Rauchen : Kein Rauchverbot in Autos?

Was in Taxis Standard ist, will die Drogenbeauftragte generell durchsetzen: Das Rauchverbot im Auto.
Was in Taxis Standard ist, will die Drogenbeauftragte generell durchsetzen: Das Rauchverbot im Auto.

Vorschlag der Bundesdrogenbeauftragten stößt bei Prignitzer Abgeordneten auf geteiltes Echo

svz.de von
23. September 2015, 08:00 Uhr

Auf Tabakprodukten steht es Schwarz auf Weiß: „Rauchen schadet den Menschen in Ihrer Umgebung.“ Besonders Kinder und Jugendliche schädigt der blaue Dunst. Über die Wahl der Mittel beim Nichtraucherschutz scheiden sich indes die Geister. Marlene Mortler (CSU), Beauftragte der Bundesregierung für Drogenpolitik, brachte kürzlich ein Rauchverbot in Fahrzeugen ins Gespräch, wenn Kinder und Jugendliche mitfahren.

Dr. Karl-Rüdiger Wiebelitz, Chefarzt der Kinderklinik in Perleberg, klärt über die Folgen des Passivrauchens auf: „Die Gefährdung ist bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen größer. Kinder sind noch in der Entwicklung. Gifte können die Aufbauprozesse des Körpers beeinträchtigen.“ Kinder hätten eine größere Lebenszeit vor sich als Erwachsene, damit steige das Risiko für die Spätfolgen. Neugeborene aus Raucherschwangerschaften seien zudem oft kleiner und leichter. „Wenn Minderjährige dauerhaft dem Rauch ausgesetzt sind, können chronische Bronchitis und Asthma die Folge sein. Zudem führt das elterliche Verhalten häufiger dazu, dass die Kinder selber Raucher werden“, so Wiebelitz weiter. Grund genug für ein Rauchverbot in engen Räumen wie dem Auto?

Sebastian Steineke (CDU), der für die Prignitz im Bundestag sitzt, sagte unserer Zeitung: „Alle Maßnahmen des Gesetzgebers für einen besseren Gesundheitsschutz, insbesondere für Kinder, sind zu begrüßen.“ Allerdings müsse das öffentliche Interesse am Gesundheitsschutz und das private Interesse auf Selbstbestimmung bei diesem Thema gut abgewogen werden. „Das verlangt das Bundesverfassungsgericht bei allen Entscheidungen zum Nichtraucherschutz, denn auch die Handlungsfreiheit ist ein von der Verfassung geschütztes hohes Gut. Beim Auto handelt es sich um einen geschützten Raum der Privatsphäre“, so Steineke. Zudem merkt er an, dass ein Verbot vielleicht die Fahrsicherheit erhöhen könnte, da das Rauchen auch die Aufmerksamkeit der Fahrer einschränke. Ob das Gesetz aber sinnvoll ist, will Steineke nicht beurteilen, solange er keinen konkreten Textvorschlag vorliegen hat.

Steinekes Parlamentskollegin Dr. Kirsten Tackmann (LINKE) ist da forscher. Sie könne nicht erkennen, dass es dieser Vorstoß jemals in die Gesetzesbücher schafft. „Bei Minderjährigen ist sicher ein strenger Schutz vor unverantwortlichem Handeln Erwachsener geboten. Aber nicht immer sind Verbote eine sinnvolle Maßnahme, und sie müssen durchsetzbar und kontrollierbar sein.“ Dies sei bei einem Rauchverbot im privaten Pkw nicht möglich, so Tackmann.

Außerdem könne die elterliche Schutzpflicht bereits schon jetzt so ausgelegt werden, dass das Rauchen im Beisein von Kindern im Auto ein Verstoß gegen das Grundgesetz sei. Allerdings leite sich daraus aktuell noch kein juristisches Verbot ab, gibt Tackmann zu bedenken. Ihr sei es wichtiger, dass Jugendliche einen kompetenten Umgang mit gesundheitsschädlichen Stoffen lernen und Familien gemeinsam die Risiken in ihrem Verantwortungsbereich minimieren. Eine sinnvolle Maßnahme des Bundes wäre ihrer Meinung nach ein generelles Verbot für Tabakwerbung.

Maxi Hartung, Pressesprecherin des ADAC in München, sagte unserer Zeitung, sie könne den politischen Vorstoß von Marlene Mortler nicht verstehen. „Dass man nicht raucht, wenn Kinder mit im Auto sind, sollte aus unserer Sicht selbstverständlich sein.“ Sorgen macht sich Hartung um die Überwachung eines solchen Gesetzes. „Wir sind gegen ein Verbot, nicht weil wir für das Rauchen sind, sondern weil ein Gesetz, das niemand kontrollieren kann, nichts bringt.“ Bereits heute werde nur jede 600. Alkoholfahrt aufgedeckt. Polizisten hätten noch andere Aufgaben, als nur Verkehrsdelikten hinterherzujagen. Der von vielen Politikern angesprochene Sicherheitsaspekt tauche auch in den Unfallstatistiken kaum auf. „Wir haben Ablenkungsstudien dazu gemacht, der Blickverlauf zur Straße ist eher dann unterbrochen, wenn Sie am Radio oder ihrem Navi etwas einstellen oder mit ihrem Partner auf dem Beifahrersitz streiten, als beim Rauchen“, sagt Hartung.

Unsere Straßenumfrage ergab ein klares Bild: In erster Linie liegt den Menschen das Wohl der Kinder am Herzen. Zwar glaubt von den von uns befragten niemand, dass das Rauchverbot im Pkw kommen wird. Die meisten sehen hierbei aber auch nicht den Gesetzgeber sondern die Eltern in der Pflicht.

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