Kein schmackhafter Beruf: Gastronomie geht Nachwuchs aus

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17. Juni 2012, 07:30 Uhr

Potsdam | Die Gastronomie in Brandenburg sorgt sich zunehmend um den Nachwuchs an Köchen. Die Gründe für die mangelnde Attraktivität des Berufs reichen von schlechter Bezahlung bis zur öffentlichen Infrastruktur. "Es ist wirklich sehr schwer, junge Menschen in Brandenburg für die Kochausbildung zu finden", sagte Stefanie Huth vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Gerade in ländlichen Gebieten mangele es an Nachwuchs in den Küchen. "Viele Schulabgänger sind unter 18 und haben keinen Führerschein. Für sie ist es oft nicht möglich, ländliche Ausbildungsbetriebe zu erreichen", sagte Huth.

Allein in der Landeshauptstadt Potsdam können nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) 20 Betriebe ihre Ausbildungsstellen langfristig nicht besetzen. "Sowohl kleine als auch große Gastronomieunternehmen stehen vor dem Problem. Einzig überregional bekannte Hotelketten haben flächendeckend Auszubildende gefunden", sagte Udo Sobota von der IHK Potsdam.

"In ganz Brandenburg sind derzeit 336 Ausbildungsstellen für Köche unbesetzt", sagte Clarissa Schmidt vom Jobcenter Potsdam. Vor allem im ländlichen Bereich würden Bewerber gesucht. Bis zum Herbst könnten sich junge Menschen noch auf die Stellen bewerben. "Einige werden aber erfahrungsgemäß unbesetzt bleiben", sagte Schmidt.

Der Gewerkschaftsbund (DGB) Berlin-Brandenburg verweist in diesem Zusammenhang auf den Ausbildungsreport 2011 der DGB-Jugend, bei dem Jugendliche zur Alltagssituation in ihren Lehrberufen befragt wurden. "In der Gastronomie und insbesondere bei den Köchen stehen die Arbeitsbedingungen in der Kritik", sagte DGB-Sprecher Dieter Pienkny. Die Jugendlichen klagten über Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten und schlechte Bezahlung. "Es darf nicht vorkommen, dass Auszubildende nur billige Hilfskräfte sind. In dieser Branche gibt es leider einige schwarze Schafe, die ihre Azubis ausnutzen."

Die Verdienstmöglichkeiten in Brandenburg sind laut Tarifregister für Koch-Azubis nicht so rosig wie andernorts. 425 Euro gibt es im ersten Lehrjahr - nicht genug, um ein selbstständiges Leben zu führen. In Bayern sind es etwa 700 Euro. "Die Schulabgänger stehen vor der Wahl, welchen Beruf sie ergreifen. Keine leichten Arbeitsbedingungen und eine geringe Ausbildungsvergütung sorgen dafür, dass sie sich häufig gegen eine Kochlehre entscheiden", sagte Sobota von der IHK. "Es ist derzeit kompliziert, Nachwuchs zu finden", bestätigte auch Michael Häberer. Seit 20 Jahren ist er Küchenchef im Mercure-Hotel Potsdam. "In anderen Ländern ist der Stellenwert der Köche und die Bereitschaft, für gutes Essen zu bezahlen, höher."

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