Kein neues Feuerwehrauto in Sicht

<strong>Cumlosens Wehr fordert  </strong>mehr Flachspiegelbrunnen, unter anderem im Seeviertel von Cumlosen. Ohne diese müssen je nach Einsatzort lange Wasserstrecken aufgebaut werden, die Zeit und Einsatzkräfte kosten.<foto>Hanno Taufenbach</foto>
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Cumlosens Wehr fordert mehr Flachspiegelbrunnen, unter anderem im Seeviertel von Cumlosen. Ohne diese müssen je nach Einsatzort lange Wasserstrecken aufgebaut werden, die Zeit und Einsatzkräfte kosten.Hanno Taufenbach

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31. Januar 2013, 07:49 Uhr

Cumlosen | Wieder kein neues Feuerwehrauto. Cumlosens Kameraden sind enttäuscht. Die Hoffnungen auf ein Tragkraft-Spritzenfahrzeug haben sich nicht erfüllt, sagt Wehrführer Gordon Fähling. Die Gemeindevertreter hätten das mehrheitlich abgelehnt, kein Geld in den Haushalt dafür eingestellt. Verstehen könne die Wehr das nicht. Bis 2015 wird es auch kein Auto geben, stellt Bürgermeister Harald Pohle klar. Der Brandschutz im Ort sei gesichert, sagen Pohle, die Amtsverwaltung und der Amtswehrführer.

Seit Jahren kämpft die Wehr um ein neues Fahrzeug. 2011 scheiterte es, weil sich Cumlosens Gemeindevertreter für den Bau des Dorfgemeinschaftshauses in Wentdorf entschieden, rund 120 000 Euro Eigenmittel ausgaben. Auch 2012 tat sich nichts, nun die Absage für 2013. Technisch sei das Auto derzeit einsatzfähig, bestätigt Gordon Fähling. Aber dennoch könnten sie nicht jederzeit ausrücken. "Zum Führen ist ein Lkw-Führerschein notwendig, den nicht alle Kameraden haben", sagt er. Außerdem müsse die Tragkraftspritze vom Auto herunter gehoben werden. Das sei schwer, mehrere Männer müssen zupacken. "Für ein modernes Fahrzeug braucht man wesentlich weniger Kameraden", erklärt Fähling.

Fünf Einsätze habe es im vergangenen Jahr gegeben. "Zu zweien konnten wir nicht ausrücken, weil kein Fahrer vorhanden war", so der Wehrführer. Glücklicherweise handelte es sich um harmlose Fälle: Ein Fehlalarm und eine gerissene Stromleitung. Bei einem Wohnungsbrand wäre die Tragweite eine andere. Tagsüber falle es der Dorfwehr wie vielen anderen auch schwer, die Einsatzbereitschaft abzusichern. Zu viele Mitglieder würden auswärts arbeiten. Ein neues Fahrzeug müsste der Gemeinde also wichtig sein, argumentiert Fähling.

"Die Gemeindevertreter haben ihre Entscheidung auf die Aussagen des Fachamtes gestützt", reagiert Bürgermeister Harald Pohle. Das Fahrzeug sei technisch einsetzbar. Ladeschalen für Funkgeräte und ein Notstromaggregat seien nachgerüstet worden. "Im vergangenen Jahr erhielt das Auto Allwetterreifen. Für mich ist es technisch einwandfrei", so Pohle.

Amtswehrführer Steffen Bethke äußert sich ebenfalls zu dem Fahrzeugwunsch und sagt deutlich: "Der Brandschutz in Cumlosen ist gewährleistet, das Fahrzeug ist einsatzbereit." Er unterstütze generell eine Neubeschaffung, aber die finanzielle Lage der Gemeinde gebe das derzeit nicht her. Rund 125 000 Euro Eigenmittel seien notwendig. Zu der Führerscheinproblematik verwies Bethke auf die Unterstützung seitens des Amtes. "Wir bieten die Ausbildung immer wieder mal an, finanzieren sie. Auch Gordon Fähling hätte diesen Führerschein bei uns machen können", sagt Bethke.

Harald Ziegeler als Ordnungsamtsleiter vertritt zum Fahrzeug keine andere Meinung: "Cumlosens Wehr hat ein sehr gutes Fahrzeug." Dieses wurde aufgerüstet "und ist mittelfristig einsatzfähig". All das sei im Einvernehmen mit der Ortswehr erfolgt. Andere Wehren hätten gar nur einen B 1000. Den gesamten Amtsbereich gelte es zu überblicken. Zur Herausnahme der TS seien vier Mann nötig und der neue EU-Feuerwehrführerschein schaffe für Kameraden Sondermöglichkeiten, so dass sie mit einem Pkw-Führerschein Einsatzfahrzeuge bis 7,5 Tonnen fahren dürfen.

Dass Cumlosen tagsüber unter der Woche Schwierigkeiten mit der Einsatzbereitschaft habe, sei ein generelles Problem in vielen Dörfern. Das werde in der Brandschutzkonzeption und der Alarmierungsordnung berücksichtigt. Sie legt fest, welche Wehren gemeinsam alarmiert werden.

Noch eine andere Entscheidung kritisiert Fähling ebenfalls. Die Gemeinde habe statt 12 000 Euro nur 6000 Euro für Löschwasserbrunnen eingestellt. "Wentdorf braucht einen neuen Brunnen, in Cumlosen und Motrich stehen eventuell Reparaturen an", sagt Fähling. Außerdem soll im Seeviertel von Cumlosen ein Brunnen gebohrt werden. Das sei das Ergebnis einer Löschwasseranalyse des Kreises. 6000 Euro seien für diese Maßnahmen zu wenig. Die Brunnen seien wichtig, denn die Gemeinde müsse für ausreichend Löschwasser sorgen. Die vorhandenen Wasserleitungen des WTAZV haben laut Fähling keine ausreichende Qualität, liefern nicht genug Löschwasser.

Kontinuierlich werden Brunnen gewartet, das Netz ausgebaut, versichert Harald Ziegeler. Im gesamtem Amt gebe es Bereiche, in denen weitere Brunnen notwendig seien. Aktuell seien beispielsweise Brunnen in der Wische versandet, müssen repariert werden. Auch zu diesem Thema müsse man schauen, wo die Dringlichkeit am höchsten ist. Cumlosen besitze mehrere offene Gewässer - ein Vorteil, den andere Ortschaften so nicht haben.

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