matschewski</foto>
Derzeit besuchen 1500 Kleinkinder Prignitzer Kitas. Das Betreuungsgeld werde daran nichts ändern, sind sich Landkreis und Kommunen sicher. Susann Matschewski

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02. Juli 2012, 06:17 Uhr

Prignitz | Das umstrittene Betreuungsgeld wird in den Fraktionen derzeit heftig diskutiert. Argumente für und gegen die gerne als "Herdprämie" verschriene Reform halten sich die Waage. Sollte der Bundestag das Gesetz verabschieden, erhalten ab 2013 diejenigen Eltern eine monatliche Zahlung, welche ihre Kinder zwischen ein bis drei Jahren zu Hause selbst betreuen, statt sie in kommunalen oder freien Einrichtungen betreuen zu lassen. Landkreis und Kommunen sind sich einig: Der Zuschuss würde sich kaum auf regionale Kindertagesstätten auswirken. Die Prignitz kämpft mit ganz anderen Problemen.

1500 Kinder zwischen null und drei Jahren besuchen laut Heike Weise, Sachbereichsleiterin Haushalt/Finanzcontrolling des Landkreises, derzeit Prignitzer Kitas. Wie viele Kinder zu Hause betreut werden, lasse sich nicht ermitteln, so Heike Weise: "Neben Eltern, die ihren Nachwuchs nicht in Kitas betreuen lassen wollen gibt es auch diejenigen, die keinen Anspruch auf einen Kitaplatz haben." Dagegen dürfte es wohl kaum vorkommen, dass jemand keinen Platz für sein Kind in Anspruch nehmen kann, weil er keinen findet: "Von 5000 Kitaplätzen im Landkreis sind nur 4200 belegt. Wir sind in keiner prekären Lage. Es besteht daher kein Grund, warum Eltern ihre Kinder zu Hause lassen müssten."

Auch in Wittenberge glaubt man nicht, dass das Betreuungsgeld Auswirkungen auf die Kita-Auslastung in der Stadt haben werde, macht Waltraud Neumann, stellvertretende Bürgermeisterin der Elbestadt und verantwortlich für den Sachbereich Soziales, gegenüber des "Prignitzers" deutlich. Sofern das Gesetz verabschiedet wird, hätten die Eltern von 221 Kindern - so viele Ein-bis Dreijährige besuchen derzeit Wittenberger Einrichtungen - Anspruch auf 100 bzw. 150 Euro monatlichen Zuschuss. 56 leere Kitaplätze weist die Stadt auf. "Zumindest der Zuschuss wird keinen Rückbau weiterer Plätze nach sich ziehen", ist Waltraud Neumann überzeugt. Größere Sorgen bereite ihr der mit dem demografischen Wandel verbundene fehlende Nachwuchs: "Ich befürchte, dass auf lange Sicht nicht alle jetzigen Einrichtungen erhalten bleiben können."

Auch im Amt Lenzen/Elbtalaue glaubt man nicht, dass allein durch die Einführung der so genannten Herdprämie die Kindertagesstätten nicht ausreichend ausgelastet sein werden. Laut Regina Rathke, Sachbearbeiterin für Kitas im Amt, hätten allein die Eltern von acht Kindern der kommunalen Kitas im Amt Anspruch auf das Geld. Harald Ziegeler, stellvertretender Amtsdirektor, steht dem Betreuungsgeld kritisch gegenüber: "Insgesamt fehlt mir die Schlüssigkeit einer solchen Regelung. Die Frage ist doch: Bleibt man für das Kind zu Hause oder bleibt man nicht zu Hause? Eine berufstätige Mutter, die sich entschließt, ihr Kleinkind daheim zu betreuen, kann in der Regel nicht mehr an ihren alten Arbeitsplatz zurück, ihr wird gekündigt. Dazu kommt, dass die Prignitz alles andere als ein Ballungsgebiet ist. Jeder, der berechtigt ist, bekommt hier auch einen Kitaplatz. Das Betreuungsgeld ist für uns unwichtig, stattdessen müssten wir uns mehr um die Daseinsvorsorge kümmern."

Sollte das Betreuungsgeld tatsächlich kommen, sind noch viele Fragen zu klären. Zum Beispiel, bei welcher Stelle Eltern ihren Bedarf anmelden können. Danuta Schönhardt, zuständige Geschäftsbereichsleiterin in der Kreisverwaltung, habe noch keine Auskünfte darüber erhalten: "Ich vermute aber, dass der Landkreis dafür zuständig sein wird, da dort auch das Elterngeld beantragt wird."

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