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Der Prignitzer

23. November 2017 | 12:38 Uhr

Kein Nachfolger in Sicht

vom

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2013 | 05:51 Uhr

Lenzen | Als Hans-Joachim Makel und seine Ehefrau Christina ihr Textilhaus in der Hamburger Straße 39, das sie fast vier Jahrzehnte lang gemeinsam führten, vor etwas mehr als drei Jahren ein letztes Mal für die Kundschaft öffneten, hatten sie gehofft, schnell einen Nachmieter zu finden. "Die Einrichtung ist modern und hochwertig eingerichtet, der Nachfolger würde sich ins gemachte Nest setzen können", sagte Hans-Joachim Makel am Tag der Schließung gegenüber unserer Zeitung.

Doch weit gefehlt. Noch immer stehen die Ladenflächen des im Jahr 1932 von Vater Hans Makel übernommenen und 1999 vom Junior komplett sanierten Wohn- und Geschäftshauses in zentraler Lage am Markt leer. Schaufensterpuppen frieren und auch die Regale und Kleiderständer fristen ein trostloses Dasein. "Es gab zwar einige Anfragen, doch die sind gescheitert. Lenzen ist den Leuten wohl nicht interessant genug", zuckt Hans-Joachim Makel, dessen zwei Kinder beruflich andere Wege eingeschlagen haben, die Schultern. "Dabei bräuchte ein neuer Mieter nur seine Ware ausräumen und könnte sofort loslegen. Alles steht hier auf Position Start."

Das Schicksal des bereits seit 1789 als Geschäft, Gaststätte und Ausspanne genutzten Eckhauses ist in Lenzen beileibe kein Einzelfall. Auch im letzten noch geöffneten Textilgeschäft der Stadt weisen seit Wochen Schilder mit der Aufschrift "Räumungsverkauf" an den Scheiben auf eine bevorstehende Schließung hin. Die noch zu DDR-Zeiten stark frequentierte Einkaufsmeile Wilhelm-Pieck-Straße, wie sie zwischendurch einmal hieß, hat ihre Anziehungskraft auch für Kunden aus den benachbarten Orten längst eingebüßt. Viele Geschäfte stehen leer, einige sind gar zu Wohnraum umfunktioniert worden.

"Die Vertriebswege sind zum Teil anders geworden. Heute boomt der Internethandel", weiß Hans-Joachim Makel, der das Handwerk des Verkäufers selbst von der Pike auf gelernt hat. Bereits mit 23 Jahren arbeitete er als Abteilungsleiter im einstigen Berliner Kaufhaus Madeline, hat hier auch "Frau Honecker und ihre Tochter bedient." Persönlich kann der diplomierte Betriebswirt die neuen Kaufmethoden über den Onlinehandel nicht nachvollziehen. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie das funktioniert. Alles soll passen, ohne die Ware vorher anprobiert zu haben?", fragt der 65-Jährige, der seine Sakkos und Hemden nach wie vor lieber selbst in Fachgeschäften erwirbt. "Ich gehe gern einkaufen. Mir macht das Spaß, auch weil mich die Mode fachlich interessiert", gibt der Lenzener zu.

Die Hoffnung, einen neuen Mieter für sein Textilgeschäft zu finden, hat Hans-Joachim Makel noch nicht vollends aufgegeben. "Notfalls" würde er seine Räumlichkeiten auch als Büro oder Praxis für Physiotherapeuten zur Verfügung stellen, auch wenn es ihm in diesen Fall "sehr leid" um den Standort als Textilwarenhaus täte. "Aber Leerstand bringt ja auch nichts", meint Makel leicht desillusioniert.

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