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Diebstahl in Wittenberge : Kein Respekt vor dem Tod

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Unbekannte stahlen Holzkreuz und Teelichter / Behörden tolerieren das Gedenken an Unglücksstellen

von
erstellt am 05.Sep.2014 | 08:00 Uhr

Mandy Nikolaus ist erschüttert, das Sprechen fällt ihr schwer. Fassungslos steht sie in unserer Redaktion und schildert, was geschehen ist: „Jemand hat das Holzkreuz gestohlen, es ist nicht mehr da.“ Im April verunglückte ihr Lebensgefährte in Wittenberge tödlich. Der 58-Jährige war gegenüber der Becker Umweltdienste mit seinem Auto frontal gegen einen Straßenbaum gefahren.

„Ich habe in der Firma nachgefragt, ich war im Ordnungsamt und beim Stadtbetriebshof, aber niemand hat das veranlasst“, sagt sie und kann es selbst nicht fassen. Überall sei sie auf Verständnis gestoßen. Im Ordnungsamt habe Uwe Karger sofort Kollegen angerufen, sich vergewissert, dass dort keine Bauarbeiten stattfanden.

„Warum macht das jemand?“ Dass regelmäßig Blumen von der Unglücksstelle gestohlen werden, sei ja schon traurig. Jetzt scheute sich der Täter nicht einmal davor, auch die Teelichter mitzunehmen. „Erst wollte ich zur Polizei gehen, Anzeige erstatten, aber die müssen sich doch um wichtigere Dinge kümmern.“

Das Kreuz habe sie nicht einmal selbst hingestellt. „Ich weiß nicht, wer es war. Kurz nach dem Unglück stand es dort. Ich habe ein Neues anfertigen lassen, es gestern aufgestellt.“ Mandy Nikolaus hofft bei ihren Mitmenschen auf einen Rest an Vernunft, auf Respekt und ein letztes Fünkchen Moral, damit sich das nicht wiederholt. „Bitte denken Sie daran, dass an dieser Stelle jemand seinen letzten Atemzug tat.“

Der Landkreis bestätigt gegenüber unserer Zeitung, dass Behörden in der Regel nicht gegen aufgestellte Kreuze am Straßenrand einschreiten. Grundsätzlich gehöre das Land neben den Straßen den jeweiligen Baulastträgern, also Kommunen, Kreis, Land, Bund. „Eine gesetzliche Regelung gibt es nicht, auch keinen Rechtsanspruch, ein Kreuz aufzustellen. Aber wir tolerieren das“, schildert Pressesprecherin Christel Spenn die gängige Praxis.


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